http://www.ausbildungsmesse-baden-baden.de/
"So etwas kommt nicht mehr vor"
'So etwas kommt nicht mehr vor'
22.05.2019 - 00:00 Uhr
Von Henning Zorn

Baden-Baden - Im Landgerichtsprozess gegen einen psychisch kranken 36-Jährigen, der vor rund eineinhalb Jahren vor der Klinik Gunzenbachhof einen Mitpatienten von hinten angegriffen und mit einer Nagelschere verletzt hatte (wir berichteten), wurde gestern das Urteil verkündet. Die Große Strafkammer ordnete die Unterbringung des Angeklagten in einer psychiatrischen Klinik an, deren Vollstreckung allerdings zur Bewährung ausgesetzt wird.

Damit entsprach das Gericht mit seiner Entscheidung im Wesentlichen den Forderungen der Staatsanwaltschaft sowie der Verteidigung. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Fischer ging in seiner Urteilsbegründung zunächst auf den Vorfall vom September 2017 ein, als der heute 36-Jährige, der schon lange unter paranoider Schizophrenie leidet und deshalb auch unter Betreuung steht, mit der Schere einen ihm flüchtig bekannten Mann vor der Baden-Badener Klinik attackierte. Was in ihm dabei vorgegangen ist, ob er sein Opfer zufällig auswählte oder eine Wut auf den Mann entwickelt habe, könne man nicht sagen, meinte Fischer.

Das Gericht gehe auf jeden Fall als Tatbestand von einer gefährlichen Körperverletzung aus und nicht von einem versuchten Tötungsdelikt. Dabei sehe man den Angeklagten aufgrund seiner Erkrankung als schuldunfähig an. Da diese aber zuvor schon wiederholt zu schizophrenen Ausfällen, Realitätsverlust und auch zu körperlichen Übergriffen geführt habe, sei eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angebracht.

Gericht berücksichtigt positive Prognose

Berücksichtigen müsse man aber auch, dass sich die Situation des Mannes seit dem Vorfall stabilisiert habe. Er akzeptiere seine Medikation und spreche auf das ihm einmal monatlich verabreichte Mittel an. Die Pflegeeinrichtung in der Region, in der der 36-Jährige untergebracht ist, biete ihm einen strukturierten Tagesablauf. Man habe ihn inzwischen in eine betreute Wohngruppe auf dem Gelände der Pflegeeinrichtung eingliedern können. Somit könne man von einer günstigen Prognose ausgehen, was eine Aussetzung der Vollstreckung der Klinikunterbringung zur Bewährung erlaube, sagte der Richter.

Das Gericht verband dies aber mit einigen Bedingungen. So wird für den Mann für vier Jahre eine Führungsaufsicht angeordnet. Bis auf Weiteres muss er sein Leben im Rahmen des betreuten Wohnens fortsetzen. Ein Wechsel in eine eigene Wohnung, die er sich wünscht, ist daher zurzeit nicht möglich. Der Mann muss regelmäßig sein Medikament bekommen, und ihm wird ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

Ähnlich wie das Gericht hatte auch Oberstaatsanwalt Michael Leber in seinem Plädoyer argumentiert. Die Frage nach den Beweggründen des Angeklagten für seinen Angriff auf einen anderen Mann sei schwer zu beantworten. Von einem Tötungsvorsatz gehe die Staatsanwaltschaft nicht mehr aus. Grundsätzlich, so Leber, bestünden die Voraussetzungen für eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik.

Bewährung mit Bedingungen

Doch der Mann sei jetzt gut eingestellt und habe ein Umfeld in der Pflegeeinrichtung, das ihm Sicherheit vermittle. Daher könne die Klinik-Unterbringung auf Bewährung ausgesetzt werden, wenn die jetzige Medikation und Betreuung fortgesetzt werde.

Verteidiger Jörg Decker betonte, dass sein Mandant seit dem Vorfall nicht mehr auffällig geworden sei und forderte ebenfalls die Aussetzung der Klinik-Unterbringung zur Bewährung. Der Angeklagte selbst verkündete in seinem Schlusswort: "So etwas kommt nicht mehr vor, ich nehme mein Medikament regelmäßig." Anklage und Verteidigung erklärten ihren Verzicht auf eine Revision, das Urteil kann somit rechtskräftig werden.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Forbach
Knochenjob am Straßengraben

13.05.2019
Im Einsatz für den Heimatort
Forbach (mm) - Der Ortschaftsrat hatte zu einem "Tag für Langenbrand" aufgerufen. Rund 50 Personen, vom Jugendlichen bis zum Senior, waren gekommen, um Unkraut zu jäten, zugeschüttete Gräben am Ortseingang zu öffnen, Wege zu richten oder Mäharbeiten durchzuführen (Foto: vgk). »-Mehr
Rastatt
Ein letzter Zeuge

20.03.2019
Zeitzeuge berichtet
Rastatt (red) - Er ist 92 Jahre alt und der letzte Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz, der darüber noch berichten kann: Shlomo Graber berichtete in Rastatt vor 220 Schülern über seine Erlebnisse. Sie lauschten gebannt dem erschütternden Bericht (Foto: rw). »-Mehr
Gernsbach
Genießt sein Hobby an der frischen Luft: Der Gernsbacher Joachim Lohmann züchtet seit 40 Jahren Schafe. Foto: Fricke

29.08.2012
Felle, Wolle, Landschaftspflege
Gernsbach (nof) - Seit 40 Jahren züchtet Joachim Lohmann (Foto: nof) Schafe - und bietet auch einige Schafprodukte an. 65 Tiere hat er. Und Lammfleisch gibt es bei ihm auf Bestellung, sagt Lohmann. Schafswurst hat er ebenfalls im Sortiment, die ihm der Sonnenwirt in Loffenau herstellt. »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.los.de/rastatt/
Umfrage

Viele Bürger empfinden die Verwaltungssprache als zu kompliziert. Würden auch Sie sich einfachere Formulierungen auf Ämtern wünschen?

Ja, oft.
Ja, manchmal.
Nein.


https://www.eyesandmore.de
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
"So etwas kommt nicht mehr vor"1