"Kaputtniks" bald auf großer Fahrt

'Kaputtniks' bald auf großer Fahrt

Von Conny Hecker-Stock

Baden-Baden - Sie haben Nerven wie breite Nudeln und tun die Schrauberei der vergangenen Monate oder die Aufregung um die lange verweigerte TÜV-Zulassung mit einem entspannten Achselzucken ab. Schließlich warten noch ganz andere Abenteuer auf Karsten Doering und Tobias Geyer, wenn sie am 15. Juni auf große Fahrt beim Baltic Sea Circle gehen.

Laut den beiden ist es die nördlichste Charity-Rallye der Welt, an der seit 2011 alljährlich rund 250 Fahrer teilnehmen. Ob als Gruppe im Kleinbus, zu zweit oder als Single spielt dabei keine Rolle. Start und Ziel ist in Hamburg, von dort führt die Strecke auf rund 7 500 Kilometern rund um die Ostsee durch alle angrenzenden Länder.

Ein paar Auflagen gilt es für die Teilnehmer zu erfüllen. An vorderster Front steht da der Charity-Gedanke. Jeder wählt selbst ein soziales Projekt aus, für das während der Tour über eine Internetplattform gesammelt wird. Damit ist für jeden öffentlich einsehbar, was an Spendengeldern eingeht, Sponsoren bekommen zudem eine Spendenquittung. Der Bühler Tobias Geyer hat sich für die finanzielle Unterstützung seiner evangelischen Heimatgemeinde entschieden. Karsten Doering, der in der Kurstadt lebt und selbst bei dem Flüchtlingsprojekt der Bike-Docs aktiv ist, möchte damit ebenfalls eine lokale Institution unterstützen. Das Fahrzeug der Teilnehmer muss mindestens 20 Jahre alt sein und darf weder über Navi noch GPS verfügen. Der Ehrenkodex verlangt es außerdem, nicht über Autobahnen zu düsen, sondern möglichst auf Nebenstrecken auszuweichen. Generell geht es hier nicht ums Gewinnen, sondern um den Spaß an der Sache und das Erleben eines ganz besonderen Trips für einen guten Zweck. Beide haben die Botschaft dahinter verinnerlicht. Diese beinhaltet auch, eventuelle Nöte der Mitfahrer nicht zu ignorieren, sondern sich gegenseitig Hilfe zu leisten.

Die beiden Ingenieure sind nicht unerfahren, wenn es um Outdoor-Abenteuer geht: Tobias Geyer hat mit dem Motorrad Norwegen bereist, Karsten Doering Irland per Fahrrad erkundet. Im Verlauf einer Mittagspause wurde die Teilnahme am Baltic Sea Circle spontan geboren. Rasch war ein Lada-Niva-Geländew agen Baujahr 1991 gekauft, mit dem sie das Mindestalter noch deutlich toppen. Die Frage, welches Teil in den vergangenen Monaten nicht ausgetauscht wurde, sei einfacher zu beantworten als die Frage nach den getauschten Teilen, sagen sie schmunzelnd - daher stammt auch ihr Fantasiename "Die Kaputtniks". Auspuff, Radlager, Vergaser, Differenzialgetriebe, Bremsscheiben, Heizung und jede Menge Kleinteile wurden erneuert, das meiste bei einem Freund in dessen Hobbywerkstatt.

Seit einigen Wochen sind sie stolze Besitzer der TÜV-Plakette. Schlafen werden sie im ausklappbaren Dachzelt oder dessen externer Variante, am liebsten in freier Wildbahn oder auf Campingplätzen. Unterwegs sind auch noch kleine, häufig witzige Aufgaben zu erfüllen, wie etwa das Foto einer Ziege an ihrem Steuer oder ein Bild des Fahrzeugs vor der markanten Nordkapkugel. Mit ihren angestrebten 16 Tagen für die 7 500 Kilometer lassen es die beiden ziemlich sportlich angehen: "Danach sind wir sicher urlaubsreif" meinen sie grinsend. Ihren Lada Niva streichen sie noch mausgrau, damit Aufkleber ihrer Sponsoren und Spender gut zur Geltung kommen. Auf Facebook lässt sich ihre Tour unter "Die.Kaputtniks" verfolgen.

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