Der Traum von der "Neuen Seidenstraße"

Der Traum von der 'Neuen Seidenstraße'

Von Jürgen Volz

Lahr - Das Angebot schien verlockend: Rund 200 Millionen Euro wollten chinesische Investoren in den kommenden Jahren in den Flughafen Lahr investieren. Das hätte den lange andauernden Dornröschenschlaf endlich beendet. Indes: Der Flughafen ist momentan an den Unternehmer Martin Herrenknecht verpachtet. Und der Tunnelbau-Pionier hat überhaupt kein Interesse daran, sich eine mögliche Konkurrenz ins eigene Haus zu holen. Auch kommunalpolitisch scheint das Projekt nicht durchsetzbar.



In und um Lahr ist die China-Offerte seit Wochen das beherrschende Thema. Zumal gerade der OB-Wahlkampf in die heiße Phase geht. Am 31. Oktober ist Wahltag. Amtsinhaber Wolfgang Müller (68) geht in den Ruhestand. Er hatte in den zurückliegenden Monaten "Sondierungsgespräche" mit den Chinesen geführt, allerdings ohne konkrete Ergebnisse und auch mit keinerlei Zusagen, wie der SPD-Mann kürzlich bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz beteuerte - nachdem die Angelegenheit publik geworden war. Inzwischen haben sich die fünf Kandidaten für seine Nachfolge auf dem OB-Sessel jedoch mit Nachdruck von dem Vorhaben distanziert. Damit scheint der Spuk ein Ende zu haben.

Völlig unklar bleibt bis heute, ob die nicht näher benannten Investoren den ehemaligen Militärflughafen, der im städtischen Besitz ist und heute als Fracht- und Verkehrslandeplatz genutzt wird, komplett kaufen oder lediglich betreiben wollten. Zuletzt haben sich auf dem rund 200 Hektar großen Areal in Sichtweite zur Start- und Landebahn einige namhafte Firmen niedergelassen, darunter der Modeversender Zalando.

Privates Engagement



stützt Flugbetrieb

Der Flugbetrieb selbst gestaltet sich eher bescheiden und beschränkt sich vor allem auf Fracht. Bestrebungen, den Passagierbetrieb auszuweiten, sind bislang allesamt gescheitert. Dass in Lahr überhaupt Flieger starten und landen, ist dem Engagement regionaler Unternehmer wie Roland Mack (Europa-Park) und Martin Herrenknecht zu verdanken. Letzterer hat den Airport in Pacht übernommen, um dort seine Geschäftsflüge abzuwickeln. Seine Zusage für den Weiterbetrieb gilt zunächst bis 2021.

Das vermeintliche Interesse aus China bot in den letzten Wochen reichlich Raum für Spekulationen und trieb so manche Blüte. Es war sogar die Rede davon, dass die Chinesen den Flugplatz in ihr Milliarden-Projekt "Neue Seidenstraße" integrieren wollen - gestützt durch die Tatsache, dass 2018 in Lahr ein Start-up-Center für China gegründet wurde. Dessen selbsterklärtes Ziel war es, die Stadt als Knotenpunkt dieses gigantischen Verkehrs- und Handelsprojektes zu installieren. Und auch der scheidende Oberbürgermeister machte keinen Hehl aus seiner Sympathie für das Riesenreich, war mit Delegationen schon mehrfach dort, um Kontakte zu knüpfen.

Den Flughafen Lahr gibt es schon mehr als 100 Jahre. Zunächst war er als Zeppelin-Fluggelände angelegt, später wurde er zum Militärflugplatz umgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die Franzosen als Besatzungsmacht das Areal. Die NATO stationierte dort Düsenjäger. Später kamen die Kanadier und machten Lahr sogar zu ihrem Hauptquartier in Deutschland. Als die Kanadier 1994 abzogen, entwickelte die Stadt das an der Autobahn gelegene Gelände weiter. Ähnlich wie am Baden-Airpark bei Rheinmünster siedelten sich zahlreiche Firmen an. Jüngsten Angaben zufolge sind dort inzwischen rund 5 000 Arbeitsplätze entstanden.

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