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"Besser kann man es nicht haben"
02.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Christa Hoffmann

Baden-Baden - Wer Peter Mansky im idyllischen Müllenbachtal im Landschaftsschutzgebiet besucht, betritt eine andere Welt - einen Bauernhof, der aus einem Bilderbuch abgeguckt scheint. 36 Merinoschafe, zehn schwäbisch-hällische Landschweine, Hofhund Yankele, 30 Hühner, die beiden Katzen Hänsel und Gretel und vier Pferde leben hier. Darunter ist ein Kaltblut (Percheron). Beim Wegfahren fühlt man sich erfüllt und innerlich geerdet, eine Verbundenheit mit der Natur, die einem im Alltag meistens abhanden kommt.

Der Schweizer Sennenhund Yankele hält es kaum aus, dass er bei der Führung nicht dabei sein darf. So hat sein Herrchen ein Einsehen und nimmt ihn mit - auch in den Stall. "Er liebt die Schweine", erklärt Peter Mansky, und davon kann man sich auch gleich selbst überzeugen, als er nach der Besichtigung der Muttersau mit ihren 13 Ferkeln vier andere Schweine aus dem Pferch in den Hof lässt.

Vor rund 40 Jahren hat Peter Mansky, damals noch im Karlsruher Raum, mit der Landwirtschaft angefangen und sich und seine Familie lange autark ernährt, erzählt er. Mitte der 1990er Jahre suchte er dann etwas Eigenes und ist auf den maroden, 400 Quadratmeter großen Hof in Baden-Baden gestoßen, - manchen von früher noch als "Scharfes Eck" bekannt -, der an der L78 auf dem Weg zur Nachtigall in Richtung Gernsbach liegt. "Eineinhalb Jahre lang habe ich das Haus von 1823 kernsaniert", berichtet er, das wie die anderen Gebäude im Tal ein Lehenshof vom nahe gelegenen Schloss Eberstein gewesen sei.

Ende des 19.Jahrhunderts sei das Haus in den Gasthof "Zum Schloss Eberstein" umgebaut worden. Bei der Renovierung habe er auf der Rückseite die Aufschrift "Gaststall" entdeckt und eine alte Speisekarte, darunter "Gänserühreier mit Bratkartoffeln und Rahmkäse". Mansky bewirtschaftet inzwischen fast das ganze Tal und kümmert sich mit seiner Lebensgefährtin Sybille Löw nicht nur um die Tiere, sondern auch um rund zehn Hektar Land, wovon er 1,5 Hektar sein eigen nennt. Im Auftrag des Forstamts beweiden seine Schafe das Tal (Offenhaltung von Kulturlandschaft). Und der Bauer pflegt seine Obstbäume - Apfel, Zwetschgen, Birne und Sauerkirsche. Zu dem Schäfer Sven-Jörg Svensson habe er ein gutes Verhältnis, berichtet der Landwirt. Er schere im Mai immer seine Schafe und schlachte seine Tiere.

Seit 18 Monaten ist Mansky Mitglied bei der Gesellschaft zur Erhaltung aussterbender Haustierrassen. Momentan überlegt er, ob er ein sogenannter Arche-Hof werden will. Dann müsste er drei aussterbende Rassen beherbergen, bisher habe er mit den Schafen und Schweinen aber nur zwei.

"Ich schwinge gerne die Mistgabel, das macht Spaß und hält fit", verrät der Naturfreund, der Kunst und Grafikdesign studiert hat und Firmen im Bereich Marketing und Kommunikation berät. Seine Höfe waren nie nur Hobby, sondern "richtige Landwirtschaft", betont er. Und ein Ausgleich zu seinem Beruf. Er habe sich bei der Arbeit mit den Tieren entspannt, viel von ihnen gelernt und viele Erkenntnisse gewonnen. Er biete auf dem Hof auch ein Kommunikationstraining für Manager an, das nach einer zertifizierten Methode des US-Amerikaners Monty Roberts abläuft, der über Vertrauen und Kommunikation mit Pferden eine besondere Herangehensweise entwickelt hat.

Mansky, der sich nach Jahren als Vorstandssprecher in einem Konzern vor zehn Jahre selbstständig gemacht hat, schätzt neben der guten Haltung von Tieren auch eine natürliche Ernährung. Seine Schweine lebten etwa ein Jahr bei ihm, hätten Zeit zum langsamen Wachsen und würden dann mit einem Gewicht von rund 100 bis 120 Kilogramm geschlachtet. Die konventionelle "100-Tage-Turbo-Sau" wiege nach dieser kurzen Zeit rund 90 Kilogramm. "Und das Fleisch wird in der Pfanne genauso schnell klein", kritisiert der Landwirt diese Art der Tierhaltung.

Und er tritt für sanftes Schlachten ein. Wenn er den Spruch höre, dass viele ein Tier, dass sie vorher kannten, nicht essen könnten, antwortet er: "Und ich will keins essen, das ich vorher nicht kannte." Mit einem befreundeten Metzger mache er auch Wurst nach eigenen Rezepten. Seine Produkte vermarktet er direkt.

Nicht zu Wurst verarbeitet worden ist "Ottilie". Das acht Jahre alte Schwein der kanadischen Rasse Duroc hat sich zweimal geweigert, auf den Hänger zu gehen, der zum Schlachter fahren sollte. Der Landwirt respektierte das und ließ sie auf seinem Hof bleiben. Inzwischen wiegt "Ottilie" zwischen 350 und 400 Kilogramm. "Sie ist lieb und genügsam".

Wenn Peter Mansky einem bei einer mächtigen Eiche etwas oberhalb seines Hauses seinen Lieblingsplatz zeigt, von dem aus man einen herrlichen weiten Blick ins Tal hat, und in dessen Nähe die Quelle des Müllenbachs entspringt, dann geht einem das Herz auf. "Besser kann man es nicht haben", sagt er. Das stimmt!

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