Gemeinsame Leitstelle weckt Erwartungen

Präsentieren freudig die Vereinbarung über die gemeinsame ILS Mittelbaden: Landrat Jürgen Bäuerle (links), OB Margret Mergen und Felix Brenneisen vom DRK. Foto: Zorn

Von Henning Zorn

Baden-Baden - Von einem "neuen Kapitel im Rettungswesen" sprach Oberbürgermeisterin Margret Mergen gestern, als sie in der DRK-Rettungswache gemeinsam mit Landrat Jürgen Bäuerle und dem Vorsitzenden des DRK-Kreisverbands Bühl-Achern, Felix Brenneisen, die Trägerschaftsvereinbarung über eine gemeinsame Integrierte Leitstelle Mittelbaden (ILS) für Rettungsdienst und Feuerwehren unterschrieb.

Damit erfolgt ein weiterer entscheidender Schritt in einer Entwicklung, die 1973 mit dem Start der DRK-Rettungsleitstelle Mittelbaden in Bühl mit zunächst einmal rund 16000 Einsätzen begann. 2009 ging die Integrierte Leitstelle von DRK und Landkreis im Rastatter Landratsamt in Betrieb, was Landrat Bäuerle gestern als "erster Meilenstein im Rettungswesen" bezeichnete. Sie koordinierte zuletzt rund 70000 Einsätze von Rettungsdienst, Ärztlichem Notdienst und Landkreis-Feuerwehr.

Diese ILS wird durch die jetzt unterzeichnete Vereinbarung erweitert und erhält ab Anfang 2020 auch die Zuständigkeit für den Feuerwehrbereich im Stadtkreis Baden-Baden. Sie bearbeitet dann alle Alarmierungen, Notrufe und Hilfeersuchen aus dem Landkreis sowie aus der Kurstadt. Mit anderen Worten: Die gemeinsame Integrierte Leitstelle hat dann die Verantwortung für rund 300000 Bürger.

Diese Erweiterung bedingt allerdings Investitionskosten von rund 1,8 Millionen Euro, die sich - wie auch die Finanzierung des laufenden Betriebs - der DRK-Kreisverband Bühl-Achern (55 Prozent), der Landkreis Rastatt (30 Prozent) und die Stadt Baden-Baden (15 Prozent) teilen.

In Baden-Baden wird die bestehende Feuerwehreinsatzzentrale an der Hauptwache erhalten bleiben und ab 2020 als sogenannte Redundanzleitstelle dienen. Das heißt, dass sie einspringt, wenn die Rastatter Leitstelle ausfallen sollte, und außerdem bei Großeinsätzen aktiviert wird.

OB Margret Mergen drückte gestern ihre Erwartung aus, dass die künftige gemeinsame ILS ein noch schnelleres Agieren in Notfällen ermöglichen werde. Die Zusammenführung mit der Baden-Badener Feuerwehr sei "logisch" und ein Ausdruck der guten Zusammenarbeit mit dem Landkreis Rastatt. Sie hoffe, dass man wirklich im Januar 2020 den Startknopf drücken könne.

Jürgen Bäuerle betonte, dass ihn das Thema der Integrierten Leitstelle schon seit vielen Jahren beschäftige. Die vorgesehene Erweiterung sei ein "gewaltiger zweiter Schritt" nach der Schaffung der ILS. Das gesamte Rettungswesen im Land- und Stadtkreis komme so in die Hand einer Leitstelle. Bei dieser Entscheidung, so Bäuerle, gebe es nur Gewinner: die Menschen, die um Hilfe suchen, sowie die Einsatzkräfte, denn die ganze Rettungskette sei nun in einer Hand. Die Alarmierungszeiten könnten somit verbessert werden. Wichtig sei auch die Schaffung einer Redundanzleitstelle in Baden-Baden für die Versorgungssicherheit. Die Trägervereinbarung sei auf partnerschaftlicher Grundlage erfolgt.

Für das DRK machte Felix Brenneisen darauf aufmerksam, dass der Schaffung der gemeinsamen ILS, die ein Zeichen setze, langwierige Gespräche vorausgegangen seien. Schließlich habe man sich auf eine Kostenaufteilung und den Standort in Rastatt geeinigt.

Jeder der drei Träger der gemeinsamen ILS wird dort mit eigenem Personal vertreten sein. Für die Baden-Badener Feuerwehr, so sagte deren Leiter Martin Buschert im BT-Gespräch, fielen dabei 3,9 Stellen an. Wann genau Baden-Badener Feuerwehrleute künftig in der gemeinsamen Leitstelle arbeiten werden, stehe aber jetzt noch nicht fest. Zunächst einmal gehe es vor allem darum, die Datenverarbeitung zu koordinieren. Die Videoüberwachung des Baden-Badener Michaelstunnels durch die Feuerwehr solle in zwei Jahren auch nach Rastatt verlagert werden.

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