"Vielleicht geht′s uns zu gut!"

'Vielleicht geht's uns zu gut!'

Von Henning Zorn

Baden-Baden - Der Missbrauch der Gelben Mülltonnen nimmt zu. In ihnen landet immer öfter Abfall, der nichts darin zu suchen hat. Diese Fehlwurfquote erhöht sich immer mehr. Die Stadt verschärft deshalb jetzt ihre Sonderkontrollen mit finanziellen Folgen für diejenigen, die erwischt werden.

Einen besonderen Mundschutz brauchten Susanne Huber und Kordula Eller von der städtischen Abfallberatung, als sie gestern auf dem Gelände der Grünschnittanlage in Oos ungefähr zwei Kubikmeter "gelben" Müll sortierten, der im Rahmen einer Überprüfungsaktion der Verwaltung in einer Baden-Badener Wohnanlage abgeholt worden war. Und diese Mundschutzmasken, die auch die Nasen abdeckten, waren auch unbedingt nötig, denn rund um den kleinen Müllberg entstand eine überaus unangenehme Duftwolke.

Dies muss eigentlich etwas überraschen, denn in die Gelbe Tonne sollen ja zumindest halbwegs saubere Sachen wie zum Beispiel Aludeckel und -schalen, leere Joghurtbecher und Konservendosen oder Kunststoffflaschen und -becher. "Löffelrein" heißt hier das Stichwort - die Behälter müssen also nicht unbedingt durchgespült werden, doch sie sollten zumindest ganz normal geleert worden sein.

Doch davon war vieles von dem, was da gestern bei der Stichprobe aus den Müllsäcken kullerte, weit entfernt und machte einen recht anrüchigen Eindruck. Dazu gehörten zahlreiche völlig verschmutzte Becher, in denen Speisereste - manchmal umgeben von Maden - vor sich hin faulten und schimmelten. Auch halbvolle Ketchupflaschen zeigten deutliche Spuren des bakteriellen Innenlebens. "Das ist hier schon sehr eklig", kommentierte Kordula Eller die Funde.

Andere Lebensmittel wurden ungeöffnet mit Komplettverpackung in die Gelbe Tonne geworfen. Aber auch weitere Dinge, die eigentlich in die Biotonne gehören, werden offensichtlich mit großer Begeisterung "gelb" entsorgt - so zum Beispiel Papierprodukte aller Art oder auch Teebeutel.

Doch damit ist noch lange nicht Schluss mit dem Sammelsurium, das verbotenermaßen in der Gelben Tonne landet. Hier eine kleine Auswahl aus der gestrigen Kontrollaktion: gebrauchte Binden, Gläser und Scherben, Straßenkehricht, Zigarettenkippen, Spüllappen und Staubsaugerbeutel, dreckige Windeln, Duschköpfe mit Leitung und sogar mehrere alte Fahrradsättel.

Richtig überrascht von den Entdeckungen war Roland Graf, Leiter der städtischen Abfallberatung, gestern nicht. In den ersten zehn Jahren seit Einführung der Gelben Tonne 1992 sei alles gut gelaufen, doch dann habe sich die Zahl der "gelben" Fehlwürfe immer mehr erhöht. Inzwischen seien im Schnitt 30 bis 40 Prozent des Inhalts dieser Tonnen Abfälle, die anders entsorgt werden müssten. "In manchen Gelben Tonnen sind es auch 100 Prozent", meinte er mit einem Hauch von Verzweiflung. Dabei trete das Problem in der Innenstadt deutlicher zutage als in den Außenstadtteilen.

Daher will die Stadt auch ihre Kontrollen ausweiten. Die Wohnanlage, die gestern unrühmlich bezüglich ihrer Sortiermoral auffiel, muss damit rechnen, dass bei ihr der Anteil der Gelben Tonnen reduziert und der der Restmülltonnen erhöht wird, was natürlich einen Gebührenanstieg zur Folge hat. Auch die Entsorgungsfirma MERB, die normalerweise die Gelben Tonnen im Stadtgebiet leert, schaue immer wieder vor der Leerung genau in die Abfallbehälter, so Graf. Und dann bleibe auch so manche Tonne ungeleert stehen.

Bei der Überprüfung fand sich in einer Gelben Tonne sogar ein noch original verpacktes Kleidungsstück. Dies veranlasste Kordula Eller zu einem Stoßseufzer: "Vielleicht geht's uns ja ganz einfach zu gut!"

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