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Siesta während der größten Hitze
Guter Behang: Ewald Glaser zeigt die schon blauen Trauben, Sohn Simon bestimmt den Oechsle-Grad. Foto: Eiermann
10.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Joachim Eiermann

Ottersweier - "Im Vergleich zu den notleidenden Betrieben mit Rinderhaltung in Nord- oder Ostdeutschland dürfen wir uns nicht beklagen." Simon Glaser ist Betriebsleiter des gemeinnützigen Aspichhofs, dem landkreiseigenen, über 700 Jahre alten Gut mit Viehwirtschaft und Sonderkulturen sowie einem sozialen Auftrag. Die wochenlange bleierne Hitze mit Temperaturen weit über 30 Grad lastet aber auch hier, oberhalb von Ottersweier, schwer auf dem Hof und zwingt zum Improvisieren.

So wurden vor zweieinhalb Wochen die Arbeitszeiten vorübergehend umgestellt, um sich der dauerhaft heißen Witterung anzupassen. Die Schaffenszeiten liegen jetzt bei 6 bis 12 und 19 bis 20.30 Uhr, berichtet Geschäftsführer Ewald Glaser. An den aufgeheizten Nachmittagen zu arbeiten, sei dem Personal "nicht zumutbar". Deshalb ist nach spanischem Vorbild eine Siesta angesagt, eine ganz neue Erfahrung für die acht ambulant betreuten Hofbewohner und die sieben Inklusionskräfte, die bei der Arbeit in den Reben, in Fluren und Stall mit anpacken.

Nicht nur die Menschen, auch die Tiere leiden unter der extremen Witterung. Milchkühe fühlen sich ab 25 Grad unwohl, berichtet Simon Glaser. Um ihnen die Gluthitze einigermaßen erträglich zu gestalten, finden sie im Offenstall nicht nur Schatten, sondern es regnet dort auch ein feiner, kühlender Sprühnebel herab. Gleichwohl: Die Kühe geben weniger Milch. Die Quote liege derzeit um 20 Prozent unter der Normalmenge, berichtet der junge Betriebsleiter.

Er und sein Vater führen zu einer Wiese mit Panoramablick über Ottersweier. Eigentlich sollte hier sattes Grün stehen und Futter für das Vieh liefern, doch sind nur eher spärliche Halme und dürre Ären zu sehen. "Es fehlt extrem viel Wasser im Boden", so Simon Glaser. Eine Regenwoche werde nicht ausreichen, um den Verlust auszugleichen. "Wenn wir die Wiese jetzt abmähen, verbrennt der Rest", befürchtet Ewald Glaser. So lässt sich noch auf einen Zwischenschnitt im Herbst hoffen. Als Futteralternative muss jetzt der Mais herhalten, denn "das Vieh geht vor".

Sohn Simon will "mehr Silomais und weniger Körnermais" produzieren. Über Notschlachtungen wie im Norden müsse man sich zwar keine Gedanken machen, so Ewald Glaser, man spüre aber die ökonomischen Auswirkungen: "Kommt viel Schlachtvieh auf den Markt, gehen die Preise runter." Auch im Maisanbau macht sich die Dürre eklatant bemerkbar. Der Geschäftsführer rechnet mit Ernteeinbußen von einem Viertel bis zu einem Drittel der üblichen Menge.

Dem Weinbau indes sei die heiße, trockene Witterung bislang eher förderlich gewesen, weil sie keinen Pilzbefall habe aufkommen lassen. Außerdem gebe es kaum Schädlinge. "Die Trauben sind gesund, der Behang ist gut", haben beide Glasers Grund zur Freude. Ein Gang in den Weinberg zeigt: Die Reife ist schon weit fortgeschritten und durchschnittlich etwa zwei Wochen der Jahreszeit voraus. Die Rotweintrauben sind schon blau gefärbt, der Cabernet Dorsa bereits tiefblau. Bei drei Stichproben mit dem Refraktometer misst Simon Glaser je nach Sorte zwischen 50 bis 75 Grad Oechsle - relativ viel für das erste Monatsdrittel im August.

Es zeichne sich ab, dass die Weinernte direkt nach dem Hoffest am 26. August starten werde. "Möglicherweise müssen wir den Dunkelfelder sogar noch vor dem Fest herbsten", befürchtet Simon Glaser, denn die frühe Ernte stellt einige logistische Herausforderungen. Zum einen müssten genügend Helfer gefunden werden, was sich in der Urlaubszeit schwierig gestalte. Zum anderen dürfen die geernteten Trauben - sollte die Hitze andauern - bis zum Abtransport nicht zu lange der Sonne ausgesetzt sein, was zusätzliche Anlieferungsfahrten zur Winzergenossenschaft nach Eisental erfordere.

Nach Anbaufläche betrachtet ist der Aspichhof mit rund 13 Hektar Weinlagen der größte Winzer unter den Affentalern. Zum Integrationsbetrieb gehören auch eine Molkerei, Metzgerei, Bäckerei und Gärtnerei sowie ein Hofladen.

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