http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Alte Idee elektrisiert die Baden-Badener aufs Neue
12.08.2017 - 00:00 Uhr

Von Harald Holzmann

Baden-Baden - Zwölf Tage ist es her, da ließ Oberbürgermeisterin Margret Mergen eine kleine Bombe platzen: In einem Nebensatz am Ende einer Pressekonferenz machte sie klar, dass sie grundsätzlich einen Anschluss der Innenstadt ans Stadtbahnnetz befürwortet. Dieser Satz hat viele Baden-Badener elektrisiert.

Hintergrund

Zudem pflichtete der zuständige Referatsleiter im Verkehrsministerium, mit dem die kurze Anmerkung zuvor offensichtlich abgesprochen gewesen war, Mergen bei. Die Anbindung der Innenstadt werde wieder interessant, man werde sich bei Interesse der Stadt beim Bund um Planungsgelder bemühen, meinte er. Der Chef des Karlsruher Verkehrsverbundes signalisierte sogleich großes Interesse, die Linie zu bedienen. Mehr ist zwar nicht geschehen, doch das Thema interessiert die Baden-Badener. Pro und Kontra werden diskutiert - in Leserbriefen, in sozialen Netzwerken, auf der Straße und in den Ratsfraktionen gleichermaßen.

Dabei ist das alles nicht neu. Bereits in den 90er Jahren hatte es eine detaillierte Planung für eine Weiterführung der Stadtbahn vom Bahnhof Oos bis zum Augustaplatz gegeben. Vor 17 Jahren scheiterte das Projekt aber an der ablehnenden Haltung im Gemeinderat. Mergen erklärte, sie habe die damaligen Pläne in der Schublade und könne diese wieder hervorholen, wenn die finanziellen Rahmenbedingungen das ermöglichten. SPD-Stadtrat Werner Schmoll hat die Pläne von 1999 aus seinem Archiv geholt. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.

Welche Linienführung sahen die Planungen vor?

Die Bahnlinie sollte zunächst auf der alten Bahntrasse an der Blutbrücke in Oos die Sinzheimer Straße überqueren, dann dem Verlauf der Grünen Einfahrt folgen und nach wenigen Hundert Metern auf die Ooser Bahnhofstraße schwenken. Von da an wäre die Stadtbahn durch die Rheinstraße verkehrt, dann wieder ab Ebertplatz auf der jetzigen Grünen Einfahrt zum Festspielhaus und schließlich über Lange Straße, Luisenstraße, Leo und Lichtentaler Straße zum Augustaplatz. Haltestellen waren an allen Busstationen der Linie 201 geplant.

Sind auch Alternativen geprüft worden?

Ja - die Schwarzwaldstraße, die Grüne Einfahrt und eine Trasse entlang am nördlichen Rand der B500 wurden als Varianten geprüft. Diese waren aber unwirtschaftlicher als die Trassenführung in der Rheinstraße. Letztere schnitt bei der sogenannten standardisierten Bewertung damals mit einem Wert von 1,26 ab. Das heißt: Jede Mark, die in die Strecke investiert werden sollte, hätte laut Berechnung zum volkswirtschaftlichen Nutzen von 1,26 Mark geführt. Nur bei einem Wert von über 1,0 wird ein solches Projekt öffentlich gefördert.

War eine zweigleisige Strecke geplant?

Nein. Die Strecke sollte eingleisig werden. Nur an Stationen sollten für den Begegnungsverkehr zwei Gleise entstehen. Die Station Kleine Dollenstraße war aus Platzgründen eingleisig geplant.

Wie wollte man Platz für die Stadtbahngleise in der engen Rheinstraße schaffen?

Die Rheinstraße sollte komplett umgebaut werden. Die Stadtbahn sollte in der Mitte der Straße fahren, Autos rechts und links davon. Um Platz für Gleise zu schaffen, sollten je nach Planung zwischen 41 und 107 Parkplätze an den Straßenrändern wegfallen.

Was war noch geplant?

"Grundvoraussetzung für die Einführung einer Stadtbahn in die Innenstadt ist die deutliche Entlastung der Rheinstraße vom Durchgangsverkehr", stellten die Planer damals fest. Um das zu erreichen, sollte die Schweigrother Straße mit einer Ampel an den Zubringer angebunden werden. Zudem war die Öffnung der Beethovenstraße für den Zweirichtungsverkehr angedacht, um die Kreuzung Leopoldstraße/Lange Straße zu entlasten. Als Ersatz für wegfallende Anwohnerparkplätze in der Rheinstraße sollten Quartiers-Parkhäuser gebaut werden.

Mit welchen Kosten rechnete man damals?

Veranschlagt waren Kosten von 108 Millionen Mark. Davon entfielen 91,8 Millionen Mark direkt auf die Stadtbahn. 16,2 Millionen Mark sollten Straßenbauarbeiten und der Bau der Parkhäuser kosten. Abzüglich der Zuschüsse von Bund und Land rechnete man damit, dass 39 Millionen Mark an der Stadt hängenbleiben würden. Drei Projekte, die damals Bestandteil der geschätzten Kosten waren, wurden tatsächlich realisiert: der Stadtbahnhalt Haueneberstein, der Anschluss der Schwarzwaldstraße in Höhe Feuerwache an den Zubringer und der Park-and-Ride-Parkplatz in Oos.

Wie lange sollten Planung und Bau dauern?

Man rechnete mit einer neunjährigen Planungsphase und zwei Jahren Bauzeit. 2010 sollte die erste Stadtbahn in die Innenstadt rollen.

Wie oft sollte die Stadtbahn in die Innenstadt fahren?

Für die Direktverbindung von und nach Karlsruhe war ein 20- bis 60-Minuten-Takt vorgesehen. Zwischen Oos und Augustaplatz sollte ein 10-Minuten-Takt gelten.

Welche Folgen hätte das für das Busnetz der Baden-Baden-Linie (BBL) gehabt?

Die Tallinie 201 sollte nur noch zwischen Oberbeuern und Hindenburgplatz fahren. Die Linien 206 und 218 sollten von Balg beziehungsweise Iffezheim über die Stadtmitte hinaus bis nach Lichtental geführt und die Linien 216 ins Rebland und 207 nach Sinzheim zusammengefasst werden. Die Linie 216 nach Haueneberstein sollte nur noch zwischen Bahnhof und Eberbachgemeinde pendeln.

Wieso wurde die Planung damals nicht verwirklicht?

Die Kommunalpolitiker scheuten die Kosten. Zudem befürchtete man eine Schwächung des Busnetzes der BBL und Nachteile für die Innenstadt. Man rechnete mit einem Kaufkraftabfluss in Richtung Karlsruhe und mit einem stärkeren Zustrom an Tagesgästen, den man damals nicht wollte.

Sind die damaligen Pläne heute noch zu realisieren?

Sicher nicht ohne diverse Veränderungen und eine neue Wirtschaftlichkeitsberechnung (standardisierte Bewertung). Auch die Trassenführung müsste erneut überprüft werden. Ohne Anschluss der Cité, wie damals geplant, wäre das Projekt heute wohl nicht sinnvoll. Dort wohnen mittlerweile schließlich viele potenzielle Fahrgäste, deren Einbeziehung in die Planung die Wirtschaftlichkeit erhöhen könnte. Zudem gilt es, das Vorhaben daraufhin zu überprüfen, ob es die Aufnahme der Kurstadt ins Weltkulturerbe gefährden könnte.

Gibt es Alternativen?

Es wird zu prüfen sein, ob es inzwischen technische Alternativen zur Stadtbahn gibt. So gibt es die Idee der FBB-Fraktion, künftig Elektrobusse einzusetzen, die durch in einer Fahrbahn eingebaute Induktionsschleifen geladen werden. Dadurch könnte man sich den Bau von Gleisen sparen. Eine Überlegung wäre auch der Bau einer Luftseilbahn, wie sie derzeit in Stuttgart und Konstanz erwogen wird. Beide Lösungen wären kostengünstiger als die Stadtbahn - allerdings müsste man bei beiden Varianten weiterhin am Bahnhof umsteigen.

Wieso ist das Thema jetzt eigentlich wieder aktuell geworden?

Wie kürzlich berichtet, wird die Stadtbahnlinie von Karlsruhe nach Süden ab 2022 nicht mehr wie bisher nach Achern geführt. Endstation ist ab dann Baden-Baden. Der Anschluss der Innenstadt wäre aus Sicht des Karlsruher Verkehrsverbundes deshalb ein logischer Schritt. Zudem nehmen die Verkehrsprobleme in Baden-Baden wegen der seit Jahren wachsenden Anzahl von Tagesgästen, Berufspendlern und Touristen zu. Der öffentliche Nahverkehr ist keine attraktive Alternative zum Auto, weil die Busse auch im Stau stehen. Die Luftqualität wird wegen der Abgase immer schlechter, die Lärmbelastung steigt. Eine Stadtbahn-Anbindung könnte viele Menschen dazu bringen, das Auto stehenzulassen, meinen Befürworter des Projekts.

Wie geht es jetzt weiter?

Nach der Sommerpause wird das Thema auf der Tagesordnung des Gemeinderats landen. Die SPD hat beantragt, Geld für eine Machbarkeitsstudie auszugeben. Die Grünen befürworten das Projekt, die FBB begrüßt die Diskussion, die CDU will eine grundsätzliche Auseinandersetzung über "Mobilität der Zukunft" in Baden-Baden, die Freien Wähler haben sich gegen die Stadtbahn ausgesprochen, schlagen aber eine Bürgerbefragung vor.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Weisenbach
--mediatextglobal-- DRK-Kreisausbildungsleiter Frank Mayer (rechts) zeigt bei der Schulung in Weisenbach zahlreichen Interessierten, wie sie einen Defibrillator zu bedienen haben. Foto: Uebel

08.08.2017 - 00:00 Uhr
Mehr als 50 Bürger bei Defi-Schulung
Weisenbach (ueb) - Auf sehr große Resonanz stieß die Defi-.Schulung, zu der das DRK ins Feuerwehrhaus eingeladen hatte. Über 50 Bürger folgten den Erläuterungen von Kreisausbildungsleiter Frank Mayer und seinen Kollegen und lernten die wichtigen Handgriffe im Notfall (Foto: Uebel). »-Mehr
Rheinmünster
5 000 Fluggäste an einem Tag

29.07.2017 - 00:00 Uhr
Hochbetrieb auf dem Baden-Airport
Rheinmünster (gero) - Hochsaison auf dem Baden-Airport: An diesem ersten langen Ferienwochenende werden 18 000 Fluggäste erwartet, allein 5000 am Sonntag. Das alles bei 160 Flugbewegungen. Gestern Nachmittag wurde zudem der 15-millionsten Fluggast begrüßt (Foto: FKB). »-Mehr
Baden-Baden
--mediatextglobal-- Wolfgang Scheidtweiler, OB Margret Mergen und Andreas Falz (von rechts) freuen sich mit Vertretern der Betreiber und der Landesverwaltung über den erneuerten Kiosk. Foto: Kiosk

29.07.2017 - 00:00 Uhr
Biergarten am Alten Schloss
Baden-Baden (hez) - Die Zeiten, in denen Besucher des Alten Schlosses bei Hunger und Durst auf mitgebrachte Verpflegung bauen mussten, geht zu Ende. Jetzt wurde der erneuerte Kiosk mit bayerischem Biergarten am Haupttor vorgestellt, der in Kürze in Betrieb gehen soll (Foto: Zorn). »-Mehr
Baden-Baden
Tag der offenen Tür: Einblicke in die Arbeit des Rettungsdiensts

16.07.2017 - 07:32 Uhr
DRK-Wache: Blick hinter die Kulissen
Baden-Baden (red) - Wer die Arbeit des Rettungsdiensts einmal hautnah erleben möchte, hat an diesem Sonntag ab 11 Uhr die Möglichkeit dazu. Bei einem Tag der offenen Tür bietet die DRK-Rettungswache Interessierten die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen (Foto: DRK). »-Mehr
Davos
Zauberberg trifft auf Farbenkraft. Fotos: Zanger

23.11.2012 - 10:18 Uhr
Heilklima und prächtige Berge
Davos (red) - Was Davos und Klosters, die Graubündener Nobelkurorte, vor allem attraktiv macht, sind - im Sommer wie im Winter - die majestätische Bergwelt und das Höhenklima. Die weltberühmten Luftkurorte faszinieren seit 100 Jahren ihre Gäste - und das hält bis heute an (Foto: bodo). »-Mehr
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Für eine Mehrheit der Deutschen ist Armut ein großes gesellschaftliches Problem. Glauben Sie, dass die Kluft zwischen Arm und Reich größer wird?

Ja.
Nein.

Wetter in Mittelbaden


Facebook


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen   
Alte Idee elektrisiert die Baden-Badener aufs Neue1