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Inakzeptabel und untragbar
12.06.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (gero) - Die wissenschaftlichen Überprüfungen und Ergebnisse sind unzweideutig: Der Bühler Bürgersohn, Pfarrer und Volksschriftsteller Alban Stolz war ein Antisemit. Er bezeichnete Juden als Ratten, Aas, Würmer und Trichinenbrut. Im Herbst (vermutlich in der Oktober-Sitzung) wird sich der Gemeinderat mit der Frage beschäftigen, ob eine Alban-Stolz-Straße in der Stadt überhaupt noch tragbar ist.


Das Stimmungsbild unter den Fraktionssprechern ist einigermaßen festgezurrt: Eine nach Stolz benannte Straße ist nicht länger akzeptabel.

Margret Burget-Behm (CDU-Fraktionssprecherin): Nach dem Vortrag des Historikers Volker Ilgen spricht vieles dafür, dass man den Straßennamen ändert. Die Alternative wäre eine Hinweistafel. Meine persönliche Meinung aber wäre ein Straßennamenwechsel. Was Stolz über die Juden gesagt hat, ist starker Tobak. Aber das war damals eben der Zeitgeist, und er war nicht der Einzige, der gegen Juden gehetzt hat. Man kann ihm nicht die Schuld an der späteren Nazizeit geben. Er hat vielleicht einen gewissen Beitrag geleistet. Meine Großmutter ist 1884 geboren und hat mir von den Kalendern von Alban Stolz berichtet, in denen es wertvolle Tipps für die Bauern gab. Die Straße sollte jetzt nach einer verdienten Frau benannt werden. Zum Beispiel nach der erst verstorbenen Ordensschwester Fridiana vom Kindergarten St. Elisabeth.

Peter Hirn (SPD-Fraktionsvorsitzender): Es wird wohl schwierig sein, an dem Namen Alban Stolz festzuhalten. Es besteht aber die Möglichkeit, mit einem Hinweisschild auf seine Schattenseiten aufmerksam zu machen. Was mich zusätzlich an Stolz stört, war seine Einstellung gegen die badischen Revolutionäre, die er 1848/49 im Sinne der Obrigkeit massiv bekämpft hat. Die Sache muss im Gemeinderat diskutiert werden. Bei mir gibt es derzeit keine Tendenz, und auch in der Fraktion haben wir das Thema noch nicht vertiefend beraten. Eines aber ist für mich klar: Beim Status quo kann es allerdings nicht bleiben.

Karl Ehinger (FW-Fraktionschef): Nach den Vorträgen des Historikers Ilgen ist meine Meinung ganz klar: Eine Straße oder ein Gebäude können nach Alban Stolz nicht mehr benannt sein. Er hat sich sehr antisemitisch geäußert und damit den Boden für die Ereignisse im 20. Jahrhundert bereitet. Menschen mit Insekten zu vergleichen, ist untragbar.

Lutz Jäckel (FDP-Fraktionschef): Was mich bei dem Vortragsabend am meisten beeindruckt hat, war das Statement von Pastoralreferent Heribert Scherer über die dunklen Seiten von Alban Stolz. Für mich ist es keine Frage: Wir müssen die Straße umbenennen. Die Äußerungen in seinen Schriften sind inakzeptabel und nicht zu entschuldigen, selbst wenn man sie in den Kontext jener Zeit stellt. Wie die Kirchengemeinde mit dem Alban-Stolz-Haus umgeht, muss sie für sich entscheiden. Die Straße jedenfalls sollte nach einem Bürger oder einer Bürgerin benannt werden, der/die sich um die Stadt verdient gemacht hat.

Walter Seifermann (GAL-Fraktionsführer): Der Name ist nicht mehr haltbar, wir müssen die Straße umbenennen. Stolz war eindeutig ein Antisemit und hat damals - mehr als üblich war - in Wort und Schrift negatives Gedankengut verbreitet. Ein Hinweisschild reicht da nicht mehr aus. Eher umgekehrt: Eine Tafel könnte informieren, weshalb die Straße nicht mehr nach Alban Stolz benannt ist. Erst muss im Gemeinderat eine Entscheidung fallen, danach werden wir in der Fraktion über einen neuen Namen nachdenken.

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