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"Akzeptanz von Vorschriften nimmt ab"
05.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Henning Zorn

Baden-Baden - Als Chef des Gemeindevollzugsdiensts war Manfred Schmalzbauer sicherlich nicht der natürliche Freund aller Raser und Falschparker. Aber sein Bestreben galt vor allem der Vermeidung des in Baden-Baden nicht selten drohenden Verkehrsinfarkts. Sein letzter Arbeitstag vor dem Ruhestand steht nun bevor - nach fast 46 Jahren im Dienst der Stadt.


"Eine besondere Beziehung zum Auto habe ich eigentlich nicht", betont Schmalzbauer. Dies überrascht ein wenig, denn fast sein ganzes Berufsleben hatte er mit dem Verkehrswesen in der Kurstadt zu tun. Seit 2012 war er schließlich verantwortlicher Leiter des Fachgebiets Straßenverkehr, das die Führerschein- und Zulassungsstelle ebenso beinhaltet wie die Verkehrsregelung und -überwachung.

Und so gehört der aus Gaggenau stammende Schmalzbauer sicherlich zu den größten Experten, wenn es um die immer wieder gestellte Frage geht, wie das von Unmengen automobilen Blechs geplagte Baden-Baden vor allem in der Innenstadt etwas vom Verkehr entlastet werden könnte. Hier sind die Rahmenbedingungen für die Kurstadt schon recht schwierig. Schmalzbauer verweist auf die ständige Zunahme des Fahrzeugbestands in Baden-Baden: Waren hier 1990 noch 30 189 Fahrzeuge zugelassen, so waren es im vergangenen Jahr bereits 44 961 - und dies bei fast unverändertem Straßennetz.

Hinzu komme die Zunahme der attraktiven Veranstaltungen, die weiteren Verkehr - dann oft von Auswärtigen - in die Stadt ziehen. Es sei schon auch ein Fluch, "dass die Stadt so schön ist", meint Schmalzbauer. Manchmal ist auch die Verwaltung überrascht über die Anziehungskraft hiesiger Ereignisse. So ist zum Beispiel die Rhododendronblüte am Geroldsauer Wasserfall zwar sehr schön, aber nicht unbedingt ein zentraler Punkt im europäischen Tourismus. Trotzdem wird das Verkehrsgewühl in Richtung Wasserfall inzwischen auch von englischen Reisebussen verstärkt.

Verkehrsnetz "auf Kante genäht"

Entlastungen durch Straßenbaumaßnahmen sind aufgrund der topografischen Lage der Kurstadt schwierig. Das letzte Bauprojekt in dieser Richtung sei der Michaelstunnel gewesen, sagt der Verkehrsexperte. So sei das ganze Straßenverkehrsnetz in Baden-Baden heute "auf Kante genäht". Schon kleinere Störungen wie etwa eine Autopanne auf dem Zubringer könnten nur sehr schwer gehandhabt werden: "Das gibt gleich Staus weit hinaus."

Schmalzbauer macht sich viele Gedanken, wie man den immer wieder infarktgefährdeten Verkehr im Innenstadtbereich - und auf dem Weg dorthin - behandeln kann. Die Autos generell aus der Innenstadt herauszuhalten, hält er für keine Lösung, schließlich gebe es ja die Parkgaragen im Zentrum. Große Hoffnungen setzt er aber in das jetzt installierte Parkleitsystem, das dem Autofahrer schon vor den Toren der Stadt signalisieren kann, dass die Garagen im Zentrum belegt sind. Dann müssten eben die Park-and-Ride-Plätze genutzt werden.

Freilich ist Schmalzbauer auch überzeugt, dass dies allein nicht ausreicht, denn "Beschilderungen und Appelle interessieren oft niemanden". Da könnten nur Sanktionen helfen. Konkret meint er damit, dass Autofahrer, die trotz der Hinweise auf volle Garagen ins Zentrum fahren und dann ihr Fahrzeug irgendwo verbotswidrig abstellen ("Die Akzeptanz von Vorschriften nimmt ab"), auch konsequent zur Kasse gebeten werden. Dazu sei auch eine Erhöhung der Präsenz des Gemeindevollzugsdiensts nötig.

Für gerechtfertigt hält Manfred Schmalzbauer den massiven Ausbau der Geschwindigkeitsüberwachung an den Straßen des Stadtkreises durch mobile und stationäre Anlagen. Erfreulich sei der Rückgang der Zahl der Beanstandungen.

Kontrollen würden in allen Stadtteilen auch immer wieder gefordert. In diesem Zusammenhang erzählt er von einem Bürger, der einst nachdrücklich den Einsatz eines Tempo-Blitzers in seinem Wohngebiet verlangte, da hier zu schnell gefahren werde. Man habe seinen Wunsch erfüllt, allerdings "begann die Kontrollaktion dann doch etwas später, als wir dem Mann gesagt hatten." Und prompt passierte es: Der Bürger, der diese Tempo-Kontrolle gefordert hatte, wurde beim Zuschnellfahren erwischt. Sein Kommentar: "Ich hatte Ihnen doch gesagt, dass Sie zu einer anderen Zeit messen sollen."

Doch nicht alle Begegnungen zwischen den Mitarbeitern des Gemeindevollzugsdiensts und Einheimischen oder Baden-Baden-Besuchern können Thema einer netten Anekdote sein. "Der Ton wird rauer", stellt Schmalzbauer fest, man werde auch mit Aggressionen und manchmal mit Beleidigungen konfrontiert. Da müsse man sich schon ein "dickes Fell" zulegen.

Sein eigenes wird er jetzt nicht mehr so häufig brauchen, im Ruhestand will sich Schmalzbauer mehr um seine Familie, die Enkel und seinen jungen Schäferhund kümmern.

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