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Mehr Wasser bei die Fische
08.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Franziska Kiedaisch

Bühl - Nur noch wenig Wasser rinnt die Bühlot hinunter. Und auch in den Bühler Seen schrumpfen die Pegelstände dramatisch. Sengende Hitze und ausbleibender Regen tragen Schuld daran. Für Fische wird es damit bedrohlich: In Baden-Baden starben bereits Hunderte Fische, weil ein Bereich der Oos ausgetrocknet war. Auch Teilstücke der Bühlot und des Laufbachs liegen bereits trocken.

"Man hofft und hofft, dass es mal wieder regnet und das Frischwasser wieder ein bisschen Sauerstoff ins Wasser bringt", fasst Jürgen Schindler, Vorsitzender des Anglerbunds Bühl, das Bangen in Tagen wie diesen zusammen. Als Angler kennt er die Probleme der Fische in diesen Tagen genau: Je wärmer das Wasser wird, desto weniger Sauerstoff befindet sich darin - ein Element, das auch für Fische überlebensnotwendig ist. Wird der Sauerstoff im Wasser weniger, droht den Tieren der Erstickungstod.

Gerade in stehenden Gewässern ist das ein Problem: Durch die Hitze verdunstet viel Wasser - anstatt der üblichen zweieinhalb Meter Wassertiefe ist der Ehletsee beispielsweise inzwischen nur noch rund einen Meter tief -, gleichzeitig entstehen durch die Sonneneinstrahlung schneller mehr Algen. In der Sonne erzeugen diese zwar Sauerstoff, in der Dunkelheit verbrauchen sie hingegen welchen. Ein verderbender Kreislauf setzt sich in Gang.

Laut Schindler haben in einem sauerstoffarmen See die Karpfenfische "die besten Karten zum Überleben". Schwierig würde es hingegen für die Forellenfische, die viel Sauerstoff und niedrige Wassertemperaturen benötigten. Die in der Bühlot beheimateten Bach- und Regenbogenforellen brauchen kühles, fließendes Wasser. Bei Hitzerekorden und ausbleibendem Regen drohen Bäche jedoch auszutrocknen. Die Bühlot führte gestern an der Messstelle in Altschweier einen Pegel von 25,4 Zentimetern; rund zwei Zentimeter weniger als noch vor einer Woche. Kontinuierlich ist der Pegel in den vergangenen Tagen gefallen. Normalerweise fließt in dieser Jahreszeit das Wasser zwischen 30 bis 40 Zentimeter hoch die Bühlot hinunter.

Matthias Buschert, Pressesprecher der Stadt, sieht noch keinen Grund zur Sorge: "Es gab schon Jahre, in denen der Bach ähnlich wenig Wasser geführt hat. Tote Fische gibt es bis jetzt nicht." Und das, obwohl bereits Abschnitte des Sandbachs - dem Unterlauf der Bühlot - und des Steinbachs trocken liegen, wie der Sprecher einräumt. Auch Ernst Venz, der an der Altschweierer Bühlot Fischpächter ist, sagt: "Noch sind Fische da: vor allem Forellen, aber auch Brassen und Döbeln." Doch im Bühler Stadtgebiet führt die Bühlot nur an wenigen Stellen mehr als zehn Zentimeter Wasser.

Laufbach bei Unzhurst ausgetrocknet

Daniela Wilk, Sachgebietsleiterin für Oberflächengewässer im Umweltamt des Landkreises Rastatt, ergänzt: "Uns wurde gemeldet, dass der Laufbach südlich von Unzhurst trockengefallen ist." Im Landratsamt seien bisher aber keine Meldungen zu toten Fischen eingegangen, beschwichtigt sie. Sie rechnet aber damit, dass "bei einer gleichbleibenden Wetterlage noch viele kleine Bäche austrocknen und Fische sterben werden."

Die in der Bühlot lebenden Forellen hätten sich nach Einschätzung des Anglers Schindler bereits in höhere und damit kältere Bereiche zurückgezogen, beispielsweise nach Altschweier oder Bühlertal. Gestern Vormittag waren nur noch wenige, kleinere Fische im Bereich der Innenstadt zu sehen - vermutlich Döbeln oder Brassen, die als Karpfenfischarten besser mit dem niedrigen Sauerstoffgehalt im Bach zurechtkommen.

Sollten die Fließgewässer austrocknen, gibt es laut Schindler "keine Chance". Eine Umsetzaktion hält er für wenig zielführend - die geschwächten Fische hätten dadurch Stress und würden vermutlich sterben. Auch Wilk sieht wenig Handlungsspielraum: Das Landratsamt könnte als untere Wasserbehörde zwar Maßnahmen planen, jedoch "müsste überregional, auf politischer Ebene etwas passieren". Maßnahmen vor dem Austrocknen seien kaum umzusetzen: Ein Ausbaggern wie beispielsweise am Rhein geschehen, sei bei kleinen Gewässern "einfach nicht machbar, weil das Wasser, das die vertieften Becken füllen soll, auch irgendwoher kommen muss".

Auch die Stadt Bühl hat keine Maßnahmen geplant, sollten die Bäche austrocknen. Und dem Anglerbund sind die Hände gebunden: Bei stehenden Gewässern könnte zwar die Wasseroberfläche mit einer Art Paddelboot umgewälzt werden, doch besitzt der Verein kein solches Gerät, mit dessen Hilfe der Sauerstoffgehalt im Wasser erhöht werden könnte. So wird auf die Sensibilisierung der Öffentlichkeit gesetzt: In zwei Pressemitteilungen forderte das Landratsamt dazu auf, kein Wasser aus den Bächen und Seen zu entnehmen. Am Ende kann man nur auf den nächsten, anhaltenden Regenguss hoffen, damit die Fische letztlich nicht auf dem Trockenen sitzen.

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