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Leben wie in einer Großfamilie
25.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Nina Ernst

Baden-Baden - "Für mich ist die Wohngemeinschaft wie eine zweite Familie geworden", sagt Bettina Schaum. Und das, obwohl sie nicht einmal im Scherer-Caritaszentrum in der Baden-Badener Cité lebt. Dafür wohnt ihre Schwester seit fast drei Jahren dort. "Zwischen Bewohnern, Angehörigen und Betreuern hat sich ein schönes Zusammenleben entwickelt."

Seit dem Juli 2015 gibt es die Einrichtung im Menton-Ring1, die von der Scherer-Stiftung finanziert wurde und seither vom Caritasverband betrieben wird. Schaums Schwester, Martina Trapp, lebt mit elf weiteren Bewohnern in der Wohngemeinschaft (WG) für an Demenz erkrankte Menschen. Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer mit Bad - und jedes Zimmer ist ganz individuell eingerichtet. Eigene Möbel, eigene Deko. Das sei Teil des Konzepts, erläutert Manuela Lang, Caritas-Fachbereichsleiterin Altenhilfe. Wertschätzung werde groß geschrieben. Lang sagt: "Das Grundrecht auf ein würdevolles Leben gibt man auch mit einer Demenz nicht ab."

"Hier gebe ich meine Schwester in gute Hände", ist sich Schaum sicher. Relativ früh sei ihre Schwester, die sie liebevoll Tina nennt, an Demenz erkrankt, und sie in ein Pflegeheim zu geben sei für Schaum unvorstellbar gewesen. So zog die damals 52-jährige Tina Trapp als eine der Ersten in die Wohngruppe, direkt nach deren Eröffnung. Dort kümmern sich tagsüber zwei sogenannte Alltagsbetreuer um die Bewohner, nachts einer. Mit der Pflege ist ein ambulanter Dienst beauftragt.

Das Leben in der Gemeinschaft werde getragen von der engen Zusammenarbeit von Angehörigen, ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern, erklärt Wohngruppenleiterin Ann-Kathrin Clappier. Sie spricht mit einem Lächeln im Gesicht über ihre Aufgabe und zeigt so, wie sehr sie für ihre Aufgabe brennt und vom Konzept überzeugt ist. Sie hebt vor allem einen Unterschied zum Leben im Pflegeheim hervor: Jeder Bewohner könne seinen Tagesablauf individuell gestalten - da bleibe der eine auch schon mal bis nach Mitternacht wach und der andere schlafe gern lang. Als Gruppenleiterin muss Clappier auch viel am Schreibtisch arbeiten, aber: "Die Bewohner gehen natürlich vor."

"Als Angehöriger muss man Zeit mitbringen und das auch wollen", sagt Schaum, die gemeinsam mit Reinhold Brommer als Bewohner-Angehörigen-Sprecherin agiert. Denn sowohl Aufgaben im Haushalt wie waschen und kochen als auch Freizeitaktivitäten werden gemeinsam durchgeführt. So nehmen die Angehörigen aktiv teil am Leben der Bewohner und sichern gleichzeitig deren Selbstbestimmung. Seit Trapp in der WG mit dem vielversprechenden Namen "Bonjour la vie" wohnt, könne sie wieder in aller Ruhe zur Arbeit gehen, ohne Angst haben zu müssen, dass ihrer zuvor alleinlebenden Schwester in den eigenen vier Wänden etwas passiert, berichtet Schaum. In der WG wisse sie Tina "24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche gut betreut".

Ähnlich geht es Reinhold Brommer. Seine Ehefrau, Gaby Brommer, bezog mit 62 Jahren im Jahr 2015 die WG. Sie leidet an der betreuungsintensiven Frontotemporalen Demenz, die unter anderem mit erhöhter Aggressivität verbunden ist, erläutert Reinhold Brommer. Nach drei Monaten in der WG habe Gaby Brommer nur noch die Hälfte ihrer üblichen Medikamente gebraucht - das sei ein positiver körperlicher Nebeneffekt neben dem generellen Wohlbefinden. Rund vier Jahre lang habe Reinhold Brommer seine Frau zuhause betreut - seit sie in der Cité wohnt, sei auch er ständig zugegen und sehr engagiert. "Er ist unser Gourmetkoch", freut sich Leiterin Clappier, "und außerdem macht er hier oft Musik."

Doch Hilfe könne man nie genug bekommen, sagt Lang. Ehrenamtliche Helfer, die ein Teil der "Großfamilie" werden wollen, seien immer herzlich willkommen. Als Ansporn fügt Lang schmunzelnd und wohl wissend hinzu: "Und Demenz ist nicht ansteckend."

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