Erzbistum bremst Konzept aus

Erzbistum bremst Konzept aus

Von Dieter Klink

Freiburg - Mitten in die durch eine geplante Strukturreform ("Pastoral 2030") ausgelöste Unruhe dürfte ein weiterer Beschluss des Erzbischöflichen Ordinariats für Diskussionen in den katholischen Pfarrgemeinden sorgen.



Das Konzept "Pastoral 2030" wurde im Februar von der Bistumsverwaltung vorgestellt, momentan wird es in den Gremien und Verbänden diskutiert. Für Unmut sorgte insbesondere der Umstand, dass die derzeit 224 Kirchengemeinden laut Vorgabe zu künftig 40 Großpfarreien zusammengefasst werden sollen. Bis 2020 soll das Konzept entscheidungsreif sein.

Damit zusammen hängt nun auch die Planung für den Gebäudebestand der Diözese. Die Bistumsleitung bremst das bisherige Gebäudekonzept zumindest aus, bis die Strukturreform in Grundzügen steht.

In einem Schreiben an alle Amtsträger und Bauämter in den Dekanaten des Bistums kündigte die Verwaltung in Freiburg am Mittwoch an, dass die bisherige Gebäudekonzeption, die Zuschüsse für anstehende Sanierungsmaßnahmen gewähren sollte, vorerst auf Eis gelegt werde. Die sogenannte Pastorale Gebäude- und Immobilien-Konzeption (PGK) sei "in der Übergangszeit nicht mehr zwingend Grundlage für vorgesehene Genehmigungen von Baumaßnahmen und deren Finanzierung beziehungsweise Bezuschussung", heißt es in dem Brief, der beschönigend mit "Entlastung für Kirchengemeinden bei Gebäudefragen" überschrieben ist.

Ursprünglich sei mit der PGK den Kirchengemeinden im Rahmen eines Sonderbauprogramms zugesagt worden, anstehende Maßnahmen zu bezuschussen. Die Grundlagen hätten sich nun aber entscheidend verändert, da die "territoriale Strukturen der 40 neu zu bildenden Kirchengemeinden noch nicht feststehen". Ob Gebäude erhalten, verkauft oder renoviert werden sollen, solle aber auf der Grundlage der 40 neuen Kirchengemeinden entschieden werden.

Die jetzigen noch bestehenden Pfarrgemeinden könnten zwar den Gebäudebestand erfassen lassen. Darüber hinausgehende Maßnahmen der "Gebäudeoptimierung" und deren Finanzierung würden aber in der Übergangsphase "nicht fortgeführt, solange sie sich vorwiegend auf die derzeitige Struktur beziehen". Falls Entscheidungen nicht zurückgestellt werden könnten, werde man Einzelfallentscheidungen treffen, "bei denen künftige Entwicklungen berücksichtigt werden".

Das Ordinariat in Freiburg gab sich gestern auf Nachfrage zu dem Schreiben zugeknöpft. Die zuständige Fachabteilung verwies auf die Pressestelle. Diese wiederum sah sich nicht imstande, Fragen zu dem Brief zu beantworten. Es gebe noch internen Abstimmungsbedarf, hieß es lediglich.

Der Baden-Badener Dekan Martin Schlick bestätigte den Eingang des Schreibens. Er habe sich aber noch nicht ausgiebig damit befasst, sagte er dem BT. "Ich bin nach Ostern zu Gesprächen nach Freiburg eingeladen, dort will ich mich weiter erkundigen", sagte Schlick. Der Brief sei "erst mal eine erste Info".

Der Rastatter Dekan Josef Rösch sprach von einem kurzzeitigen Aufschub, der aber nur ein bis zwei Jahre andauere. "Das Schreiben ist notwendig, um alle zu informieren." Rösch geht davon aus, dass dringend notwendige Baumaßnahmen in der Einzelprüfung genehmigt würden. Schon bisher habe es Einzelfallprüfungen gegeben. Rösch sieht den kurzzeitigen Stopp nicht so dramatisch. "Projekte werden sich etwas verzögern. Aber das sind wir in der Kirche ja gewöhnt", sagt er.

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