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Wie zu besten goldenen Zeiten
13.09.2017 - 00:00 Uhr
Bühl (gero) - Das 70. Bühler Zwetschgenfest hielt, was die Organisatoren und Beschicker erhofft hatten: Es war qualitätsorientiert, betriebswirtschaftlich erfolgreich, vom Wetter begünstigt - und vor allem friedlich. Bei Oberbürgermeister Hubert Schnurr hörte sich das Fazit gestern Vormittag wie folgt an: "Es war ein tolles Fest mit vielen Facetten."

Von den vielen Höhepunkten hob er stellvertretend die Partnerschaftsfeier, die Matinee, den Umzug und das Schlepper-Oldtimertreffen hervor. In der Summe dürfe man "stolz sein auf das, was wir am Wochenende präsentiert haben". Die gesamte Stadt, ihre Bürger und auch die Verwaltung hätten sich von ihrer "besten Seite gezeigt".

Sein Beigeordneter Wolfgang Jokerst wollte erst gar nicht nach Superlativen suchen. Ihm reichte die unspektakuläre Feststellung: "Es war ein wunderschönes Fest", das sich weiterentwickelt und Maßstäbe für die Zukunft gesetzt habe. Die Matinee am Sonntagvormittag im Bürgerhaus anlässlich "500 Jahre Reformation" habe "fast schon intellektuelle Impulse gesetzt".

Martina Rumpf, laut OB die "Miss Zwetschgenfest", lobte vor allem die Teamarbeit im Rathaus. Alle Rädchen, die sich für einen Erfolg drehen müssten, hätten "super ineinandergegriffen". Sie berichtete von gut 1000 Umzugsteilnehmern und 30 000 Zuschauern; so viele also, wie die Große Kreisstadt Einwohner hat. Zum Vergleich: Den Landesfestumzug in Karlsruhe verfolgten zur selben Zeit 50 000 Menschen. Umgelegt auf die Bevölkerungszahl, rechnete Hubert Schnurr schnell vor, hätten dort sechsmal so viel an den Straßen stehen müssen.

Auch Festwirt Jürgen Kohler bilanzierte eine der besten Veranstaltungen. Sein mit viel Liebe fürs Detail für Heimat und die Zwetschge gestaltetes Zelt war in der Regel brechend voll, das Speiseangebot vielfältig und badisch-lecker. Noch in der Nacht begannen er und sein Team mit dem Abbau, um 8 Uhr in der Früh' war die Arbeit erledigt und nur noch Schlafen angesagt.

Petra Ewert, zuständig in der Verwaltung für die Kultursparte, berichtete von nächtlichen Festbesuchern im Weindorf bis weit nach 2 Uhr. Auch die Neustrukturierung der Spielstätte im Stadtgarten mit einer Bühne im Brunnen, Pagodenzelten mit einem Caterer und einem ausgewogenen Programm habe sich bewährt. Ihre Bilanz fiel wie folgt aus: "Wenn alle gut zusammenarbeiten, kann so ein großes Fest gelingen." Dass auch noch das Wetter mitspielte, überraschte sie nicht, zumal Martin Luther alias Lutz Jäckel beim Umzug mitlief.

Andreas Bohnert, der seit Jahren den Vergnügungspark zusammenstellt, einen der attraktivsten auf der gesamten Rheinschiene, berichtete von ausnahmslos hochzufriedenen Schaustellern. Vor allem am Sonntag war der Rummelplatz rammelvoll. Anders als im vergangenen Jahr, da eine brütende Hitze über der Stadt und im Zelt lag und viele Festbesucher nach dem Umzug wieder nach Hause trieb. Heuer aber herrschten Temperaturen von angenehmen 22 Grad.

Positiv fiel auch das Sicherheitskonzept aus. 160 ehrenamtliche Kräfte, davon 100 vom DRK gestellt, wurden zu 57 Einsätzen gerufen. Und lediglich fünf alkoholisierte Jugendliche sind aktenkundig geworden. Zwei Krankenhauseinlieferungen gab es am Samstagabend, als sich zwei Personen mit Pfefferspray attackierten.

Bohnerts Resumee: "Das Sicherheitssystem wurde nach den Heimattagen Baden-Württemberg nochmals weiterentwickelt und hat sich bewährt. Das lasse sich nach Angaben von Petra Ewert auch daran ablesen, dass die sechs Anlaufstellen für belästigte oder bedrohte Festbesucher nicht einmal in Anspruch genommen werden mussten. Bohnert brachte das fünftägige Spektakel auf den Punkt: "Es war ein Fest wie zu goldenen Zeiten."

Menschenmassen und gigantische Stimmung

Auch Günter Dußmann ist hochzufrieden. Die Oldtimerfreunde der Feuerwehr zeichneten für den zwei Kilometer langen Korso historischer Schlepper am Sonntagvormittag durch die Innenstadt verantwortlich. Der Stadtbrandmeister lobte die "logistische Meisterleistung" seiner Truppe. Die weitesten Anfahrtswege hatten die Fahrzeughalter von Lanz-Traktoren aus Pforzheim und Karlsruhe. Die ersten Rückmeldungen waren durchweg positiv: So schrieben die Bulldogfreunde Sandweier: "Das war ein toller Tag bei Euch. Ihr dürft gerne wieder auf uns zukommen."

30 historische Schlepper fuhren dann auch beim Umzug mit, den der Kommandant wie folgt erlebte: "Ich habe noch nie so viele Menschen an der Umzugsstrecke gesehen. Die Stimmung war gigantisch." Ganz nebenbei musste die Bühler Feuerwehr am Sonntag noch zu zwei Einsätzen ausrücken - ohne Oldtimer.

Ein sprichwörtlicher Höhepunkt trotz relativ bescheidenen Equipments war das Feuerwerk am Sonntagabend auf dem Lörchgelände. "Es war das Kind von Klaus Dürk", schrieb Andreas Bohnert dieses Verdienst dem Kultur-Fachbereichsleiter zu. Die Kosten lagen im unteren vierstelligen Bereich.

Das Himmelsspektakel soll jedoch nicht zur Gewohnheit werden, sondern nur bei Jubiläen abgeschossen werden meinte Martina Rumpf, "sonst nutzt es sich ab".

Gleichwohl: Auch für das Zwetschgenfest 2018 ließe sich ein Jubiläum konstruieren: 70 Jahre Zwetschgenfest - und zwar in ununterbrochener Folge. Eine Rakete jagt die andere.

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