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Banksy sorgt
14.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

Baden-Baden - Lachende Schülergruppen, nassgeschwitzte Jogger, Studenten, Journalisten, Kunstinteressierte und Touristen - Banksys Schredderbild lockt die unterschiedlichsten Leute zum Museum Frieder Burda. Eines ist jedoch allen gemein: Im Obergeschoss des Gebäudes zieht jeder von ihnen - fast schon reflexartig - das Smartphone aus der Tasche, um sich vor einem zerstörten Kunstwerk abzulichten.

Das Schredder-Werk, um das es sich hierbei handelt, entstand aus dem Bild "Girl with Balloon" des britischen Streetart- und Aktionskünstlers Banksy. Im Oktober war es beim Auktionshaus Sotheby's in London für 1,2 Millionen Euro an eine europäische Sammlerin versteigert worden. Doch es war keine gewöhnliche Auktion, denn direkt nach dem Kauf wurde das Bild in einen im Rahmen verborgenen Schredder gezogen und zerstörte sich selbst. Der anonyme Künstler Banksy machte damit seine Kritik am Kunstmarkt öffentlich.

Eine Woche später erklärte er das teilweise zerstörte Bild zu einem neuen Werk. Es heißt nun "Love is in the bin" ("Die Liebe ist im Eimer"). Unter diesem Titel hängt es derzeit im Museum Frieder Burda. Noch bis zum 3. März können es Interessierte dort betrachten. Am heutigen Donnerstag findet zudem eine Gesprächsrunde zum Thema Banksy und zu dessen Attacke auf den Kunstmarkt im Museum statt. Tickets für "Talking Banksy" können auf der Homepage des Museums Frieder Burda bestellt werden.

Das Bild selbst kann kostenlos betrachtet werden. Allerdings besteht die Möglichkeit, für ein Flüchtlings-Projekt zu spenden. Neben dem Werk zeigt das Museum auch Hintergrundtexte zum Künstler. In Kurzfilmen wird zum einen Banksy selbst vorgestellt, zum anderen werden die Vorgänge rund um die Schredder-Auktion in London rekapituliert.

Eine Gruppe englischer Mädchen im Alter von 16 bis 18 Jahren macht ein gemeinsames Selfie vor dem Kunstwerk. Sofort wird das Foto auf Instagram gepostet. Der Hashtag #Banksy darf dabei natürlich nicht fehlen. Die Jugendlichen machen einen Städtetrip durch Baden-Baden. Dass ausgerechnet in diesem Zeitraum "Love is in the bin" im Frieder Burda Museum zu sehen ist, sei Zufall gewesen. Wirklich kunstinteressiert ist eigentlich keines der Mädchen. Aber Banksy habe eben "für eine Menge Aufsehen gesorgt", so die 18-jährige Celine Chesslock.

Unter den Besuchern ist auch James Bekimbauer. Im Gegensatz zu vielen anderen kann der Baden-Badener den Medienhype, der um Banksy gemacht wird, nicht nachvollziehen - und das, obwohl er die Werke des Künstlers eigentlich schätzt: "Aus der Aktion, die sich in London ereignet hat, wird nun eine Show gemacht. Aber die eigentliche Botschaft, die der Künstler damit vermitteln wollte, fällt in den Hintergrund", sagt er. Das sei "schade", denn dadurch verliere die Kunst ihren Wert. Ein Rentnerehepaar ist ähnlicher Meinung und steuert deshalb direkt auf die Ausstellung "Die Brücke" zu. Im Untergeschoss hat sich derweil eine weitere Gruppe von Senioren versammelt, die ebenfalls "Die Brücke" sehen will. "Wenn wir schon einmal hier sind, werden wir aber auch noch kurz bei Banksy vorbei schauen", sagt eine ältere Frau.

Anders ist es bei Thomas Schleuning. Er ist mit seiner Tochter extra aus Landau angereist, um "Love is in the bin" aus nächster Nähe zu betrachten. Schleuning ist Mitglied beim Kunstverein Villa Streccius in Landau und an allem interessiert, was besonders kreativ ist. Banksys Werke kannte er schon vor der Schredderaktion: "Ich finde es faszinierend, wie man anonym weltweit Kunst machen und dadurch berühmt werden kann", sagt er. Als Goldschmied nutzt er Kunstwerke auch gerne als Inspiration für seine eigenen Erzeugnisse: "Manchmal ziehe ich aus Gemälden auch Ideen, die ich mir selbst zunutze machen kann", fügt Schleuning hinzu.

Für seinen heutigen Museumsbesuch hat sich der Goldschmied etwas ganz Besonderes ausgedacht: In dem Moment, als ihn seine Tochter vor dem Banksy-Bild fotografieren möchte, zieht er plötzlich einige weiße Papierschnipsel aus seiner Jackentasche. Das Entsetzen in den Augen des Sicherheitspersonals ist kaum zu übersehen: "Im ersten Moment haben die gedacht, ich hätte die Schnipsel von Banksys Werk abgerissen", erzählt Schleuning und schmunzelt dabei. Sogar seine Tochter habe zweimal hinschauen müssen, um sich zu versichern, dass der Vater sich nur einen Spaß erlaubt hat. Wie so oft habe ihn auch Banksys Kunstwerk dazu bewegt, selbst kreativ zu werden, sagt Schleuning, während er die Korridore zum Ausgang des Museums hinuntergeht.

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