Aufstieg in die zweite Börsenliga

Aufstieg in die zweite Börsenliga

Von Jürgen Volz

Baden-Baden - Das Unternehmen hatte es zwar nie explizit als ein vordringliches Ziel genannt, aber nun freut man sich in der Vorstandsetage von Grenke doch über die Aufnahme in den M-DAX. Die Deutsche Börse hatte den Wechsel vom wesentlich kleineren S-DAX am späten Mittwochabend bekannt gegeben (wir berichteten).



Der Aufstieg in die zweite Börsenliga in Deutschland kommt nicht überraschend - der Zeitpunkt schon. Bereits mehrfach hatte das Baden-Badener Unternehmen in der Vergangenheit die erforderlichen Kriterien wie etwa Marktkapitalisierung und Börsenumsatz erfüllt und an die Tür zum M-DAX geklopft - den Sprung aber jeweils knapp verpasst. Zwar hatte zuletzt der Aktienkurs und damit die Marktkapitalisierung trotz nach wie vor sehr guter Geschäfte etwas gelitten, doch bei der neuerlichen turnusmäßigen Überprüfung der Indizes durch die Deutsche Börse war der Weg für die Grenke-Aktien plötzlich frei. Sie ersetzten im M-DAX die Aktien der Wacker Chemie AG, die in den kleineren S-DAX rutschen. Das bayerische Chemieunternehmen fiel der sogenannten Fast-Exit-Regel zum Opfer, das heißt, Marktkapitalisierung und Börsenumsätze waren über einen längeren Zeitraum hinter Platz 65 im M-DAX zurückgefallen.

Beim Leasing-Spezialisten sieht man sich für die Neuaufnahme und die damit verbundenen Anforderungen mit einer aktuellen Marktkapitalisierung - also dem Wert des Unternehmens - von gut vier Milliarden Euro gerüstet. "Für uns wird sich nicht viel ändern. Wir gehen unseren Wachstumsweg konsequent weiter", sagte Finanzchef Sebastian Hirsch gestern dem Badischen Tagblatt. Er hatte auf einer Geschäftsreise nach Irland die Kunde aus Frankfurt erhalten. Gleichwohl rücken das Geschäftsmodell und die Aktie nun verstärkt in den Fokus vor allem der institutionellen Anleger wie Fonds oder Versicherungen. "Bislang sind wir an der Börse eher als Small-Cap wahrgenommen worden, das wird sich nun natürlich ändern", sagte Hirsch zur erhöhten Aufmerksamkeit, die Grenke künftig bei Investoren genießt.

Mit Blick auf den Aktienkurs ist das Vorrücken in den M-DAX von Vorteil. "Wir werden mehr Liquidität in der Aktie sehen", ist sich der Finanzchef aufgrund des erwarteten höheren Handelsvolumens sicher. Ein bisschen Rückenwind tut dem Papier durchaus gut, nachdem es im September 2018 mit 107,20 Euro einen Höchststand erreicht hatte, zuletzt aber mehr als 20 Prozent einbüßte. Nach Bekanntgabe der Aufnahme in den M-DAX legte der Aktienkurs gestern jedoch um knapp 2,9 Prozent auf 88,80 Euro zu.

Grenke befindet sich im neuen Index in illustrer Gesellschaft. Dort tummeln sich Unternehmen wie Airbus, Zalando, Puma oder auch die Commerzbank. Mit seiner aktuellen Marktkapitalisierung muss sich der Neuling aus dem Badischen nicht etwa hinten anstellen, sondern reiht sich gleich ins untere Mittelfeld der namhaften Unternehmen ein.

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte die Grenke-Gruppe mit ihren Geschäftsfeldern Leasing, Factoring und Bank den Gewinn auf den neuen Rekordwert von 131,1 Millionen Euro (plus 24,4 Prozent) geschraubt. Das Neugeschäft summierte sich auf nahezu drei Milliarden Euro (plus 22 Prozent). Auch das erste Quartal 2019 verlief überaus positiv mit einem Gewinn von 33,6 Millionen Euro (plus 13,6 Prozent). Für das gesamte Jahr rechnet der Vorstand mit einem Gewinn zwischen 147 und 156 Millionen Euro - auch das wäre wieder ein Rekord.

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