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Alarmstufe eins in der Talgemeinde
20.07.2018 - 00:00 Uhr
Bühlertal (gero) - In der Talgemeinde herrscht Alarmstufe eins: Und dafür sorgen regelmäßig Bewohner im Haus Mecki, die dort in der Flüchtlings-Anschlussunterbringung wohnen und durch fahrlässiges Handeln oder vorsätzliche Manipulation von Rauch- und Thermomeldern Feueralarm auslösen. Für heute Vormittag hat Bürgermeister Hans-Peter Braun in dieser Angelegenheit eine "Arbeitssitzung" anberaumt. Eingeladen sind Vertreter der örtlichen Feuerwehr, der Kreisbrandmeister, der Polizei, der Hausbesitzerin und einer Fachfirma für Brandmeldeanlagen.

Hauseigentümerin Leokadia Maier, die vor bald 60 Jahren zusammen mit ihrem verstorbenen Mann Rolf im Haus Mecki eine heilpädagogische und gestaltungstherapeutische Einrichtung für Kinder und Jugendliche eingerichtet hatte, der dann 2013 die Zulassung entzogen wurde, ist angesichts der permanenten Alarmmeldungen und dem Erscheinen der Feuerwehr, zuletzt an sechs Nächten in Folge, mit den Nerven fertig: "Hier ist der Teufel los! Das geht so nicht mehr weiter!"

Im "Mecki" sind rund 40 Personen ganz unterschiedlicher Nationen untergebracht, unter anderem aus Syrien, Eritrea, Afghanistan, Pakistan oder Kamerun. Das ehemalige Kinderheim hatte der Landkreis Rastatt am 1. November 2015 als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge mit einer Laufzeit von fünf Jahren angemietet. Tatsächlich nutzte er das Gebäude nur bis September 2016. Im Januar dieses Jahres stieg die Gemeinde Bühlertal in den modifizierten Vertrag ein. Seither dient das "Mecki" für die Anschlussunterbringung. Von Integration oder Deutschkenntnissen der Bewohner kann keine Rede sein.

Mit den ersten zwei Belegungen beziehungsweise Personengruppen habe es keine Probleme gegeben, mit der aktuellen sehr wohl, sagt Leokadia Maier, die ebenfalls im "Mecki" wohnt. Sie berichtet von aufgebrochenen Schränken, vom Ausbau von Schlössern und von der Hinterlassenschaft einer Notdurft im ehemaligen Wohnzimmer des Heims. Beseitigt sei diese bis heute noch nicht. Ein anderes Mal sei ein Schwarzafrikaner nachts splitternackt auf dem Bolzplatz gelegen. "Junge Frauen" seien hinzugekommen. Erst als ihr ausgebildeter Polizei-Schäferhund angeschlagen habe, habe sich die Situation beruhigt.

Leokadia Maier nennt die Gründe für die ständigen Alarmmeldungen. Oft würden - bewusst oder unbewusst - die Herdplatten nicht abgestellt oder die Rauch- und Thermomelder aus der Verankerung gerissen. Und schon stehen kurz danach Feuerwehr, Polizei und der Rettungsdienst auf der Matte.

"Es ist Zeit, dass die Gemeinde reagiert"

Die Hauseigentümerin kritisiert in diesem Zusammenhang die fehlende Abstellung von Betreuungs- und Bezugspersonen durch die Gemeinde, wie dies in der Regie des Landratsamts der Fall gewesen sei. "Niemand kümmert sich um die und bringt ihnen Regeln und Verhaltensweisen bei", ärgert sie sich und berichtet von "Todesängsten", die sie bereits habe durchstehen müssen.

Auch für Kreisbrandmeister Heiko Schäfer ist der aktuelle Zustand "für alle Beteiligten nicht mehr tragbar". Im Zuge einer Ursachenanalyse müsse nun geprüft werden, ob es "Defizite im technischen oder organisatorischen Brandschutz" gebe, um dann entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Eines steht für ihn fest: "Wir müssen dieses Problem zeitnah abstellen."

Rechtsanwalt Dr. Bernd Reichert, der die Interessen der Hausbesitzerin vertritt, sieht die Verwaltung in der Pflicht: "Es ist an der Zeit, dass die Gemeinde reagiert und überwacht, was dort oben abgeht". Außerdem erwartet er die Abstellung einer Person für "eine dauerhafte Betreuung". Mit den "Landkreis-Flüchtlingen" habe es schließlich auch keinen Ärger gegeben, weil sich eben damals mehrere Personen um die Asylanten gekümmert hätten. Für ihn steht fest: "So kann es nicht weitergehen."

Das sagen sich auch die genervten Bühlertäler Feuerwehr-Aktiven um ihren Kommandanten Michael Reith. Seit vergangenem Freitag bis diesen Donnerstagabend gab es sage und schreibe neun Alarmmeldungen vom "Mecki", und alle seien "mutwillig" ausgelöst worden, ist sich Reith nach jeweiligen Rekonstruktionen sicher. In der Regel würden brennende Zigaretten, Kerzen oder Feuerzeuge unter die Alarmmelder gehalten. Und Alarmmelder gibt es reichlich: Reith schätzt ihre Zahl auf 200. Sie sind nach BT-Informationen von der Gebäudeversicherung angeblich gefordert. Zum Vergleich: In Bühler Asylunterkünften gibt es solche nicht.

Die Stimmung in der Truppe bezeichnet Reith als "schlecht". Es gebe "viel Frust" unter den Aktiven. Nahezu an keinem Abend könne man sich was vornehmen oder mal zeitig ins Bett gehen, weil man in jeder Sekunde mit einer Alarmmeldung rechnen müsse. Vergangenen Samstag lag bei Reith gerade das Fleisch auf dem Grill, als er wieder einmal ausrücken musste. Nicht selten gab es gleich zwei Alarmierungen an einem Abend. Seit Jahresbeginn waren es deren 30.

Es spricht für die Moral der Truppe, dass überhaupt noch jemand im Gerätehaus erscheint. Am Mittwochabend waren es immerhin 24 Aktive. Reith ist deshalb "richtig stolz auf meine Mannschaft".

Und er wirbt um Verständnis bei den Anwohnern des Gerätehauses und entlang der Anfahrtsstrecke. Bei jeder Alarmierung sei von einem "Realfeuer" auszugehen. Und die Ausrückvorschriften würden nun mal den Einsatz von Martinshorn vorschreiben.

Leidtragende von dem unsäglichen Tun sind im Übrigen auch die Beamten des Polizeireviers Bühl und die Rettungsteams des DRK-Kreisverbands Bühl/Achern, die ebenfalls jedes Mal ausrücken müssen.

Und Besserung ist nicht in Sicht: Am Mittwoch wies die Gemeindeverwaltung über einen Arabisch sprechenden Dolmetscher die Flüchtlinge auf Verhaltensregeln und strafbare Handlungen hin. Ergebnis: Am Abend wurde erneut ein Alarmmelder manipuliert, die Martinshorn-Armada durfte erneut ausrücken. Möglicherweise liegt die Lösung des Problems nicht im guten Zureden oder bei einer Tagesbetreuung, sondern in abendlicher Security-Präsenz.

Leokadia Maier hat für sich die persönlichen Konsequenzen bereits gezogen: Den Mietvertrag mit der Gemeinde, der am 1. Februar 2020 ausläuft, will sie nicht verlängern.

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