Bei Schulsozialarbeit unterdurchschnittlich

Bei Schulsozialarbeit unterdurchschnittlich

Von Marvin Lauser

Baden-Baden - Schulsozialarbeit ist wichtig, daran besteht kein Zweifel. Laut den Baden-Badener Schulleitungen ist die Unterstützung von Kindern, die familiäre, psychische Probleme oder Schwierigkeiten mit der Lernmotivation haben, unverzichtbar. Die Stadt hat daher seit 1996 einiges in diesem Bereich getan. Alle weiterführenden Schulen im Stadtkreis haben Anlaufstellen für Probleme dieser Art. Dennoch zog Kathrin Kratzer vom Kommunalverband für Jugend und Soziales in Baden-Württemberg (KVJS) in der ersten Jugendhilfeausschusssitzung dieser Legislaturperiode eine unbefriedigende Bilanz, was die Schulsozialarbeit angeht: "Bezüglich der tätigen Fachkräfte weist Baden-Baden einen weit unterdurchschnittlichen Wert auf."

Aktuell gibt es 7,25 kommunale Schulsozialarbeitsstellen, bis 2021 sollen es, wenn es nach dem Fachgebiet Sozialpädagogische Beratungsdienste geht, 8,75 sein.

Vor allem bei den Grundschulen gibt es Nachholbedarf. Die Grundschulen Balg, Ebersteinburg, Sandweier, Lichtental sowie die Reblandschulen in Steinbach, Varnhalt und Neuweier haben aktuell noch keine Schulsozialarbeiter.

Die Stadtverwaltung hat diese Schulen 2017 deshalb angeschrieben mit der Frage, ob sie einen Antrag auf Schulsozialarbeit stellen wollen. Lichtental und Sandweier haben daraufhin Bedarf angemeldet. "Die Grundschule Steinbach hat mitgeteilt, dass, unter anderem aufgrund verschiedener Kooperationen, derzeit kein Bedarf auf Einrichtung einer Stelle bestehe. Davon gehen wir auch bei den anderen Grundschulen aus", teilte Fachgebietsleiter Daniel Schneider schriftlich mit. Der Gemeinderat hat im vergangenen November den Ausbau der Schulsozialarbeit an allgemeinbildenden Schulen um 1,5 Stellen und 0,1 Verwaltungsstellen beschlossen (wir berichteten).

"Aufgrund der schwieriger werdenden Haushaltslage haben diese Stellen aber bisher keinen Eingang in den Haushaltsplan 2020/2021 gefunden. Sollte es dabei bleiben, könnten diese Stellen tatsächlich nicht wie geplant eingerichtet werden", schreibt Schneider.

Die SPD-Fraktion ist mit dem Fehlen des Punkts nicht einverstanden. "Wir werden einen Änderungsantrag stellen", kündigt der Fraktionsvorsitzende Kurt Hochstuhl an.

"Ob die örtlichen Gegebenheiten in der Jugend- und Schulsozialarbeit auch angesichts der gesellschaftlichen Erfordernisse im demografischen Wandel hinreichend zukunftsfähig sind, könnte aus Sicht der Stadt überdacht werden", regte Kathrin Kratzer im Jugendhilfeausschuss an.

Im Schuljahr 2017/2018 betreute in Baden-Baden nur eine Vollkraftstelle im Bereich Sozialarbeit 1 000 Schüler im Alter von sechs bis 17 Jahren an allgemeinbildenden öffentlichen Schulen, im Landesvergleich ist das - nach Mannheim - das zweitschlechteste Ergebnis aller Stadtkreise. Und das sechstschlechteste Ergebnis, wenn man alle Land- und Stadtkreise des Landes miteinbezieht. Zum Vergleich: Freiburg hat 2,64 Schulsozialarbeiter in Vollzeit je 1000 Schüler.

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