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"Schwarzes Tuch" liegt seit Freitag überm DRK-Stift
'Schwarzes Tuch' liegt seit Freitag überm DRK-Stift
05.03.2019 - 00:00 Uhr
Von Harald Holzmann

Baden-Baden - Heimaufsicht und Brandschutzverantwortliche prüfen derzeit, ob ein Weiterbetrieb des Ludwig-Wilhelm-Stifts möglich ist. Die Stadt prüft aber auf eigene Veranlassung - der Betreiber, das DRK Baden-Baden, hat keinen Antrag gestellt. Im Pflegeheim, das zum September schließen soll (wir berichteten), werden den 45 Bewohnern und ihren Angehörigen ab heute Sprechstunden angeboten. Gespräche mit der Gewerkschaft Verdi wegen der geplanten Entlassung aller Mitarbeiter werden wohl demnächst starten.

Die Stimmung im Ludwig-Wilhelm-Stift ist seit Freitag am Boden. An diesem Tag war der am Montag zuvor gefasste Beschluss des DRK-Vorstands, das Heim zu schließen, verkündet worden - zunächst dem Betriebsrat, dann den Mitarbeitern, den Bewohnern und schließlich der Presse.

"Es ist, als ob am Freitag ein schwarzes Tuch über das Haus geworfen worden wäre", schildert eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben will, die Atmosphäre im Stift. Anrufer berichteten dem BT gestern zudem von weinenden Bewohnern und ratlosen Angehörigen, die sich nach der schockierenden Nachricht über die bevorstehende Schließung am Wochenende vom Betreiber des Pflegeheims total alleine gelassen gefühlt hätten. Etwa ein Drittel der älteren Menschen, die ohne Angehörige sind und unter Betreuung stehen, seien besonders hart betroffen. In einem Kündigungsschreiben war den teilweise langjährigen Bewohnern mitgeteilt worden, sie sollten sich "in den kommenden sechs Monaten um einen neuen Platz in einem Pflegeheim unter anderer Trägerschaft bemühen". Dabei ist es eigentlich so, dass der Betreiber verpflichtet ist, sich um neue Plätze zu kümmern und auch den Umzug zu zahlen. Das räumte gestern auch DRK-Geschäftsführer Harald Kothe ein. Gespräche mit den Betreibern anderer Heime in der Region seien schon aufgenommen worden, sagte er.

FDP sieht "schwere



Managementfehler"

Unter Schock stünden auch viele der 46 Mitarbeiter, von denen eine ganze Menge seit Jahrzehnten im Stift beschäftigt ist, hieß es gestern von Angestellten. Kritisiert wurde, dass der Betreiber seine Belegschaft erst vier Tage nach Beschlussfassung informiert habe. Einen schalen Nachgeschmack habe es auch hinterlassen, dass das DRK erst vor einigen Monaten versucht habe, mit langjährigen Mitarbeitern neue Verträge zu schließen. Da das in vielen Fällen gescheitert sei, wähle man wohl nun diesen Weg, um sich von den Mitarbeitern, die zum Teil tarifliche Vorteile genießen, zu trennen, hieß es. Von "Böswilligkeit" und "Dilettantismus" war die Rede. "Schwere Managementfehler" sieht auch FDP-Stadtrat Rolf Pilarski. Die daraus resultierende Belastung der alten Menschen und die geplante Entlassung der kompletten Belegschaft seien inakzeptabel. Deswegen fordert Pilarski unter anderem von der Verwaltung die Verlängerung aller nötigen Genehmigungen für den Weiterbetrieb des Heimes.

Das ist eine Forderung, die der Betreiber des Wohnstifts selbst allerdings gar nicht gestellt hat. Das habe man erst gar nicht versucht, denn dafür habe man vor allem wegen der seit Jahren herrschenden gravierenden Brandschutzmängeln keine Chance gesehen, sagte Geschäftsführer Harald Kothe. Es sei kein erfreuliches Thema und es sei sicher "nicht alles so gelaufen, wie wir es uns gewünscht hätten". Aber die Pläne für den Neubau in der Hubertusstraße hätten eben nicht zeitgerecht umgesetzt werden können. Geplant gewesen sei immer der Umzug der Bewohner und der Belegschaft ins neue Heim. "Am Ende hat es aber halt nicht funktioniert", so Kothe. Nun sei die Schließung unvermeidlich. Einer der Gründe dafür ist nach seinen Worten auch, dass der Verkauf des denkmalgeschützten Stiftsgebäudes in der Rotenbachtalstraße an einen Investor, der für sein dort geplantes Luxus-Wohnprojekt schon die Baugenehmigung hat, für 2020 vereinbart ist. Natürlich wolle der neue Besitzer irgendwann auch mal seine Planungen umsetzen.

Nach Kothes Worten sind für das Stift bereits zwei Millionen Euro ans DRK geflossen. Weitere etwa drei Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren folgen. Das ist das Geld, das eigentlich den Grundstock für den in der Hubertusstraße geplanten Pflegeheim-Neubau bilden sollte. Ein großer Teil des Betrages wird nun wohl aber in die Abfindungen fließen, die an die zu entlassenden Mitarbeiter gezahlt werden müssen. "Das wird alles sicher nicht umsonst sein", räumte Kothe ein.

Der Erlös aus dem Verkauf des alten Stifts reiche ohnehin nicht, um den Neubau zu finanzieren. "Bevor wir keine Baugenehmigung haben, wird uns jedoch keine Bank etwas leihen", so der Geschäftsführer. Und die habe man eben noch nicht, weil Anwohner aus der Hubertusstraße gegen das Projekt Widerspruch eingelegt hätten. Das dafür angepeilte Areal gehöre auch immer noch der Stadt, sagte Kothe, betonte aber zugleich, dass die Pläne für den Neubau nicht zu den Akten gelegt werden sollen. "Wir wollen in dieser Branche weiter tätig sein. Es ist ein Markt mit Zukunft, den man nicht Privaten überlassen sollte, die damit Gewinn machen wollen", sagte er.

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