Investor versteht die Welt nicht mehr

Investor versteht die Welt nicht mehr

Von Harald Holzmann

Baden-Baden - Dürfen in der Jagdhausstraße anstelle eines Einfamilienhauses zwei mehrgeschossige Wohnbauten entstehen? Nachbarn lehnen das Projekt ab. Skepsis herrscht auch im Rathaus. Die CDU hat eine Veränderungssperre für das Areal gefordert. Beim Investor, der Rastatter Firma Weisenburger, versteht man die Welt nicht mehr.

"Zunächst einmal: Wir wollen hier absolut nichts durchdrücken, was die Stadtverwaltung nicht will", sagt Sven Müller, Geschäftsführer des Bauträgers. In diesem Fall sei er jedoch überzeugt, eine nach Paragraf 34 Baugesetzbuch genehmigungsfähige Planung vorgelegt zu haben. Demnach muss sich, kurz gesagt, ein Bauvorhaben in die Umgebung einfügen. Vorgesehen seien auf dem 1 350 Quadratmeter großen Doppelgrundstück Jagdhausstraße 30 und 30a, auf dem derzeit nur ein Einfamilienhaus mit einem weitläufigen Garten zu finden ist, zwei mehrgeschossige Häuser mit insgesamt zwölf Wohnungen und einer Tiefgarage.

Das eine Haus soll inklusive Dachgeschoss vier Etagen haben, das zweite, an der abschüssigen Jagdhausstraße weiter unten stehende eine Etage weniger. In unmittelbarer Nachbarschaft finden sich in der Jagdhausstraße gleichhohe Gebäude - eines ist erst vor wenigen Jahren errichtet worden. Auch in der Waldschlossstraße, an die das Grundstück grenzt, gibt es in 100 Metern Entfernung größere Wohnhäuser, in direkter Nachbarschaft aber auch kleinere Gebäude. Bei der Planung habe er sich bemüht, diese beiden Strukturen miteinander zu verbinden, sagt Architekt Marcus Haedecke und betont, er sei überaus sensibel mit dem Grundstück umgegangen. "Damit verändern wir doch nicht den Gebietscharakter", meint Projektentwickler Lukas Bissinger . Letzteres war dem Investor von Anwohnern und Bürgermeister Alexander Uhlig vorgeworfen worden (wir berichteten).

Nach einem mehr als sechs Monate laufenden Verfahren in Absprache mit der Verwaltung habe man im September den Bauantrag eingereicht. Aus dem Rathaus seien nie kritische Worte über Höhe oder Größe der geplanten Bauten zu hören gewesen, beteuert Müller. Gegenüber dem BT hatte Uhlig hingegen erklärt, der Bauträger habe von der Verwaltung die Empfehlung bekommen, das Projekt abzuspecken. Man sei der Empfehlung aber nicht gefolgt. Über diese Äußerung sei er überrascht gewesen, sagt Müller.

Man habe sich auf Hinweis der Stadtverwaltung um die Frage gekümmert, ob die beiden prägenden Bäume auf dem Areal, ein Rotahorn und ein Trompetenbaum, erhalten werden können. "Wir haben ein Gutachten machen lassen. Der Gutachter kam zum Ergebnis, dass die Bäume abgängig sind", so Müller. Es seien Ersatzpflanzungen vorgesehen. Zudem wolle man im Rahmen des Bauvorhabens den derzeit unterirdisch verlaufenden Silberbach wieder an die Oberfläche holen, betont er, dass in der Planung auch Umweltbelange berücksichtigt würden.

Auch den Vorwurf der Anwohner, dass Luxus-Bauten vorgesehen seien, weist Müller zurück. "Wir sehen unsere Firma als treibende Kraft für bezahlbaren Wohnraum. In der Jagdhausstraße sind Wohnungen im mittleren Preissegment geplant", sagt er und spricht konkret von Kosten in Höhe von 3 500 bis 4 500 Euro pro Quadratmeter.

Wie es mit dem Projekt weitergeht, das weiß Müller nicht. "Wir warten jetzt ab, was im Gemeinderat passiert", sagt er und klingt dabei ein wenig ratlos. Die CDU-Fraktion hat zuletzt beantragt, eine Veränderungssperre zu beschließen und einen Bebauungsplan mit engen Vorgaben für das Areal aufzustellen (wir berichteten). Bei der nächsten Sitzung des Bauausschusses am 15. November aber steht das Thema nicht auf der Tagesordnung.

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