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Immerhin die Note "aussichtsreich"
'Perfekte Vegetation': Stefan Meier (Zweiter von rechts) leitete gestern mit Erntehelfern den Herbst 2018 ein. Foto: Hammes
04.09.2018 - 00:00 Uhr
Bühl (gero) - Leo Klär kann so schnell nichts erschüttern. Er ist, im besten Wortsinne, ein "abgeklärter" Typ. Stimmungsausschläge nach oben oder unten sind dem 58-jährigen Kellermeister der Affentaler Winzer eG fremd. Er spricht, im Gegensatz zu vielen anderen Weinbaubetrieben, nicht vollmundig von einem "Jahrhundertjahrgang", sondern bescheiden, wie es seine Art ist, von einem "aussichtsreichen". Gestern begann in den Weinbergen rund um Eisental die Lese der Sorten Müller Thurgau und Findling.

Traditionell wird in Affental am ersten Montag im September der Herbst eingeläutet. Das hat zu tun mit dem Zwetschgenfest, das am Freitag offiziell im Weindorf eröffnet wird. Dort wird auch Neuer Wein ausgeschenkt. Gekeltert werden die auf einem Hektar geernteten Trauben nicht. Die rund 12 000 Liter Süßer reichen zunächst einmal für zwei Wochen.

Wer geglaubt hatte, die Gluthitze der vergangenen Monate hätte die Oechslegrade in nicht geahnte Höhen auf Spätlese-Niveau getrieben, wurde gestern Vormittag eines Besseren belehrt: Der Müller bringt es momentan auf ein Mostgewicht von 72 Grad, der Findling auf 85. Selbst im verregneten und von Pilzbefall gekennzeichneten Jahrgang 2016 waren es nicht viel weniger.

"Erstaunlich wenig", findet auch Leo Klär. Aber er liefert dafür prompt eine Erklärung: Die Rebstöcke weisen einen erheblich größeren Behang aus als beispielsweise im vergangenen Jahr mit zwei Frostnächten im April. Außerdem bewirke eine lange Trockenheit einen langsameren Zuwachs des Mostgewichts. Klär führt dies auf "Regulierungsmechanismen" und "Überlebensstrategien" der Pflanzen zurück. Ideal seien eine zeitnahe Zuckerbildung und Aromareife. In diesem Jahr lagen zwischen Austrieb und Blütebeginn lediglich 30 Tage, normal sind 50 Tage.

In der Summe bilanziert der Kellermeister eine "außergewöhnliche Vegetationsperiode". Vor allem die Regenfälle im Mai (Pfingsten), am 5. Juli und einzelne Gewitter im August hätten zu einem "moderaten Trockenstress" geführt. Lediglich junge Anlagen seien, je nach Höhenlage und Bodenbeschaffenheit, leicht gefährdet gewesen, 15 Jahre und ältere Stöcke hätten angesichts von bis zu zwölf Meter tiefen "durchwurzelfähigen" Böden keine Probleme gehabt.

Weiterer positiver Aspekt des "Jahrhundertsommers" und eines frostfreien Frühjahrs: Bei der Affen(taler)-Hitze hätten Schädlinge wie Peronospora oder die Kirschessigfliege keine Chance gehabt, lediglich die große Wespenpopulation habe den Ertrag unbedeutend geschmälert.

Und dann kommt Klär doch noch ins Schwärmen, spricht beim Lesegut von einer "perfekten Gesundheit und Schönheit" und von einer "Pracht".

Der genaue Terminplan für die Hauptlese steht zwar noch nicht fest, doch spricht tendenziell vieles dafür, dass es mit den Sorten Müller und Regent kommende Woche losgeht. Das Finale werden Mitte Oktober Spätburgunder und Riesling bestreiten.

Sieben Winzer haben gestern den Herbst 2018 eingeläutet, Einer von ihnen ist Stefan Meier, zugleich der Vorstandsvorsitzende der Affentaler Winzer eG. Der Haupterwerbswinzer bewirtschaftet 13 Hektar und wird neben der Familie, Verwandten und Bekannten zur Hauptlese auch von sechs rumänischen Erntehelfern unterstützt. Er schnalzt im Angesicht des Traubenguts im Gewann "Schützenberg" von einer "perfekten Vegetation, wie man sie sich jedes Jahr wünschen möchte".

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