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Behördenrufnummer: Hohe Mehrkosten
Behördenrufnummer: Hohe Mehrkosten
25.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Harald Holzmann

Baden-Baden - Die Behördenrufnummer 115 wird in der Kurstadt gut angenommen - so gut, dass es die Stadt teuer zu stehen kommt: Seit der Inbetriebnahme des Services im Juli 2017 sind knapp 230 000 Euro Mehrkosten entstanden. Und: Die jährlichen Kosten liegen mehr als fünfmal so hoch als ursprünglich angenommen.


Seit 1. Juli 2017 können Bürger Anliegen montags bis freitags, von 8 bis 18 Uhr, unter der bundesweit einheitlichen Rufnummer 115 an die Stadtverwaltung richten. Die Anrufer landen in einem Servicezentrum in Karlsruhe. Dieses bekommt für jeden bearbeiteten Anruf Geld von der Stadt.

Oberbürgermeisterin Margret Mergen versprach sich vom neuen System vor allem mehr Bürgerfreundlichkeit. Zudem sollte das Arbeiten im Rathaus künftig effizienter werden, weil die Mitarbeiter nicht mehr so oft von Bürgeranrufen von ihrer eigentlichen Tätigkeit abgelenkt würden wie bisher, hatte es beim Start geheißen.

Am kommenden Montag, 29. April, muss der Hauptausschuss nun gravierende Mehrkosten für das Projekt freigeben und darüber entscheiden, ob es überhaupt fortgeführt werden soll. Insgesamt waren 50 000 Euro für die beiden Jahre 2018 und 2019 im Haushalt eingeplant gewesen. In Wirklichkeit schlägt die 115 für diese beiden Jahre aber mit knapp 228 000 Euro zu Buche. Und auch künftig wird der Service die Stadt nicht 25 000 Euro im Jahr kosten, wie es ehedem bei der Einführung geheißen hatte, sondern 130 000 Euro. Mit diesem Betrag rechnet jedenfalls die Verwaltung.

Für die Mehrkosten gibt es hauptsächlich zwei Ursachen: die hohe Anzahl der Anrufe und den extrem gestiegenen Minutenpreis, den der Anbieter gegenüber der Stadtverwaltung abrechnet. Schon 2018 wählten fast 14 800 Anrufer aus der Kurstadt die Behördenrufnummer. In den kommenden Jahren werden 16 800 Anrufen pro Jahr erwartet. Das sei so nicht zu erwarten gewesen, heißt es in den Unterlagen für den Hauptausschuss. Zudem rechnet das Servicezentrum in Karlsruhe einen deutlich höhren Minutenpreis ab als ursprünglich geplant. Beim Einstieg in das System war von einem Preis von 1,21 Euro pro Telefonminute die Rede gewesen, den die Stadt an das Servicezentrum zahlen sollte. Doch schon im ersten Jahr lag der Real-Preis bei 1,35 Euro pro Minute. 2018 stieg er auf 2,01 Euro, für 2019 ist mit 2,19 Euro zu rechnen. Ein Rückgang sei erst ab 2020 zu erwarten, geht aus den Unterlagen der Verwaltung hervor. Und selbst dann wird der Preis bei 1,91 pro Minute liegen und damit um gut 57 Prozent höher als ursprünglich vorgesehen.

Ursache für die Preissteigerung ist der Vertrag mit dem Servicezentrum, der festlegt, dass bei den angeschlossenen Kommunen die kompletten Kosten abgerechnet und auf diese umgelegt werden können. "Durch die Anbindung zahlreicher weiterer Gemeinden musste das Servicezentrum deutlich erweitert werden - technisch, personell und räumlich", heißt es in den Unterlagen als Begründung. Aktuell schlügen Investitionen in den Ausbau des Servicezentrums sowie die Anlaufphase neuer Teilnehmer zu Buche.

Einsparungen lassen sich laut der Stadtverwaltung im Gegenzug derzeit aber nicht realisieren. Personaleinsparungen seien nicht möglich - auch nicht in der Telefonzentrale der Stadtverwaltung, bei der zwar weniger Anrufe eingehen, von der aus aber die beiden Bürgerbüros am Briegelacker und in der Innenstadt mit betrieben werden. Geht es nach der Stadtverwaltung, ändert sich trotz der hohen Kosten nichts. Es bleibe "ein zusätzliches Angebot für die Bürger, das wie andere Services auch seinen Preis hat". Zudem seien mittlerweile alle Kommunen der Technologieregion Karlsruhe an den Service angebunden. "Ein Ausstieg, gerade auch nach so kurzer Zeit, wäre ein Imageverlust für die Stadt", heißt es weiter.

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