Unfälle verursacht - und dann abkassiert?

Unfälle verursacht - und dann abkassiert?

Von Nina Ernst

Baden-Baden - Sie sollen Autounfälle absichtlich verursacht und dann bei der Versicherung des Unfallgegners abkassiert haben: Seit gestern müssen sich wegen 35 solcher Fälle sechs Angeklagte vor dem einfachen Schöffengericht in Baden-Baden verantworten. Der Vorwurf: gewerbsmäßiger Betrug und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.

Nicht alle sechs waren gekommen - nur zwei Frauen und zwei Männer zwischen 39 und 65 Jahren, die teilweise miteinander verwandt sind, waren erschienen. Der Prozess gegen die beiden Nichtanwesenden wurde abgetrennt.

Die Staatsanwaltschaft führte folgendes aus: Die Angeklagten sollen zwischen Januar 2009 und August 2012 in weit über 100 Fällen zunächst relativ alte, hochwertige Fahrzeuge mit hohem Kilometerstand gekauft, diese meist in Baden-Baden oder Rastatt angemeldet und mit Sonderkennzeichen versehen haben. Nur jeweils wenige Tage später kam es in Österreich, Luxemburg, Belgien, Frankreich, den Niederlanden oder in der Schweiz mit den Fahrzeugen zu Unfällen, die die Angeklagten meist so provoziert haben sollen, dass sie langsam auf einen Kreisverkehr zugefahren sind und eine Vollbremsung hingelegt haben, sodass das nachfolgende Fahrzeug - oft Kleinlaster oder Lieferwagen - ein Auffahren nicht verhindern konnte. Vor dem Unfall soll der Kilometerstand deutlich nach unten manipuliert worden sein, wodurch die Haftpflichtversicherungen der Unfallgegner jeweils tiefer in die Tasche haben greifen müssen. Es seien pro Unfall zwischen 1 000 und 12 500 Euro auf verschiedene Konten der Angeklagten oder deren Bekannten eingegangen.

Verhandlung wird



morgen fortgesetzt

Der Antrag der anwesenden Verteidiger, den Fall wegen seiner Komplexität ans erweiterte Schöffengericht zu übergeben, wurde abgelehnt. Stattdessen kam es nach Verlesung der Anklageschrift schnell zu einem nichtöffentlichen sogenannten Rechtsgespräch zur Verständigung zwischen Gericht, Staatsanwalt und Verteidigung. Bis zum nächsten Verhandlungstermin (morgen, 9.45 Uhr) können sich die Verteidiger mit ihren Mandanten, die größtenteils aus Nordrhein-Westfalen anreisen müssen, aber im Tatzeitraum ihren Wohnsitz in Baden-Baden hatten, überlegen, ob sie dem Vorschlag von Richter David Metz zustimmen - jeweils ist ein Geständnis dafür Voraussetzung: Ein 39-Jähriger soll mindestens zwei Jahre und vier Monate, längstens zwei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Für die drei anderen soll es Bewährungsstrafen zwischen acht Monaten und zwei Jahren geben.

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