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Vom Erben und Sterben:
24.05.2019 - 00:00 Uhr
Gestern kam Jonathan aufgeregt nach Hause und wollte wissen, was wir denn jetzt erben würden. Mein Vater, der gerade vorbeischaute, um uns stolz seine neueste Käse-Errungenschaften vom Markt zu präsentieren, fragte ihn verwundert, wie er denn plötzlich auf diese Idee käme. Dann schaute mein alter Herr etwas verwundert zu mir, um zu erfahren, wieso mein neunjähriger Sohn unvermittelt auf solche Fragen kommt - "das scheint bei euch ja ein Thema zu sein", fügte er süffisant hinzu.

Ich gebe es zu, es war eine etwas peinliche Situation, zumal bei "GraPa", der bald seinen 70. Geburtstag feiert, keinerlei Anzeichen auf ein vorzeitiges Ableben hinweisen, er sich konsequent fit hält, zweimal wöchentlich ins Fitnessstudio geht und überdies durch diverse Fitness-Bänder und -Uhren permanent seinen Blutdruck, die Herzfrequenz, den Kontostand und Ähnliches in Echtzeit direkt an seine attraktive Hausärztin übermittelt.

Im Bus habe er von Klassenkameraden gehört, dass Baden-Baden etwas erbt, sagte Jonathan. Etwas Weltliches oder so. Und dann seien sie darauf gekommen, dass Erben ja voraussetzt, dass jemand gestorben ist - und wer denn sterben müsste, damit Baden-Baden etwas erbt? Oder ob Baden-Baden stirbt - vielleicht wegen des Klimawandels, wegen Trump oder weil Deutschland europaweit sowieso keiner mag und wir beim Vorsingen immer null Punkte bekommen ...

Mein Vater verteilte derweil das nächste Käsestück aus seinem Einkauf - "hier die ,Flotte Emma', ein Frischkäse, der sogar mit dem deutschen Käsepreis ausgezeichnet wurde", verkündete er stolz und fügte hinzu, solange er noch so viele Dinge genießen könne, habe er keinerlei Ambitionen, diese Welt schon zu verlassen. Und außerdem - was sein Erbe angehe, solle sich Jonathan lieber keine zu großen Hoffnungen machen.

"Ich weiß, was du meinst", griff meine Frau ein, "Baden-Baden will Unesco-Welterbe werden. Dafür muss aber keiner sterben, im Gegenteil, davon erhofft man sich eine noch stärkere Belebung des Fremdenverkehrs - wobei ich der Meinung bin, dass die Stadt eher zu sehr belebt ist, wie man unschwer an den dauernden Staus erkennen kann. Und an der dicken Luft ..."

Josefine meinte nur ärgerlich: "Super! Dann kommen noch mehr solcher lauten aufgemotzten Autos wie neulich! Das braucht kein Mensch! Die verpesten die Luft, in der wir dann für ein besseres Klima auf die Straße gehen müssen!"

Endlich konnte auch ich etwas zur Diskussion beitragen und erklärte meiner Familie: "Die Stadt Baden-Baden hat rund 500 000 Euro investiert, weil sie einen offiziellen Nachweis dafür will, dass sie als Kurstadt weltweit einmalig ist!" Mein Vater meinte daraufhin nur spöttisch: "Na ja, so einmalig auch wieder nicht. Immerhin sollen noch zehn weitere Bäderstädte die gleiche Würdigung bekommen!" "Trotzdem", sagte ich trotzig, "das ist schon etwas Besonderes, so ein Welterbe zu sein!" "Ja", grinste mein Vater, "dann findet man Baden-Baden endlich neben dem ,Backen von Fladenbrot', das hat es nämlich bereits auf die Liste des immateriellen Kulturerbes geschafft. Ebenso die Pizza und die Mittelmeerküche - womit wir also wieder beim Käse wären. Ich schließe daraus, dass die Mitarbeiter der Unesco-Kommission eine gewisse Affinität zum Essen haben."

"Und deswegen", so die abschließende Empfehlung meines Vaters, "um wirklich ein Alleinstellungsmerkmal zu haben, müsste man der Unesco alternativ eher den Rehrücken Baden-Baden als Welterbe schmackhaft machen. Oder die Schwarzwälder Kirschtorte! Oder auch den badischen Wurstsalat! Am besten den mit Käse ..." (J.Gs.)

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