http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Auch die Armut gehört zu Baden-Baden
Trotz einer leichten Verbesserung: Auch Altersarmut gibt es in der Kurstadt. Foto: dpa
17.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Henning Zorn

Baden-Baden - Fast 5000 Menschen in Baden-Baden leben von Hartz IV und anderen Sozialleistungen - sie gelten deshalb als "arm". Häufig sind davon Kinder betroffen. Dies geht aus der Aktualisierung des städtischen Armutsberichts hervor, die gestern im Rathaus anlässlich der aktuellen "Aktionswoche gegen Armut" vorgestellt wurde.

"Unsere Zahlen sind im negativen Sinne stabil", kommentierte Iska Dürr, Leiterin des Fachbereichs Bildung und Soziales, die neuen Erkenntnisse. So ist die Armutsquote in der Kurstadt mit knapp 8,7 Prozent gegenüber dem ersten Armutsbericht von 2015 fast unverändert. Ein Anstieg von rund 10 Prozent ist bei den Personen festzustellen, die Arbeitslosengeld II beziehen - darunter sind auch zahlreiche Flüchtlinge. Knapp jeder sechste Leistungsempfänger ist jünger als 25 Jahre.

Überhaupt ist festzustellen, dass gerade die Jugend sehr von Armut betroffen ist. 1149 Kinder gehören an der Oos zur armen Bevölkerung. Dies ist ein überdurchschnittlicher Anteil im Vergleich zur Gesamtbevölkerung, was allerdings für das gesamte Bundesgebiet gilt. Auffallend gerade in Baden-Baden ist weiterhin der überproportionale Anteil von Alleinerziehenden an den Empfängern von Sozialleistungen.

Teil der Baden-Badener Armutspopulation sind auch 926Senioren im Alter von über 65 Jahren. Damit ist nach längerer Zeit mit hohen Zuwachsraten bei der Altersarmut nicht nur eine Stabilisierung festzustellen, sondern sogar ein positiver Trend. Denn im Bereich der Grundsicherung im Alter konnte man zuletzt einen gewissen Rückgang verbuchen.

Insgesamt, darauf legte gestern Bürgermeister Roland Kaiser großen Wert, falle die Armutsentwicklung in der Kurstadt im baden-württembergischen Vergleich der Stadtkreise nicht aus dem Rahmen, da stehe man sogar recht gut da.

Dennoch: Dass fast neun Prozent der Baden-Badener als arm gelten - und hier ist eine grundlegende Besserung nicht in Sicht -, will die Stadtverwaltung nicht einfach tatenlos hinnehmen. So steht bei der nächsten Sitzung des Sozialausschusses am 24. Oktober das Thema Wohnraumsicherung besonders im Blickpunkt.

Schließlich ist in Baden-Baden angesichts des angespannten Wohnungsmarktes und der steigenden Mietpreise auch die Zahl der Obdachlosen angestiegen. So kletterte zwischen 2014 und 2018 die Zahl der Personen, die von der Stadt obdachlosenrechtlich untergebracht werden mussten, von 137 auf 278. "Auch Familien mit Kindern werden geräumt", berichtete Iska Dürr.

Vor diesem Hintergrund hat der Stadtkreis bereits 2015 eine Fachstelle für Wohnraumsicherung eingerichtet, die schon in einer Vielzahl von Fällen eine drohende Obdachlosigkeit verhindern konnte. Diese Fachstelle soll zur dauerhaften Institution werden. Außerdem will man nun die Angebote im Bereich der Wohnungslosenhilfe weiter verbessern.

Auch die hohe Kinderarmut bereitet große Sorgen. Daher ist die Verwaltung ganz froh, dass Leistungsangebote zur Förderung der Teilhabe von Kindern in wachsendem Maß in Anspruch genommen werden. Dazu zählen zum Beispiel finanzielle Hilfen für den Schulbedarf und die Mittagsverpflegung sowie für die Schülerbeförderung.

Ein wichtiges Ziel sei es nun, so erklärte Dürr, gerade Kinder aus bildungsfernen oder Migranten-Familien vermehrt an die frühkindliche Bildung heranzuführen. Man will erreichen, dass mehr Kinder aus solchen Familien in Kitas angemeldet werden. Daher sollen zum Beispiel deren Eltern bei einem Besuch in der Kita begleitet werden, wo sie dann gezeigt bekommen, wie hier die Kinder ihre Zeit verbringen.

Im Bereich der Altersarmut will die Stadt durch diverse Maßnahmen (Sozialticket, Einkaufen im Tafelladen) die "Beschwerlichkeiten eines Lebens in der Grundsicherung" abmildern. Schließlich könnten die Zahlen von Menschen in Grundsicherung rasch wieder ansteigen, wenn die heute 55- bis 65-Jährigen in den Ruhestand gehen.

Ein besonders Anliegen der Stadt sei es, so betonte gestern Bürgermeister Roland Kaiser, trotz der verbreiteten Armut für ein gutes soziales Miteinander in Baden-Baden zu sorgen.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Baden-Baden
Polizei warnt vor Einbrechern

16.10.2018
Polizei warnt vor Einbrechern
Baden-Baden (red) - Mit Beginn der dunklen Jahreszeit steigt das Risiko Opfer eines Einbruchs zu werden. Nach sehr unauffälligen Sommermonaten registrierte die Polizei pünktlich zum Herbstbeginn einen Anstieg der Einbrüche. Wie man sich schützen kann, erfährt man hier (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Stuttgart
Feinstaubwert steigt trotz Alarms

16.10.2018
Feinstaubwert steigt trotz Alarms
Stuttgart (lsw) - Nach dem Start des Feinstaubalarms am Montag in Stuttgart sind die Belastungswerte im Vergleich zum Wochenende deutlich gestiegen. Am Montag wurden am Neckartor im Mittel 41 Mikrogramm Feinstaub gemessen, am Wochenende waren es 28 gewesen (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Rastatt
--mediatextglobal-- Einst fast verschwunden: Die Pfeifengraswiese im Teilergrund soll geschützt werden.  Foto: Kropp

16.10.2018
Schutz der Artenvielfalt
Rastatt (red) - Zum Schutz der wertvollen Pfeifengraswiese und damit auch der Artenvielfalt in der Rheinaue werden in den nächsten Tagen im Auftrag des Regierungspräsidiums Karlsruhe (RP) im Gewann Teilergrund bei Plittersdorf Gehölze zurückgeschnitten (Foto: pr). »-Mehr
Köln
Welthändewaschtag: Nur die Hälfte wäscht zu Hause gleich die Hände

15.10.2018
Wie wichtig Handhygiene ist
Köln (dpa) - Viele Menschen waschen sich nicht ausreichend ihre Hände und verbreiten so Krankheiten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie anlässlich des heutigen Welthändewaschtags. Nicht nur nach dem Toilettengang, auch nach dem Naseputzen sollte sich jeder die Hände waschen (Foto: dpa). »-Mehr
Bühl
--mediatextglobal-- Erst kurz dabei und schon Matchwinner: Bruno Lima (Zweiter von links), hier im Block mit Matt Seifert (rechts).  Foto: toto

15.10.2018
Bisons drehen das Spiel
Bühl (win) - Der Fehlstart in die Jubiläumssaison wurde gerade noch so vermieden. Zu Beginn der zehnten Spielzeit in der Volleyball-Bundesliga lagen die Volleyball Bisons Bühl (Foto: toto) gegen Herrsching nach Sätzen bereits mit 0:2 zurück, drehten das Spiel aber und gewannen mit 3:2. »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Am Sonntag finden Kommunal- und Europawahlen statt. Gehen Sie wählen?

Ja.
Nein.
Ich bin noch unschlüssig.
Ich hab schon per Briefwahl abgestimmt.


http://www.karlsruhe.ihk.de/handelsregister
http://www.caravanlive.de/
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
Auch die Armut gehört zu Baden-Baden1