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Kriminalistisches Interesse gestillt
18.11.2019 - 00:00 Uhr
Von Ulrich Philipp

Baden-Baden - Der Mord an der Medizinalratswitwe Josefine Molitor im November 1906 beschäftigt die Baden-Badener bis heute. Vor kurzem feierte das dazugehörige Stück "Der Fall Hau" Premiere am Theater, in Karlsruhe gab es vor einigen Jahren dazu eine Ausstellung, und der Schriftsteller Jakob Wassermann hat mit seinem später verfilmten Buch "Der Fall Maurizius", den Kriminalfall noch bekannter gemacht. Am Samstag hatten BT-Leser die seltene Gelegenheit, unter sachkundiger Führung die Originalschauplätze der Tat zu besichtigen.

Das Badische Tagblatt hatte dafür die Chefdramaturgin am Baden-Badener Theater, Kekke Schmidt, gewinnen können, die mit dem Fall bestens vertraut ist. "Wir wollen den letzten Gang der Josefine Molitor mit ihrer Tochter Olga gehen", erklärte Schmidt den Zuhörern, während sie den Fall nochmals kurz erläuterte, bei dem Karl Hau seinerzeit als Mörder seiner Schwiegermutter verurteilt worden war. Vom Treffpunkt am Theater ging es mit dem Großraumtaxi zunächst zur Villa Molitor in der Stadelhoferstraße. "Ich war einmal Schöffe bei Gericht, diese Dinge interessieren mich, und ich weiß auch, wer es wirklich war", erklärte während der Fahrt eine Teilnehmerin auf die Frage, was sie so spannend an dem Fall finde.

Vor der Villa angekommen, schilderte Schmidt, wie am 6. November 1906, einem nebligen und dunklen Tag, um 17.45 Uhr das Dienstmädchen einen Anruf entgegengenommen habe, Frau Molitor möge sofort zum Postamt kommen. Die habe sich auch gleich auf den Weg gemacht, unterwegs aber noch ihre Tochter Olga abgeholt, die sich zu diesem Zeitpunkt in der nahen Villa Engelhardt aufgehalten habe.

"Das Verhältnis von Olga zu ihrer Mutter war zu diesem Zeitpunkt zerrüttet", berichtete Schmidt, während die Gruppe die Stadelhoferstraße entlang zur Villa Engelhardt ging und dabei auch an der Villa Edina vorbeikam: "Hier hat die Zeugin Frau von Reitzenstein den offensichtlich verkleideten Karl Hau gesehen", fuhr die Dramaturgin fort, während alle weitergingen zu den Lindenstaffeln, wo sich der Tatort befand: "An dieser Stelle wurde Josefine Molitor getötet, der Schuss ging in den Rücken von links unten nach rechts oben" beschrieb Schmidt sehr spannend den Tathergang.

Sehr lebhaft wurde in der Gruppe über die Verurteilung Haus diskutiert, die nach der Meinung einiger eine Fehlentscheidung war. Es gebe mehrere, im Prozess nicht beachtete Indizien, die auf Olga als Täterin hindeuteten, waren sich einige bestens informierte Teilnehmer sicher.

Für kriminalistisch Interessierte war der Rundgang sehr bereichernd, was Beate Reime aus Bühl so auf den Punkt brachte: "Wenn man diese Stätten abgeht, dann ist man dem Geschehenen noch ein bisschen näher, und das ist sehr spannend." Marilou Walker erklärte gegenüber dem Badischen Tagblatt: "Menschen und das Leben haben mich schon immer sehr interessiert, Liebe und Geld sind die besten Zutaten für einen Krimi, und durch mein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen versuche ich, der Wahrheit auf die Spur zu kommen."

Gegen 18 Uhr, der Tatzeit vor 113 Jahren, machten sich die Teilnehmer mit gestilltem kriminalistischem Interesse wieder auf den Heimweg.

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