Bei Sandweier wird weiter kräftig gepumpt

Bei Sandweier wird weiter kräftig gepumpt

Von Harald Holzmann

Baden-Baden - Der leuchtend blau und grün angestrichene Maschinenpark und die drei großen Tanks muten exotisch an mitten auf dem Acker bei Sandweier. Wer sich ihnen über den holprigen Feldweg nähert, vernimmt ein Brummen und Rauschen. Hier wird der Kampf gegen den Giftstoff PFC geführt. Er gleicht einer Sisyphos-Aufgabe.


Bei der Konstruktion handelt es sich um eine Grundwasser-Reinigungsanlage. Sie filtert seit fast neun Jahren rund um die Uhr den Giftstoff PFC (mit Fluor versetzte Kohlenstoff-Chemikalien) aus dem Grundwasser. Ob und wann die Anlage einmal abgeschaltet werden kann, ist derzeit nicht absehbar.

Rudolf-Karl Teichmann, Fachgebietsleiter Umwelt bei der Stadtverwaltung, kann nicht klagen. "Die Anlage läuft seit Februar 2011 problemlos", sagt er. Seither sind auf dem Feld westlich von Sandweier zwischen der Autobahn und Rastatt nach seinen Worten mehr als 2,7 Milliarden Liter Grundwasser an die Oberfläche gepumpt und gereinigt worden. "Wir haben bis zum Sommer 2019 insgesamt 32 Kilo PFC rausgeholt", sagt er. Planung, Bau und Betrieb der Anlage hätten bislang ungefähr 1,9 Millionen Euro gekostet. "Die Betriebskosten pro Jahr liegen bei etwa 170 000 Euro - und da ist der Betreuungsaufwand für die Anlage, den wir haben, noch nicht eingerechnet", betont Teichmann.

Nein - an eine Abschaltung der Anlage sei derzeit nicht denkbar. Bei den regelmäßig stattfindenden Messungen der Qualität des zutage geförderten Grundwassers werde nach wie vor eine fünf- bis zwölffache Überschreitung der für Trinkwasser gültigen PFC-Grenzwerte festgestellt. "Immerhin. Begonnen haben wir bei einer 380-fachen Überschreitung", sagt Teichmann.

Aufgebaut wurde die Anlage bei Sandweier übrigens zu einer Zeit, als von der allgemeinen PFC-Problematik im mittelbadischen Boden und Grundwasser noch keine Rede war. Das Wasser im Untergrund des Puysegur-Geländes nahe der Autobahn A5 ist nämlich vor allem deshalb verseucht, weil beim Löschen eines Großbrandes bei der Firma Claus in Sandweier im Februar 2010 von der Feuerwehr giftiger Löschschaum eingesetzt wurde (wir berichteten). Mit der grünen Anlage auf dem Feld bei Sandweier sollten die bei den Löscharbeiten freigesetzten und ins Grundwasser gelangten Chemikalien aus dem Wasser entfernt werden - unter anderem auch deshalb, um zu verhindern, dass die Chemikalie ins Rastatter Trinkwasser gelangt. Stündlich pumpt die Anlage 50 000 Liter Grundwasser an die Erdoberfläche, reinigt es und bringt es in 250 Meter Entfernung in einen 24 Meter tiefen Brunnen zurück in den Untergrund. Viele Jahre hat die Kurstadt mit der Firma Claus vor Gericht darüber gestritten, wer die Grundwasser-Aufbereitung bezahlen muss. Mittlerweile steht aber höchstrichterlich fest, dass die Stadt die Kosten tragen muss, weil die Feuerwehr bei den Löscharbeiten fehlerhaft gehandelt hat.

Nebenbei wird mit der Anlage natürlich auch etwas gegen die allgemeine, vermutlich durch die jahrelange Ausbringung von belastetem Kompost verursachte PFC-Belastung des Bodens und des Grundwassers getan. "Die Äcker dort sind nämlich auch dadurch vorbelastet", sagt Teichmann. Daraus resultierende Schadstoffe, die durch Niederschläge ins Grundwasser geraten, würden auch erfasst. "Gesehen auf die von der PFC- Belastung betroffene Gesamtfläche ist die Anlage bei Sandweier aber ein Tropfen auf den heißen Stein", betont Teichmann.

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