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Sorgen um Thermal- und Trinkwasser
Geothermie-Bohrungen sind nicht unproblematisch. In Rottach-Egern ist 2016 danach eine Straße abgesackt. Foto: dpa
20.07.2018 - 00:00 Uhr
Von Henning Zorn

Baden-Baden - Mit großen Bedenken sieht man bei der Stadt Baden-Baden die Bestrebungen der Deutschen Erdwärme GmbH, in der Region im Bereich der Rheinebene und in Teilen der Vorbergzone Erdwärme und Sole zu fördern, was natürlich mit Bohrungen verbunden ist. Damit wird sich der Gemeinderat am kommenden Montag beschäftigen.

Die Deutsche Erdwärme GmbH mit Sitz in Karlsruhe hat beim Regierungspräsidium Karlsruhe einen Antrag gestellt auf bergrechtliche Erlaubnis zur Aufsuchung von Erdwärme und Sole im sogenannten "Feld Römerbad". Dieses Feld erstreckt sich in der Rheinebene und in Teilen der Vorbergzone von Durmersheim bis kurz vor Bühl. Erwartet werden in Tiefen von rund 4000Metern Temperaturen von 160 bis 180 Grad Celsius. Damit, so teilt die Erdwärme GmbH mit, lasse sich gut Wärme erzeugen, die man in Fernwärmenetze einspeisen will. Im Sommer könne die Wärme in Strom verwandelt werden.

Heißes Thermalwasser soll zutage gefördert werden, wo ihm dann ein Teil der Wärme entzogen wird. Das abgekühlte Thermalwasser wird dann wieder über eine zweite Tiefbohrung in die geologische Schicht zurückgeführt, aus der es stammt. Dabei strebt man auch zusätzlich eine Nutzung der mit dem Thermalwasser geförderten Salzlösung (Sole) an.

Die grundsätzliche bergrechtliche Erlaubnis für die GmbH, um die es jetzt geht, beinhaltet noch nicht unmittelbar das Recht, Bohrungen durchzuführen und die dafür nötigen Anlagen zu errichten. Dazu ist noch ein weiteres Verfahren erforderlich, bei dem es um die Zulassung eines bergrechtlichen Betriebsplans geht. Auch daran wird die Stadt Baden-Baden wieder beteiligt.

Trotzdem hat die hiesige Stadtverwaltung auch schon für das jetzige Erlaubnisverfahren eine Stellungnahme erarbeitet, obwohl noch offen ist, wo sich die Standorte des Geothermie-Projekts befinden werden und ob die Kurstadt wirklich dadurch betroffen sein wird. Allerdings hat die Erdwärme GmbH bereits mitgeteilt, dass ein Schwerpunkt der Arbeiten im Süden des Erlaubnisfeldes liegen werde, was auf die Baden-Badener Gemarkung hindeutet (betroffen können Steinbach, Oos, Sandweier, Haueneberstein und Bereiche westlich von Balg sein).

Die Stellungnahmen diverser Bereiche der Stadtverwaltung machen große Skepsis und Sorgen deutlich. Der Fachbereich Forst und Natur gibt zu bedenken, dass man noch keine Details kenne von den geplanten Förderungsmethoden und ihren Auswirkungen auf Natur und Landschaft. Innerhalb des Untersuchungsgebiets befänden sich etliche Schutzgebiete. Derzeit lasse sich nicht sagen, ob Untersuchungen naturschutzrechtlich genehmigungsfähig wären.

Der Bereich Wasserwirtschaft betont nachdrücklich, dass der Schutz der Baden-Badener Thermalquellen die Nutzung der Tiefengeothermie einschränken könnte, denn man hält nachteilige Folgen für die Thermalquellen durch die Bohrungen für möglich. Restriktionen für das Erdwärmevorhaben könnten sich auch aus der PFC-Belastung ergeben.

Die Stadtwerke sehen in dem Vorhaben "ein erhebliches Gefährdungspotenzial" für die Grundwassergewinnungsanlagen und somit für die gesamte Wasserversorgung. Grundwassertrennschichten könnten beschädigt werden. Da müsse ein neutraler Gutachter vorher die geplanten Maßnahmen bewerten.

Aus dem Bereich Stadtplanung klingt es ähnlich. Dort hat man Bedenken wegen möglichen PFC-Einträgen im Trink- und Thermalwasser durch die Bohrungen. Nachhaltig sichergestellt werden müssten die Qualität und Verfügbarkeit des Thermalwassers, denn sonst sieht man auch Gefahren für den Unesco-Welterbeantrag Baden-Badens.

Der Fachbereich Liegenschaften weist auf die Schäden an Straßen und Gebäuden hin, die bei Geothermie-Bohrungen in anderen Kommunen entstanden sind. Daher sollte dem Antrag nicht stattgegeben werden.

Der Bereich Wirtschaftsförderung und Klimaschutz stellt fest, dass die Tiefengeothermie bei der Bevölkerung auf große Bedenken stoße. Dies sei auch der Tatsache geschuldet, dass es sich beim Oberrheingraben um ein tektonisch überaus sensibles Gebiet handle. Darüber hinaus falle die Reduzierung von CO2-Emissionen durch Tiefenwärme mit 2,1 Prozent vergleichsweise gering aus.

Die Stadtverwaltung will ihre Stellungnahmen an das Regierungspräsidium weiterleiten.

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