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Schwarzwaldwohnstift erneuert Interesse
Vor 50 Jahren wurde das Gemeindehaus Alban Stolz bezogen, doch nun sind seine Tage gezählt. Foto: Margull
05.12.2017 - 06:24 Uhr
Bühl (gero) - Seit vielen Jahren hängt über dem Haus Alban Stolz in der Wiedigstraße aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit und eines millionenschweren Sanierungsstaus das Damoklesschwert. Nun hat der Stiftungsrat der katholischen Pfarrei St. Peter und Paul die Reißleine gezogen. Stadtpfarrer Wolf-Dieter Geißler informierte am ersten Advent-Wochenende, jeweils am Ende der drei Gottesdienste, von dem gemeinsamen Beschluss, sich von dem vor 50 Jahren eröffneten Gemeindehaus zu trennen.

Im BT-Gespräch bedauerte Geißler die alternativlose Entscheidung, die "schweren Herzens" gefallen sei: "Das Schmuckkästchen ist für unsere Pfarrgemeinde Heimat. Da hängt auch viel Herzblut dran. Deshalb tut seine Aufgabe jedem auch so weh."

Der Stadtpfarrer beleuchtete auch die Hintergründe für den ökonomischen Niedergang. Nach der Öffnung des Bürgerhauses Neuer Markt 1989 sei die Belegung kontinuierlich zurückgegangen. Früher mietete die Stadt das Haus Alban Stolz regelmäßig für Empfänge und größere Veranstaltungen an. Die Stadtkapelle gab dort ihre Konzerte, und die Narrhalla lud zu ihren Kappensitzungen ein. Kurzum: Das Haus Alban Stolz war die gute Stube Bühls, der gesellschaftliche Kristallisationspunkt.

Für die Pfarrgemeinde allein und ihre dort untergebrachten Gruppen wie Eine-Welt-Laden, Peru-Kreis, Frauengemeinschaft oder Kirchenchor sei die Immobilie überdimensioniert. Der Berechnungsschlüssel des Erzbistums Freiburg, auf dessen Gelände das Haus in Erbbaupacht steht, sieht für eine Pfarrgemeinde der Größenordnung von St. Peter und Paul eine Gemeindehausfläche von rund 500 Quadratmetern vor. Tatsächlich aber werden in Bühl 2600 Quadratmeter vorgehalten.

Groß, in einem anderen Sinne, ist auch der Renovierungsstau. Bei zwei größeren Investitionsmaßnahmen in den Jahren 1993/94 und zwischen 2000 und 2002 mussten 1,5 Millionen Euro aufgebracht werden. Mit dieser Summe konnte aber auch nur das "Allernötigste" erledigt werden. Die Energieeffizienz des Hauses bezeichnete Geißler in seiner Ansprache als "verheerend". Allein energetische Maßnahmen würden Millionen verschlingen. Der Pfarrer realistisch: "Dafür haben wir nicht das Geld und würden auch niemals die Genehmigung des Bistums erhalten." Außerdem wäre das Haus dann "immer noch viel zu groß".

Derzeit verursacht das Gemeindehaus ein jährliches Defizit von 75 000 Euro und damit mehr, als für Kirche und Gottesdienst benötigt würden.

Interesse am Alban-Stolz-Haus hat bereits die Schwarzwald Wohnstift Betriebsgesellschaft mbH (SWB) angemeldet, die im Land 13 Wohnheime mit insgesamt 1100 Plätzen betreibt, zwei davon in Bühl, darunter auch das in direkter Nachbarschaft zum Stolz-Haus angesiedelte Veronikaheim in der Karl-Reinfried-Straße.

SWB favorisiert eine Kombilösung

SWB-Geschäftsführer und Gesellschafter Hubertus Seidler hatte das Interesse bereits im Spätjahr 2016 dem Pfarramt und der Erzdiözese mitgeteilt. Seine Vorstellungen erläuterte er gegenüber dem BT wie folgt: Das Haus Alban Stolz könnte um zwei Stockwerke erweitert und für Betreutes Wohnen genutzt werden. In einem unteren Geschoss könnte sich dann die Pfarrgemeinde für ihre Gruppenarbeit einmieten. Seidler sieht in dieser Nutzungskombination eine "Win-win-Situation für Stadt, Pfarrgemeinde und Senioren". Er spricht von einem "klasse Konzept, das auch den Senioren mehr als gut täte". Der Bedarf an Betreutem Wohnen in Bühl stuft er als hoch ein. Alle Häuser der SWB seien "voll belegt". Die Wartezeiten betrügen derzeit rund sechs Monate.

Ob die Vorstellungen einer Kombi-Lösung kompatibel sind, ist derzeit noch offen. Wolf-Dieter Geißler berichtete, dass sich die Pfarrgemeinde momentan in Gesprächen mit Investoren befinde, "die bereit sind, in Bühl ein neues kleineres Gemeindehaus nach unseren Vorstellungen und unter Mitwirkung unserer Pfarreigruppierungen zu bauen und uns dann zu vermieten".

Nach der Fertigstellung des Neubaus (nach BT-Informationen in absoluter Innenstadtlage und nicht in städtischem Besitz) in voraussichtlich zwei Jahren, "werden wir dann umziehen und das Areal unseres jetzigen Gemeindehauses verpachten. Es ist angedacht, dass dort ein dringend benötigter Erweiterungsbau des Veronikaheims entstehen soll." Aber auch ein Verkauf wird nicht ausgeschlossen.

Zusammenfassend stellt er folgende Vorteile heraus:

"Wir müssen nicht in einen Neubau investieren."

"Wir können unser Gemeindehaus nutzen, bis der Neubau fertig ist."

"Am Platz unseres Gemeindehauses wird eine Einrichtung entstehen, die den Bürgern unserer Stadt dient."

Oberbürgermeister Hubert Schnurr war von der "Verkündung" der Entscheidung in den Gottesdiensten zum ersten Advent in Kenntnis gesetzt. Gegenüber dieser Zeitung zeigt er "Verständnis für diesen Schritt". Und auch am Bedarf für eine Erweiterung des Veronikaheims gebe es keine Zweifel.

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