Hitzige Debatten um Tourist-Info

In den Kolonnaden steht ein Geschäft leer. Hier soll bald die Tourist-Info unterkommen.  Foto: Reith

Von Sarah Reith

Baden-Baden - Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat am Montag den Weg freigemacht für einen Umzug der Tourist-Info in die Kurhaus-Kolonnaden. Dieser Entscheidung ging allerdings eine hitzige und lange Debatte voraus: Unter anderem gab es Kritik an der Informationspolitik der Verwaltung, an mangelnden Alternativen und an der fehlenden Barrierefreiheit am neuen Standort.

Tourismus-Chefin Nora Waggershauser warb in der Sitzung intensiv um die Aufgabe des derzeitigen Standorts in der Trinkhalle. Die Bäder- und Kurverwaltung (BKV) habe zwei Kolonnadengeschäfte zusammengelegt und "wunderbar saniert": Dieses Doppelgeschäft habe der BKV-Chef Steffen Ratzel nun als Alternative angeboten. Das Geschäft sei lichtdurchflutet und biete viele Vorteile. Der Standort sei geeigneter als die Trinkhalle, um die Tourist-Info, wie von ihr geplant, attraktiver zu gestalten und zu digitalisieren. Zwar sei das denkmalgeschützte Geschäft nicht barrierefrei zugänglich - die Tür ist zu schmal für einen Rollstuhl und wohl auch mit Rollator nur schwer zu durchwinden, aber dafür lasse sich eine Lösung finden. So könne vor dem Laden eine Klingel angebracht werden, mit der die Betroffenen auf sich aufmerksam machen könnten: Dann werde ein Mitarbeiter die Touristen ins Kurhaus begleiten und sie stattdessen dort beraten.

Stadträte fühlen sich geknebelt

Oberbürgermeisterin Margret Mergen umriss noch einmal die Idee Steffen Ratzels, die Trinkhalle, sofern diese frei werde, wieder im historischen Sinn zu nutzen und das Thermalwasser in den Fokus zu rücken. Ihm schwebe unter anderem vor, die abgehängten Decken zurückzubauen und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Dafür komme beispielsweise auch die Idee eines Lesecafés in Kooperation mit der Stadtbibliothek in Betracht.

Vielen Stadträten waren die Ausführungen allerdings zu vage. Es gebe keine Garantie, dass die BKV ihre Pläne tatsächlich wird umsetzen können, wurde etwa moniert. Zudem fühlten sich die Ratsmitglieder zum Teil durch die in der Sitzung skizzierte Alternativlosigkeit geknebelt, wie etwa Stadträtin Reinhilde Kailbach-Siegle (CDU) betonte: Auf Nachfrage hatten Waggershauser und Mergen deutlich gemacht, dass die BKV nur bereit sei, in die Trinkhalle zu investieren, wenn die Tourist-Info in die Kolonnaden umziehe, weil diese dort auch als Frequenzbringer für die Geschäfte dienen könne. Wenn man hingegen einen ganz anderen Standort im Zentrum wählen würde, etwa im Deutsche-Bank-Gebäude (diese Idee hatte CDU-Stadtrat Hansjürgen Schnurr eingebracht) oder am Augustaplatz, werde in der Trinkhalle gar nichts passieren.

Noch keine Lösung für den Ticket-Service

Viel Kritik unter anderem von den Grünen gab es, weil nicht schon in den Sitzungsunterlagen explizit deutlich gemacht worden war, dass der neue Standort in den Kolonnaden bislang nur für die Tourist-Info feststeht. Für den vom Karlsruher Musikhaus Schlaile betriebenen Ticket-Service ist dagegen noch keine Lösung gefunden, wie Waggershauser erst auf Nachfrage in der Sitzung erläuterte. Der Betreiber könne, wenn er das wolle, ein weiteres Geschäft in den Kolonnaden anmieten, das bald frei werden solle. Er befürchte aber, dass ihm der Platz dort nicht ausreichen werde, und habe deshalb um Bedenkzeit bis Mitte nächsten Jahres gebeten, um nach weiteren Alternativen Ausschau zu halten.

Das wiederum sorgte für heftige Kritik von der SPD: Man könne dem Umzug nicht zustimmen, weil dadurch die "sinnhafte Einheit von Tourist-Info und Ticketservice auf lange Zeit aufgehoben" werde, machte Kurt Hochstuhl die Position seiner Fraktion deutlich. Die SPD votierte folglich auch für einen Antrag der Grünen, die Entscheidung vor dem Hintergrund der vielen Informationen, die erst in der Sitzung zutage getreten seien, zu vertagen. Dieser Antrag fand aber keine Mehrheit.

Trotz der vielen Kritikpunkte rang sich im Anschluss die große Mehrheit der Stadträte bei sieben Gegenstimmen zu dem Grundsatzbeschluss durch, Tourist-Info und Ticket-Service in andere Räumlichkeiten zu verlegen und die Tourist-Info künftig in den Kolonnaden anzusiedeln.

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