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Ein kurzer Draht zum Bürger
14.09.2018 - 00:00 Uhr
Von Gerold Hammes

Bühl - Er hat einen kurzen wie exzellenten Draht zu seinen Bürgern. Kein Wunder: Manfred Müller war in seinem Hauptberuf Techniker beim Fernmeldeamt in Offenburg, später bei der Telekom. Aber nicht nur deshalb ist der 62-Jährige ein kommunikativer Geselle. Das kommt ihm, aber auch den rund 2030 Bewohnern von Altschweier zugute. Der in Bühlertal geborene und in Altschweier aufgewachsene Müller ist seit 2012 Ortsvorsteher des Rebenstadtteils am Fuße des Sternenbergs mit einem überaus pulsierenden Vereinsleben.

Wo der Wein wächst, werden die Seele und die Zunge beflügelt. Die edlen Tropen befördern die Lebensfreude. Die Altschweierer sind mit sich und ihrer Lebenssituation im Reinen. Allein, was fehlt, ist die passende Gastronomie, um die edlen Weine mit einem Vesper oder einem badischen Sauerbraten zu veredeln. Früher war das anders - und eben doch besser. Die Dorfbewohner trafen sich im "Weinberg", in der "Laube", in der "Yburg" oder in der "Affentaler Weinstube". Heute ist dort überall die Küche kalt. Immerhin: Aus der "Laube" wurde das China-Restaurant" "Rosegarden".

Viele Altschweierer wandern heute in die Geburtsgemeinde ihres Ortsvorstehers nach Bühlertal aus, wo sie im "Adler" oder "Grünen Baum" auch bestens versorgt sind. Wer den Ball kulinarisch flachhalten möchte, der trifft sich dienstags und freitags zum Stammtisch mit belegten Brötchen im Clubhaus des SVA.

Manfred Müller bedauert die Abseitsstellung der Gastronomie und prognostiziert: "Die deutsche Küche steht vor dem Aussterben." Und er macht die Politik dafür mitverantwortlich mit ihrem Wust an bürokratischen Fußfesseln wie der Dokumentationspflicht: "Ein Wirt will kochen und nicht Stunden aufschreiben."

Die Speisekarte geschrieben ist bereits für ein neues Dorfzentrum bei der Reblandhalle. Allein die Qualität der Zutaten, die Anzahl der Gänge und die Preise stehen noch nicht fest. Zusammen mit Eisental ist Altschweier Schwerpunktgemeinde des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum (ELR). Inzwischen musste man auch zur Kenntnis nehmen, dass vieles wünschenswert ist, einiges aber auch Wunschdenken bleiben wird. Dazu zählt ein multifunktionales Dorfzentrum als "neue Mitte" mit Läden, Gastronomie, einer Arztpraxis und einer Poststelle. Ohne private Investoren ist ein solches Menü gleichwohl nicht anzurichten.

Realistischer ist ein Plan B: Generalsanierung der infrastrukturell völlig überalterten Reblandhalle mit Foyer und einem Anbau für die Vereine für Probezwecke oder Hauptversammlungen. Die Halle wurde 1956 von der Obsterzeuger-Genossenschaft Altschweier gebaut. Heute wird sie unter anderem bei Festen, Versammlungen der Affentaler Winzer, vom Schützenverein Kappelwindeck, von der Musikschule oder von einem Tanzstudio genutzt.

Dem Ortsvorsteher schwebt ein "Bürgerbegegnungszentrum mit Ambiente" vor. Fest zu stehen scheint, dass auch die Ortsverwaltung dorthin umziehen wird. Im Rathaus könnte man sich vorstellen, in den dann frei werdenden Räumen weiteren Wohnraum zu schaffen.

Der Zeitplan drängt. Spätestens am 30. September dieses Jahres muss der Antrag für Fördergelder beim Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz eingereicht sein. Immerhin geht es um 700 000 Euro Fördergelder allein für die Reblandhalle. Insgesamt hat das Programm ein Fördervolumen von drei Millionen Euro. Als Baubeginn für die energetische Generalsanierung kann sich Müller den Jahreswechsel 2019/20 vorstellen.

Ein kommunalpolitischer Dauerbrenner seit Jahrzehnten ist auch das Durst-Gelände. In den 80er Jahren brannte das Sägewerk bis auf die Grundmauern ab. Später wurde auch das Wohnhaus abgerissen. Vor Jahren baute der Abwasserzweckverband ein Regenüberlaufbecken, jetzt wird noch für 1,6 Millionen Euro die Bachmauer saniert. Vergangene Woche erfolgte die Übergabe des Förderbescheids durch Regierungspräsidentin Nicolette Kressl. Der Baubeginn wird im ersten Quartal kommenden Jahres angestrebt.

Nicht mehr auf der Speisekarte steht die Anlegung eines Dorf- und Festplatzes. Grund: die enorme Lärmbelästigung auf der L83: "Der Krach ist fürchterlich", weiß Müller aus eigener Anschauung beziehungsweise Anhörung. An einem Sonntagvormittag hat er sich auf einen Klappstuhl auf dem Durst-Gelände gesetzt, um die Situation und die Emissionswerte genauer zu erkunden. Das Ergebnis war niederschmetternd. Jetzt soll ein Parkplatz mit viel Grün entstehen, eventuell aufgelockert durch einen Pavillon. Auch der Rädelsführer des Bauernaufstandes, Bastian Gugel, könnte dort einen festen Platz erhalten. Das alte Wehr, auch das steht fest, wird abgebrochen, weil baufällig.

Bestens da steht hingegen Manfred Müller. Er ist schließlich ein "halber Bühlertäler", wie er sagt. Und wie sieht es mit seinem Hunger auf eine weitere Amtsperiode im Zuge der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 aus? Klare Ansage: "Ich stehe zur Verfügung - wenn die Altschwierer mich nochmal welle!"

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