Zu schnell und zu betrunken

Zu schnell und zu betrunken

Von Martin Oversohl und Florian Krekel

Stuttgart/Offenburg - In Weißbach kracht am Sonntag ein Motorradfahrer in einen Bus und stirbt, am selben Tag kommt eine Frau auf einem Krad nahe Aalen ums Leben, ein weiterer Motorradfahrer prallt auf einer Bundesstraße gegen ein Verkehrsschild, auch er überlebt den Unfall nicht. Mindestens drei tote Motorradfahrer an einem Tag. In den ersten sechs Monaten des Jahres sind deutlich mehr Biker auf den Straßen im Südwesten ums Leben gekommen als im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres.


Insgesamt starben bei Verkehrsunfällen in Baden-Württemberg 214 Menschen, das sind drei mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres. 50 von ihnen waren mit dem Motorrad unterwegs, im vergangenen Jahr waren es zwischen Januar und Juni noch 44. "Das ist ein trauriger Anstieg", sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU). "Mit der Entwicklung der Zahl von tödlichen Motorradunfällen bin ich nicht zufrieden."

Dabei hatte das Innenministerium im Frühjahr 2018 extra einen "5 Punkte Plan für mehr Sicherheit in der Motorradsaison" aufgelegt. Er sieht unter anderem eine intensive Überwachung, das Entschärfen gefährlicher Strecken und kostenlose Technikchecks vor. Trotz der neuen Zahlen soll das Programm nicht erweitert werden.

Der Trend mit dem Anstieg tödlicher Motorradunfälle hatte sich 2018 auch im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg gezeigt. Mit 456 Motorradunfällen hatte es im Gesamtjahr 2018 ganze 67 Unfälle mehr als 2017 im Präsidiumsbezirk gegeben - zehn davon mit tödlichem Ausgang.

Im ersten Halbjahr 2019 sieht die Bilanz des Offenburger Präsidiums dagegen etwas besser aus. 14 Menschen starben insgesamt vom 1. Januar bis zum 30. Juni auf den Straßen des Präsidiumsbezirks, zudem der Landkreis Rastatt, der Stadtkreis Baden-Baden und der Ortenaukreis zählen. Zwei von ihnen waren auf motorisierten Zweirädern unterwegs - das sind zwei weniger als im ersten Halbjahr 2018. Auch insgesamt bewegten sich die Zahlen für das erste Halbjahr entgegen dem Landestrend - hatte es doch von Januar bis Juni 2018 mit 17 Verkehrstote drei mehr gegeben.

Wieder viele Radfahrer unter Verkehrsopfern

Auffällig bleibt aber 2019 die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer (fünf, plus eins im Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2018). Ein trauriger Trend, der sich landesweit zeigt: Zwischen Januar und Juni wurden 4 878 Unfälle mit Fahrrad oder E-Bike gezählt (minus 5,8 Prozent), es starben allerdings 33 Fahrradfahrer (plus 18 Prozent). Einen Grund für die fatalen Folgen hat Innenminister Strobl bereits ausgemacht: "Bei den getöteten Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern trugen mehr als zwei Drittel keinen Helm", sagte er. "Die Schutzwirkung eines Fahrradhelms ist glasklar und unbestritten. Jedem muss klar sein: Helme können Leben retten", so Strobl.

Unter den 14 Verkehrstoten des Offenburger Präsidiumsbezirk im ersten Halbjahr 2019 war zudem laut Wolfgang Kramer aus der Polizeipressestelle ein Fußgänger. Fünf Menschen starben hinter dem Steuer von Pkw oder Lkw.

Die Zahl der Verkehrsunfälle insgesamt sank landesweit im Vergleich zum ersten Halbjahr 2018 von 159 347 auf 158 718 (minus 0,4 Prozent). Dabei wurden 18 064 Menschen leicht verletzt (minus 4,2 Prozent), 3 758 Personen erlitten schwere Verletzungen (minus 5,8 Prozent). Mehr als jeder zweite wurde in den ersten sechs Monaten auf baden-württembergischen Straßen getötet, weil ein Fahrer betrunken oder zu schnell unterwegs war.

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