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"Kenne jede Schraube persönlich"
30.05.2018 - 00:00 Uhr
Von Gerold Hammes

Bühlertal - Die Erderwärmung und der damit verbundene wärmste Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnung spült den kommunalen Kämmereien viele, nicht unbedingt einkalkulierte Euro in die Kassen. Der Hochsommer im Frühling ist eine Art Sonderkonjunktur. Allerdings ziehen über dem Bühlotbad bereits erste dunkle Wolken auf: Es ist aller Wahrscheinlichkeit nach die vorläufig letzte Saison, sollte 2019 die auf zwei Jahre veranschlagte Sanierung beginnen. Für Bademeister Bernhard Horn ist bereits am 9. September Schluss. Wenn er an jenem Sonntagabend das Eingangstor verriegelt und die Saison beendet, beginnt für den 65-Jährigen das Rentnerdasein.

Seine Laufbahn als Schwimmmeister ist in der Region in vielerlei Hinsicht einzigartig. 1964 zog die Familie von Baden-Baden nach Bühlertal. In der Kurstadt war sein Vater Lothar Bademeister im Hardbergbad und Bertholdsbad. Ein Jahr zuvor und mitten in den Wirtschaftswunder-Zeiten war auf dem Gelände des früheren Sägewerks Konrad Kern das attraktive Bühlotbad mit einem Fünf-Meter-Sprungturm, großen Liegewiesen und einem atemberaubenden Panoramablick auf den Engelsberg eröffnet worden. Die Bühler planschten damals noch im "Uhu-Tümpel".

Lothar Horn übernahm das Kommando im Bad, Sohn Bernhard, ein gelernter Heizungs- und Lüftungsbauer, assistierte zunächst ehrenamtlich als Rettungsschwimmer und übernahm 1985 die Verantwortung von seinem Vater. Die Prüfung zum Schwimmmeister legte er 1988 in Duisburg-Wedau ab.

Genau genommen deckt Bernhard Horn gleich mehrere Berufsfelder ab. Außer Schwimmlehrer ist er auch noch Chemiker, Sanitäter, Gärtner, Ordnungshüter, In-stallateur, Maler, Erzieher, Psychologe und vieles mehr. Auch als Kassierer oder Garderobier machte er eine gute Figur. Oder wie er selbst sagt: "Ich bin Mädchen für alles."

Sein Arbeitstag beginnt in der Regel um 6 Uhr und endet oft erst am Abend. Zunächst gilt ein prüfender Blick der Technik für die Wasseraufbereitung, danach werden im täglichen Wechsel die beiden 3000 Kubikmeter Wasser fassenden Becken mit einem vollautomatischen Unterwassersauger gereinigt. Aufwand pro Aktion: rund zweieinhalb Stunden.

In den ersten beiden Jahren nach der Bad-Eröffnung schwammen die Besucher nicht im Trinkwasser wie heute, sondern im Bühlotwasser, das allerhand Fäkalien und Unrat mit sich führte, die vor dem Einleiten in die Becken aufwendig herausgefiltert werden und das Wasser mit Säuren, Laugen, Chlor und Kupfersulfat desinfiziert werden musste. Heute eine einzige Horrorvorstellung für ein Gesundheitsamt.

Improvisationskunst und Flexibilität gefragt

Eine vorzügliche Wasserqualität hatte für Bernhard Horn stets oberste Priorität: "Unsere Gäste sollten im Wasser schwimmen, nicht in der Chemie." Die Besucher haben es ihm und der Gemeinde gedankt: Im Schnitt passieren 22 000 Badegäste jährlich das Drehkreuz, an Spitzentagen sind es um die 1 300, vergangenen Sonntag waren es 375 als bislang höchstem Wert der noch jungen Saison.

Ganz andere Zahlen hatte noch Vater Lothar zu bewältigen, als das Bühler Schwarzwaldbad noch in der Planungsphase dahinplätscherte: 40 000 pro Jahr und 7000 am Tag waren keine Seltenheit, bei Eintrittspreisen von 20 Pfennig.

Aber auch so ist Langeweile ein Fremdwort für den Sohnemann. Kreativität, Flexibilität und Improvisationskunst sind für einen Bademeister unabdingbare Voraussetzung. Horn kann deshalb auch mit berechtigtem Stolz feststellen: "Die Haustechnik ist gut in Schuss." Das hat auch mit seiner Akribie und seinem handwerklichen Geschick zu tun: "Ich kenne im Bad jede Schraube persönlich."

Und er wird so manche Begebenheit nie vergessen und mit in den Ruhestand nehmen: beispielsweise an das Hochwasser 1998, als die Bühlot, die direkt unter den Sprungtürmen verläuft, das Gelände in ein Rückhaltebecken verwandelte.

In Erinnerung, weil höchst skurril, wird ein nächtlicher Einsatz von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst bleiben, als ein Pärchen für ein FKK-Bad über den Absperrzaun kletterte. Dumm nur, dass der Mann auf der Beckenmauer ausrutschte und sich der Fuß in einer Haltestange verklemmte. Bei seiner Alarmierung dachte Horn zunächst an einen Chlorgasunfall, musste tatsächlich aber sprichwörtlich nackten Tatsachen ins Auge sehen. Die Quittung fiel für die ungeschickten nächtlichen Besucher unterschiedlich aus: Die Feuerwehr rechnete den vollen Satz ab, die Gemeinde erstattete Anzeige wegen Einbruch in ein befriedetes Gelände - und Horn machte seine Anfahrtskosten geltend: drei Kilometer zu jeweils 35 Cent.

Ganz andere Strecken wird er nun im Ruhestand zurücklegen: Der Trekking-Fan hat bereits Touren in Kathmandu (Nepal), auf La Reunion oder auf La Gomera unternommen. Jetzt jucken ihn noch die "Verbotene Stadt" in Peking und Tibet (Hochebene des Himalaya-Gebirges). Möglicherweise wird er dabei nicht ganz inkognito unterwegs sein. Auf der Kreuzeckalm im Zugspitzmassiv hat ihn mal eine Person angesprochen und ihm gedankt: "Bei Ihnen habe ich das Schwimmen gelernt!" Jetzt, auf seine letzten Tage, hofft Horn, dass der Gemeinderat für die Sanierung und damit für den Erhalt des Bühlotbads votiert. Für ihn steht schließlich fest: "Es war und ist mein beruflicher Lebensinhalt."

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