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Thermalwasser: Falsche Schilder schüren Hoffnung
11.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Sarah Reith

Baden-Baden - Für Verwirrung haben Schilder gesorgt, die schon länger am Brunnen in der Trinkhalle prangen: Ganz im Sinne derjenigen, die das Baden-Badener Thermalwasser gern wieder zum Trinken freigeben würden, wird auf Krankheiten hingewiesen, gegen die das Wasser helfen soll, sowie auf eine maximale Trinkmenge. BT-Recherchen haben ergeben: Noch darf das Wasser nicht getrunken werden. Allerdings liegt dem Regierungspräsidium Karlsruhe ein Antrag vor, der das ändern könnte.

Dr. Irmgard Tilemann, Vorsitzende des Badeärztlichen Vereins Baden-Baden, hatte Anfang Januar gesehen, dass in der Trinkhalle zahlreiche Menschen Thermalwasser abfüllten oder vor Ort kosteten. Sie bemerkte eine laminierte Information mit Indikationen, bei denen das Thermalwasser eingesetzt werden könnte, und einen a m Brunnen befestigten Zettel in einer Klarsichthülle. Auf diesem wird gleich in sechs Sprachen darauf hingewiesen, dass es sich um eine "Heilquelle" handle, die "natürliche Mineralstoffe und Spurenelemente" enthalte und von der nicht mehr als 1/8 Liter Wasser pro Tag getrunken werden solle. Tilemann verschickte folglich gestern eine Pressemitteilung, in der sie ihre Freude kundtat, dass das Thermalwasser nun "Mineralwasser geworden" und wieder "trinkbar" sei.

Dem ist aber nicht so - zumindest noch nicht. Das Thermalwasser darf weiterhin nicht getrunken werden, betonte der Leiter des Gesundheitsamts Rastatt, Dr. Jan Ulrich Krahl. Die vom Gesundheitsamt verlangten Schilder "Kein Trinkwasser" sind auch tatsächlich noch immer an allen Baden-Badener Thermalbrunnen zu finden, nur fällt der kleine Hinweis in Anbetracht der größeren Zettel, die anderes vermuten lassen, in der Trinkhalle nicht mehr sonderlich auf.

Diese größeren Hinweise wollen allerdings weder die Bäder- und Kurverwaltung (BKV) Baden-Württemberg, noch die Carasana Bäderbetriebe oder die Stadtverwaltung angebracht haben. Anscheinend ging man bei der BKV davon aus, die Zettel stammten von städtischer Seite, während die Stadt die Carasana als Urheber annahm - und so blieben die Hinweise eines unbekannten Verfassers bereits seit dem vergangenen Jahr ungestört am Brunnen.

Doch auch, wenn die Schilder allem Anschein nach nicht offiziell sind, könnte sich Tilemanns Wunsch der Anerkennung des Thermalwassers als "Mineralwasser" noch erfüllen. Genau in diese Richtung gehen offenbar die Bemühungen von BKV-Chef Steffen Ratzel, der es sich wie berichtet auf die Fahnen geschrieben hat, das Thermalwasser wieder trinkbar zu machen. Wie das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe gestern bestätigte, liegt der Behörde bereits seit längerem ein Antrag der Carasana Bäderbetriebe auf "Mineralwasseranerkennung" vor. Derzeit warte man in dem Fall auf eine Stellungnahme des geologischen Landesamts in Freiburg. Die Carasana als Betreiber hat den Antrag auf Wunsch der BKV gestellt, betonte Carasana-Geschäftsführer Jürgen Kannewischer gestern. Auch BKV-Chef Ratzel bestätigte: "Wir sind dran an dem Thema." Allerdings gebe es noch keine finalen Ergebnisse.

Wie vielfach berichtet, scheiterten vor Jahren die Bemühungen, für das Baden-Badener Thermalwasser das Prädikat "Heilwasser" zu erlangen. Eine Zulassung als "natürliches Mineralwasser" hätte gegenüber dem "Heilwasser" den Vorteil, dass nicht das komplexe Arzneimittelrecht greifen würde. Andere Städte mit Thermalquellen haben eine solche Zulassung bekommen. Im Erfolgsfall könnten die ungeliebten Schilder "Kein Trinkwasser" endlich weichen. Eine heilende Wirkung dürfte man dem "Mineralwasser" allerdings nicht zuschreiben.

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