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Dünne Luft im Forschungslabor
02.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Joachim Eiermann

Bühl - Der Blick nach rechts zeigt eine verschneite Berglandschaft mit dem Gipfel des South Howser Towers in einem der weltbesten Granit-Klettergebiete in Kanada. Ralf Dujmovits, der Bühler Extrembergsteiger, atmet die dünne Luft eines 7000 Meter hohen Bergs, während er auf einem Laufband joggt. Nach allen 14 Achttausendern, die der 56-Jährige in drei Jahrzehnten bestiegen hat, ist seine aktuelle Expedition eine höchst ungewöhnliche.

Zusammen mit seiner kanadischen Lebenspartnerin Nancy Hansen hält er sich in einer rund 110 Quadratmeter großen Hypoxiekammer des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln auf. Seit 17 Tagen sind beide nicht mehr vor die Tür getreten. Sie leben in der künstlichen Welt einer Laborwohnung mit Küche, Bett, Sofa und ein paar Sportgeräten. "Es geht uns gut", gab Dujmovits gestern die allgemeine Gemütslage wieder. "Wir vermissen etwas das Draußensein und den direkten Kontakt mit Freunden." Langeweile komme aber nicht auf, die Tagesabläufe seien sehr interessant. "Wir haben eine nette Betreuung, klasse Wissenschaftler, die uns mit viel Geduld alles erklären." Und das Essen: einfach prima.

Für eine Pilotstudie im Rahmen der Krebsforschung setzen sich beide der künstlich sauerstoffreduzierten Luft aus, zu ähnlichen Bedingungen, wie sie auf 7000 Höhenmetern herrschen - und das über eine längere Zeit, als Bergsteiger für gewöhnlich in dieser extremen Höhe verweilen. Wenn die Wissenschaftler und Mediziner des DLR zu umfänglichen Checks ihrer Probanden in die Kammer steigen, müssen sie Atemmasken tragen.

Allmählich hatte das Paar in den vergangenen Tagen an "Höhe" gewonnen. An bislang zwei Tagen drang es bis in die 7000er-Region vor, die in Bergsteigerkreisen auch "Todeszone" genannt wird. Nachts ließen sich beide auf 6000 Meter "zurückbeamen", um dem Organismus für den Anfang nicht zuviel zuzumuten. "Da Nancy über stärkere Kopfschmerzen klagte, haben wir den Plan etwas umgestellt", schildert Dujmovits. Vermutlich spiele eine Rolle, dass sie nicht so häufig in den obersten Bergregionen unterwegs gewesen sei wie er.

Höhenluft ist anstrengend, zehn Stunden Schlaf sind angesagt. Um 7.15 Uhr ist Aufstehen. Nach dem Frühstück um 9 Uhr stehen umfängliche medizinische Tests auf dem Programm. Danach folgen Kognitionsübungen - virtuell am PC -, die von Wissenschaftlern im fernen Dallas aufmerksam mitverfolgt werden. Die Texaner hatten herausgefunden, dass sich bei Mäusen nach einem Herzinfarkt unter extremem Sauerstoffmangel die Herzmuskelzellen wieder zu teilen beginnen. Um die Heilungschancen bei Menschen zu erforschen und eine Therapie zu entwickeln, suchen die Amerikaner noch einen Extrembergsteiger, der einen Infarkt erlitt und sich einem entsprechenden Versuch stellt.

Dujmovits und Hansen absolvieren den Härtetest als gesunde und durchtrainierte Probanden für eine Vergleichsreihe. Sie erlebten dabei bereits eine erste Überraschung: Beim Training an der kontinuierlich rotierenden Kletterwand geht beiden unerwartet schnell, nach wenigen Minuten schon, die Puste aus. Zu groß sei die Kraftanstrengung. "Das hatten wir unterschätzt." An der Maschine zu hängen, sei aber auch etwas völlig anderes als an echtem Fels oder in der Halle zu klettern. Das langsame Ausdauertraining auf dem Fahrradergometer oder auf dem Laufband sei deutlich angenehmer.

Ab kommendem Mittwoch ist ein dauerhafter Aufenthalt in 7112 Meter Höhenluft geplant. Erst am 18. Juni wird der Sauerstoffgehalt wieder langsam hochgefahren. Tags darauf geht's gleich zurück ins heimische Basislager nach Kappelwindeck - mit der Bahn von Köln nach Bühl.

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