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Den Opfern schuldig
01.06.2019 - 00:00 Uhr
Ottersweier (gero) - Das Pflegeheim Hub hatte im Dritten Reich bittere Stunden durchzustehen. Wie neueste Recherchen ergeben, wurden in den Jahren 1940/41 insgesamt 409 Frauen und Männer mit zwölf Transporten in die Tötungsanstalten Grafeneck (Württemberg) und Hadamar (Mittelhessen) deportiert und dort vergast. Das Klinikum Mittelbaden nimmt diese schrecklichen Gräueltaten zum Anlass, an die Opfer mit einer Gedenkskulptur mit Namensnennung zu erinnern.

"Das sind wir den Opfern schuldig", betonte Geschäftsführer Jürgen Jung bei einem Pressegespräch. Unter Einbindung des Kreisarchivars und des Historischen Vereins Ottersweier wurden zwei Jahre lang Forschungen angestellt, um "noch deutlicher auf die unfassbaren Geschehnisse in der Nazi-Schreckensherrschaft einzugehen". Heimleiterin Lilian Heck hatte zu Recherchezwecken eigens das Bundesarchiv in Berlin aufgesucht, um die Namen abzugleichen.

Seit dem Jahr 2000 erinnert im Park eine Statue an die Deportation und das Euthanasie-Verbrechen. 80 Jahre nach der Verschleppung möchte das Klinikum den Opfern nun auch einen Namen geben und ihre Lebensgeschichte aufzeigen. Als nicht "lebenswert" wurden von den Nazi-Schergen Menschen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit, körperlichen, seelischen Behinderungen oder auch wegen bloßen Übergewichts eingestuft. Stellvertretend für die Opfer steht Theresia Seiler, die in Neusatz aufwuchs. In ihrer "Krankenakte" wurde sie als "fettleibige Frau" beschrieben. Im August 1943 wog sie gerade noch 33 Kilogramm. Im gleichen Monat starb sie im Alter von nur 50 Jahren den Hungertod.

Ein furchtbares Schicksal musste auch Karl Müller erleiden. Nach einem Unfall, bei dem ihm ein Wagen mit Kies über den Fuß gefahren war, bezog er eine Invalidenrente. Im Mai 1939 wurde er von der Polizei in einem verw ahrlosten Zustand in die Heil- und Pflegeanstalt Hub eingewiesen und ihm eine "senile Demenz" attestiert. Am 25. Juli 1940 wurde er in der Gaskammer in Grafeneck ermordet.

Auf Anregung von Bürgermeister Jürgen Pfetzer wird der Ottersweierer Künstler Manfred Emmenegger-Kanzler, der bezeichnenderweise in der Hubstraße wohnt, mit der Gestaltung des Denkmals beauftragt. Es besteht aus einer drei Meter hohen Cortenstahl-Säule und symbolisiert mit mehreren Öffnungen das Herausgerissenwerden der Opfer und die daraus entstandene Zerrissenheit der Hub. Von innen wird das Kunstwerk angestrahlt. Darum gruppieren sich am Boden Quader, auf denen die Namen der Opfer stehen.

Die Übergabe im Hub-Park ist im Oktober vorgesehen. Als Vorbereitung für diesen Termin wird es vom 15. bis 26. Juli in der Weinbrennerkirche eine Wanderausstellung mit dem Titel "Krankenmord im Nationalsozialismus - Grafeneck 1940. Euthanasie-Verbrechen in Südwestdeutschland" geben.

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