Fehlender Kontakt, fehlender Text

Fehlender Kontakt, fehlender Text

Von Franz Vollmer

Baden-Baden - Noch nie waren sie so wertvoll wie heute, die Anzeigenfelder im neuen Verkehrs- und Parkleitsystem. Und darum hatte es schon ein bisschen was vom Gang nach Canossa, als gestern Stadt, Hersteller und Zulieferfirma nur ein halbes Jahr nach Installation der 2,5 Millionen Euro teuren Anlage einen technischen Defekt größeren Ausmaßes in der Steuerungstechnik erklären mussten. Es betrifft zwar "nur" die Freitextanzeige, doch für Bürgermeister Alexander Uhlig ist das eine "unangenehme und missliche Situation". Der Ausfall gerade in der Weihnachtszeit sei "einfach blöd".

Konkret handelt es sich bei dem mit LCD-Technik betriebenen integrierten Schaltsystem um Probleme mit einem neuen leitenden Kleber auf der Steuerleiste, der die Chips, sprich Mikroprozessoren, mit den tabletgroßen Glaselementen verbindet. "Sie haben sich aus unerfindlichen Gründen vom Glas gelöst", berichtet Hermann Holz, Geschäftsführer der Zulieferfirma Aditech. Mit der Konsequenz, dass der in Kaskadenschaltung funktionierende Datenstrom stockt und komplette Buchstaben ausfallen oder sich relativ wirre Texte ergeben. Zwar betreffen die Probleme, die an der Bambi-Verleihung erstmals auftraten, nur drei von insgesamt zehn Tafeln (zwei am Verfassungsplatz vor der Tunneleinfahrt, eine in der Lange Straße), dennoch werden alle mit LCD-Technik betriebenen Glasplatten (rund 200 Stück) vorsorglich ausgetauscht.

Sie wurden mit Unterstützung des Baubetriebshofs bereits ausgebaut, werden komplett gereinigt und neu mit den Chips verklebt. Bis Ende nächster Woche sollen die Anzeigen wieder funktionieren. "Das ist aber nur ein Provisorium", betont Holz. Im neuen Jahr sollen die alten Glaselemente dann durch neue ersetzt werden. Die sind, da aus Fernost kommend und obendrein extrem teuer, frühestens Mitte Januar verfügbar, so Holz, dessen Firma aus Heidenheim spezialisiert auf LCD-Baugruppen für Fahrgast- und Parkleitsysteme ist. Aditech liefert nicht zuletzt Anzeigentechnik für die deutsche Bundesbahn und österreichische Bahn, wo ebenfalls bereits Probleme auftraten.

Die Zahlen, die Auskunft über freie Parkplätze geben, sind nicht vom Ausfall betroffen. Auch die Anzeigetafeln, auf den via LED-Matrix oder Prismentechnik wie etwa auf der B 500 (bei Kartung) funktionieren anstandslos. Ob das Provisorium hält, dafür gibt es laut Holz keine Gewähr. Das System an sich sei etabliert, mit der Oberflächenreinigung habe man indes "noch keine Erfahrungswerte", gesteht Holz.

Zur Fehleranalyse hat Aditech bereits das Fraunhofer-Institut und ein privates Institut beauftragt. Holz selbst vermutet einen Schrumpfungsprozess des Klebers. Die Technik selbst ist seit 1999 im Einsatz, funktioniert in Städten wie Linz oder auch Karlsruhe. "Wir bestücken seit 20 Jahren 200 Parkleitsysteme von Den Haag bis Dresden und die laufen ohne Probleme", ist Holz ratlos. Er rechnet insgesamt mit einem Schaden von 150 000 Euro allein schon für die Gläser. Wobei seine Firma als Zulieferer für den Schaden aufkommt.

Der Imageschaden ist allerdings weit größer. Das gilt auch für die Gaggenauer Herstellerfirma Swarco, die den Dauertestlauf durchführt und für die Hardware (Gehäuse, Ummantelung) verantwortlich ist. "Wir sind sozusagen nur Projektleiter, aber klar wird man damit dann in Verbindung gebracht", betont Wolfgang Matzka, Projektleiter Vertrieb Parken, sein gesteigertes Interesse, dass die Kuh schnell vom Eis kommt.

Auswirkungen für das zur Weihnachtszeit meist chaotische Parkgebahren in der Kurstadt befürchtet Johanna Schönauer vom Gebiet Ordnung und Sicherheit indes nicht. Sie glaubt nicht, dass sich der fehlende Appell via Freitext groß auswirkt. Man sei zu dieser Zeit "ohnehin mit erhöhter Präsenz im Einsatz". Plan B wäre laut Uhlig gewesen, Metallschilder mit Allgemeininfos anzubringen oder mobile Schilder aufzustellen. Wobei Ersteres mangels Aktualität wenig Sinn gemacht hätte, bei Letzterem wäre die Ansteuerung das Problem. Ergo Provisorium.

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