Traditionsreicher Tennisclub aufgelöst

Traditionsreicher Tennisclub aufgelöst

Von Wolfram Braxmaier

Baden-Baden - Der weiße Sport hat große Tradition an der Oos. Ältester Tennisclub Deutschlands ist der 1881 (mit Bad Homburg) gegründete TC Rot-Weiss Baden-Baden. Auf der Anlage in der Lichtentaler Allee tummelten sich bei internationalen Turnieren in den 50er und 60er-Jahren Weltstars, seit Jahrzehnten werden hier die Senioren-Europameisterschaften ausgetragen. Doch die große Baden-Badener Tennisgemeinde hat jetzt ein besonderes Mitglied verloren: den Jagdhaus-Tennisclub (JTC).

Auf einer außerordentlichen Versammlung haben die Mitglieder des Jagdhaus-Tennisclubs im September einstimmig beschlossen, den eingetragenen Verein aufzulösen. Grund hierfür ist ein Eigentümer- und Pächterwechsel. "Damit wurde uns als Verein die Existenzgrundlage entzogen", stellt Wolfgang Breyer als Vorsitzender des JTC fest.

Er und sein Stellvertreter Claus Seitz sind die Liquidatoren, bis 31. Dezember muss die Anlage geräumt, bis September 2019 muss der Verein dann "abgewickelt" sein. Sollte dann noch Vereinsvermögen vorhanden sein, geht dieses an den deutschen Kinderschutzbund.

Nach dem Tod von Gründungsvater Alois Barth am 24.April 2014 erbten Helga Barth und Tochter Susan Bonin das weitläufige Gelände mit sechs Tennisplätzen, einer Liegewiese und dem Clubhaus am Jagdhäuser Wald. Susan Bonin bot die Immobilie auf dem Markt an und fand in Dr. Alexander Siebel (Berlin/Zypern) im September 2017 auch einen Käufer. Siebel beabsichtigte, die Anlage um eine Traglufthalle zu erweitern, was aber nicht genehmigungsfähig war, denn das Areal liegt im Landschaftsschutzgebiet. Nun suchte Siebel einen Pächter für das Objekt und fand ihn in der Tennisschule Linisports mit Geschäftsführerin Elke Brinkmann (Gaggenau). "Dem JTC wurde durch Alexander Siebel fristgerecht zum 31. Dezember 2018 gekündigt. Damit hatten wir gerechnet, weil die neuen Pachtvorstellungen nicht zu erfüllen waren", so Breyer weiter.

Aktuell hatte der JTC noch 80 Mitglieder. Letzte offizielle Amtshandlung war die traditionelle Herbstwanderung mit geselligem Ausklang im "Wolpertinger" in Ebersteinburg. Ein wehmütiger Abschluss, bei dem beim "letzten Aufschlag" noch einmal verdiente Mitglieder geehrt wurden. 40 Jahre hielten Dr. Arno Krämer und Helga Krämer, Ursel und Susanne Schirmeister sowie Fritz Schmidt dem JTC die Treue, 25Jahre waren Dr. Lutz Wesel, Dr. Gabriele Wesel und Günter Boos Vereinsmitglieder.

Die Geschichte des Jagdhaus-Tennisclubs begann den Überlieferungen zufolge bereits im Jahre 1973. Im Pavillon des TC Rot-Weiss diente Helga und Alois Barth ein Bierdeckel als "Reißbrett". Die Idee vom eigenen Privatclub war geboren, das Gelände stand im Familienbesitz (Gärtnerei Eberts). Am 15. Juli 1976 wurde die Anlage mit den beiden ersten Plätzen feierlich eingeweiht. Das Clubhaus befand sich damals noch im Rohbau, als Dusche diente ein Gartenschlauch.

Der JTC war aus der Taufe gehoben - als Verein der anderen Art. Der Jagdhaus-Tennisclub wurde zur Freizeitstätte für die ganze Familie. Auf Mannschaftsspiele wurde bewusst verzichtet. Clubmeisterschaften und Freundschaftsspiele sowie die beliebten Rosen- oder Kaktusturniere standen von der Gründung bis zur Auflösung im Mittelpunkt, nicht der Leistungssport. Geselligkeit wurde beim stadtbekannten Alois Barth ganz groß geschrieben. Und so nahm der Club einen enormen Aufschwung, hatte lange vor Steffi und Boris über 400 Mitglieder. Weshalb die Anlage 1978 auch auf sechs Plätze erweitert wurde.

Die Wiedereröffnung der Plätze am Jagdhäuser Wald soll am 13.April 2019 stattfinden, wie auf der Internetseite von Linisports zu erfahren ist. In Zwingenberg, Hemsbach, Rimbach und Fürth betreibt Linisports bereits vereinsunabhängige Tennisschulen, die Kurstadt wird der fünfte Standort.

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