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Mehr Nachfrage als Angebote
Mehr Nachfrage als Angebote
15.11.2018 - 00:00 Uhr
Bühl (gero) - Das Angebot auf dem Bühler Wohnungsmarkt kann mit der Nachfrage nicht mithalten. Die Stadt hat deshalb ein Wohnungsbaukonzept unter dem Arbeitstitel "Wohnungsbau für alle - Sozialer Wohnungsbau" erstellen lassen. Ulrike Kiewitt vom Fachbereich Stadtplanung stellte die Ergebnisse und die Zielsetzung im Rahmen des Prozesses "Bühl 2025" gestern Abend dem Gemeinderat vor.

Mit der Ausarbeitung der Wohnungsmarktanalyse als Grundlage für eine strategische Koordinierung und Steuerung der künftigen Wohnungsbaupolitik wurde das Beratungsunternehmen "empirica ag" (Berlin/Bonn) beauftragt, das zwischen Januar und September Gespräche mit Akteuren aus der Bühler Wirtschaft, Wohnungsbauexperten und Vertretern der Stadt- und Landkreisverwaltung führte und danach zwei Szenarien entwarf.

Die sozialdemografische Bestandsaufnahme förderte einen Bevölkerungszuwachs seit 2011 von zwei Prozent als Folge einer dynamischen Wirtschaft, hoher Lebensqualität und dem damit einhergehenden lebhaften Zuwanderungsdruck zutage. Als "sehr auffällig" für eine Stadt der Größenordnung Bühls führt die Studie den hohen Pendlerüberschuss an. Bei knapp 20 000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen stehen 7000 Auspendlern 14 000 Einpendler gegenüber. Das alles bei relativer Vollbeschäftigung und überschaubaren Transferhaushalten.

Immer wieder aktuell und spannend ist die Frage, wann in Bühl die 30 000-Einwohner-Marke geknackt wird. Aktuell wohnen rund 29 500 Bürge in der Stadt. Der Mittelwert des Szenarios geht von einem Bevölkerungsgewinn von 85 Neubürgern jährlich aus. Das könnte bedeuten, dass 2026 die Drei vor den vier Nullen steht.

Die Stadt unternimmt Anstrengungen auf drei Ebenen, um dem Ziel auf Anspruch für "Wohnungsbau für alle" Rechnung zu tragen. Die Säule I trägt den Arbeitstitel "Notfall", bei der die Stadt Unterkünfte für Obdachlose und Flüchtlinge bereitzustellen hat. Säule II heißt "Sozial", bei der die Stadt und Privatpersonen Unterkünfte für Inhaber von Wohnberechtigungsscheinen und Flüchtlinge vermittelt. Säule II steht für "Günstig", bei der die Stadt mit Investoren (wie Wohnungsbaugenossenschaften) Mehrfamilien- und Reihenhäuser entwickelt. Säule IV umfasst "Mittel/Gehoben", bei der die Stadt im klassischen Stil Neubaugebiete für Einfamilienhäuser beziehungsweise Doppelhäuser erschließt und über Bauverpflichtungen auf den Markt bringt.

Als Beitrag der Stadt zur Verbesserung des sozialen Wohnungsbaus nannte Oberbürgermeister Hubert Schnurr die bereits begonnenen oder noch anstehenden Projekte im Hänferdorf, in der Daimlerstraße oder mit dem "Weinberg" in Eisental. In der Summe stünden noch 18 Hektar in der Stadt für eine Bebauung zur Verfügung, unter anderem in Moos, in der Rittersbachstraße, in den Kirchgassmatten oder mit der Innenstadtverdichtung durch private Investoren (Lörch-Gelände).

Andererseits würden bis 2036 weitere 18 Hektar benötigt, die raumordnerisch im Regionalplan weitgehend gesichert seien. Dazu zählen unter anderem die Erweiterung der Baugebiete in Moos und Balzhofen. Der OB zuversichtlich: "Wir haben noch Optionen. Um die Zukunft ist mir nicht bange."

Zumal: In der Stadt gibt es 700 Baulücken in rechtskräftigen Bebauungsplänen, entsprechend einer Fläche von 35 Hektar. Sie werden von den Eigentümern unter anderem als Bevorratungsflächen für Kinder oder Enkel zurückgehalten. Die Leerstandsquote bei insgesamt 12 700 Wohnungen in der Stadt liegt bei vier Prozent. Bei einer kompletten Schließung selbiger kämen damit weitere 500 Wohnungen auf den Markt.

Andrea Schubert (Fachbereich Stadtentwicklung) berichtete von Abfragen der Stadtverwaltung bei diesen Grundstücksbesitzern in Kappelwindeck, Eisental, Weitenung und im Kirchgassgraben. In einem weiteren Schritt sollen dort, wo Verkaufsbereitschaft besteht, Erschließungsträger ins Boot geholt werden.

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