Werbung als Rettung für den Einzelhandel?

Viele Baden-Baden-Besucher sind im Kurgarten und in der Allee unterwegs. Künftig sollen noch mehr auch den Weg in die Geschäftsstraßen im Zentrum finden. Foto: Zeindler-Efler

Von Sarah Reith

Baden-Baden - Finanzspritze für den Einzelhandel: Einstimmig hat der Hauptausschuss sich am Montag dafür ausgesprochen, den Zuschuss an den Verein Baden-Baden Innenstadt (BBI) für die Vermarktung des Stadtzentrums von bisher 50000Euro auf 100000 Euro und ab 2019 auf 125000 Euro jährlich zu erhöhen.

Obwohl das Konzept der in der BBI organisierten Geschäftsleute bei den Ausschussmitgliedern nicht unbedingt für Begeisterung sorgte, würde der städtische Beitrag an der Vermarktung damit längerfristig mehr als verdoppelt, während die BBI-Mitglieder selbst weiterhin nur 50000 Euro selbst aufbringen müssten. Die endgültige Entscheidung in der Frage trifft am 25. Juni der Gemeinderat.

Ein größerer Eigenbeitrag sei nicht möglich, erläuterte BBI-Vorsitzender Matthias Vickermann auf Nachfrage von SPD-Stadtrat Joachim Knöpfel, ob man die Einzelhändler nicht wenigstens zu 75000 Euro als Komplementärförderung verpflichten könne. Die meisten Händler seien eher passiv und beteiligten sich nicht an gemeinsamen Aktionen, berichtete Vickermann, viele seien auch gar nicht Mitglieder des BBI. Das Problem werde verschärft durch eine zunehmende Anzahl an Filialen überregionaler Ketten, die man überhaupt nicht erreiche. Diese könne man auch nur sehr schwierig zu einer Zwangsabgabe verpflichten, sagte Oberbürgermeisterin Margret Mergen auf die Frage von Tilmann Schachtschneider (FBB).

Vickermann betonte, dass man das bisherige Budget vollständig für die gesetzten Aktionen wie das New-Pop-Festival, die Blumentaschen und das Kunst-Event benötige. Man müsse aber gezielt und vor allem auch überregional Werbung machen, um den Einzelhandel zu retten und weitere Leerstände zu vermeiden. Und dafür müsse man eben deshalb, weil von vielen Händlern nichts komme, Geld ausgeben. Auch Franz Bernhard Wagener, stellvertretender BBI-Vorsitzender, hielt ein flammendes Plädoyer für einen funktionierenden Einzelhandel, auf den Baden-Baden als Stadt angewiesen sei.

Die BBI hatte vor diesem Hintergrund sogar 250000Euro Förderung von der Stadt angestrebt. Der größte Anteil davon, insgesamt 150000 Euro, sollte in regionale und überregionale Marketingmaßnahmen fließen, also in Radiowerbung, Anzeigenkampagnen in Magazinen und in die Einbindung einer PR-Agentur, um Baden-Baden als anspruchsvolle Einkaufsstadt beim kaufkräftigen Publikum in einem Umkreis von bis zu 200 Kilometern zu positionieren.

Mehr als die von der Verwaltung vorgeschlagene Summe von zunächst 100000 und später 125000 Euro "geht im Moment nicht" dämpfte Mergen die Erwartungen aber. Dass man diese dennoch deutliche Erhöhung ermögliche, solle auch ein Signal an die Einzelhändler sein, sich stärker mit einzubringen und Mitglied im BBI zu werden. Das forderte unter anderem auch Armin Schöpflin (CDU): "Alle Initiativen laufen ins Leere, wenn die Einzelhändler sich nicht zusammenschließen", zeigte er sich überzeugt.

Ursula Opitz (Grüne) fehlten zudem neue Ideen in dem Konzept. Auch Hans-Peter Ehinger (Freie Wähler) forderte mehr Kreativität und Aktionen. Hans Schindler (FDP) ließ auch Probleme mit dem Angebot selbst anklingen: Bei den Dingen des täglichen Bedarfs habe man in der Innenstadt Nachholbedarf.

zurück
1