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Noch finden sich genügend Erntehelfer
Noch finden sich genügend Erntehelfer
18.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

Lichtenau/Rheinmünster - Als "Hoch- und Talfahrt" beschreibt Roland Fraß von "Querfeldein" in Lichtenau die diesjährige Spargelsaison, die am 24. Juni endet. Franz Leonhard aus Söllingen kann dem zustimmen, auch er zieht eine gemischte Zwischenbilanz: Die kühle Witterung im Mai sowie die hohe Niederschlagsrate hätten sich negativ auf die Spargelernte ausgewirkt. "Die Erntemenge von 2018 zu erreichen, wird kaum möglich sein", sagt der Vollerwerbslandwirt. "Aber für diese Wetterverhältnisse können wir bisher dennoch zufrieden sein", fügt er hinzu.

"Glücklicherweise hatten wir durch das schöne Frühjahr einen super Saisonstart", erinnert sich Fraß. Durch die Trockenheit und die hohe Sonneneinstrahlung habe er bereits Ende März eine "beachtliche Menge" an Spargeln ernten können. Dann kam allerdings der Bruch: "Die kühlen Witterungsverhältnisse und die hohen Niederschlagswerte gegen Ende April und im Mai haben das Wachstum der weißen Stangen gebremst. Die Erntemenge hat sich verringert." Auch seine Erdbeeren hätten darunter gelitten: "Nach den starken Regenfällen mussten wir rund zehn Prozent unserer Erdbeerflächen aufgeben", merkt Fraß an.

Bei Leonhard verlief die Spargelsaison ähnlich. Er ist aber dennoch nicht unzufrieden. Besonders freut ihn, dass im Rahmen des Vorernte-Monitorings kein PFC in seinen Produkten nachweisbar war. "Wir konnten früh mit der Ernte beginnen und hatten dadurch auch keine Probleme, den Bedarf unserer Kunden zu decken", sagt er. Zu Beginn der Saison sei die Nachfrage ohnehin etwas schwach gewesen, mittlerweile habe sie sich stabilisiert. "Ich glaube, das liegt daran, dass Ostern in diesem Jahr später war als sonst" vermutet der Landwirt. Für viele würden mit dem Osterfest die Gelüste auf Spargel geweckt. Außerdem richte sich die Nachfrage immer ein Stück weit nach dem Wetter, meint Fraß.

Neben den schwierigen Witterungsverhältnissen kämpfen einige Spargelbauer in Baden aber noch mit einem anderen Problem: dem Verlust von Erntehelfern. "Bis jetzt sind wir mit unseren Arbeitskräften gut klargekommen", sagt Leonhard. Aber das Problem existiere und man dürfe es nicht unter den Tisch kehren.

Auch Fraß blieb bisher von dem Verlust seiner Arbeitskräfte verschont. Er beschäftige hauptsächlich rumänische Erntehelfer, von denen viele jede Saison wiederkommen. Trotzdem glaubt er, dass das Einbringen der Ernte in den kommenden Jahren zu einer Herausforderung werden könnte: "Ich beobachte schon seit einiger Zeit, dass der Wohlstand meiner Arbeiter in ihrer Heimat von Jahr zu Jahr steigt", sagt er. Von dem Lohn, den die rumänischen Kräfte hier pro Saison verdienen, könnten sie sich zuhause etwas aufbauen. Wenn sie genug Geld angesammelt hätten, würden sich viele wieder eine Beschäftigung im Heimatland suchen. Die sei dann zwar oft weniger gut bezahlt, dafür aber besser mit dem Familienleben zu vereinbaren.

Diese Entwicklung sei aber nichts Neues, so Fraß. Ab 1996 habe er fast nur Landarbeiter aus Slowenien beschäftigt. "Ab 2010 wurden das aber immer weniger", erzählt er. Die Menschen hätten im Laufe der Jahre genug Geld angespart. Ein ähnliches Phänomen zeige sich jetzt erneut. Hinzu komme, dass einige Arbeiter in Pflegeberufe wechseln würden, schildert Fraß die Situation. "Dort haben sie die Chance, ganzjährig zu arbeiten und nicht nur saisonabhängig." Der Landesverband Erwerbsobst, der rund 3 200 Obstbauern im Südwesten vertritt, ist aufgrund dieser Situation beunruhigt. Auch der Landesbauernverband Baden-Württemberg und der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) sind besorgt, dass es aufgrund des Mangels an Erntearbeitern zum Abbau von Anbauflächen kommen könnte. Der festgeschriebene Mindestlohn könnte dies noch verstärken.

Gegenüber den Arbeitskräften sei es fair, den Mindestlohn bezahlen zu müssen, betont Leonhard. Folglich habe er aber auch höhere Ausgaben und müsse deshalb die Preise seiner Produkte hochsetzen. Im vergangenen Jahr habe er seine Anbaufläche um etwa 20 Prozent auf 2,5 Hektar reduziert. "Wir wollen marktorientierter arbeiten", begründet Leonhard seine Entscheidung.

Im Dienstbezirk Rastatt/Baden-Baden, zu dem auch Bühl gehört, seien die Befürchtungen bisher unbegründet. Es sei nur ein minimaler Rückgang der Anbauflächen zu erkennen, sagt Samuel Gesell, Leiter in der Sachbearbeitung Landwirtschaftliche Produktion und Ernährungssicherung im Landkreis Rastatt. Insgesamt umfasse die Anbaufläche dort noch 175 Hektar. "Sollten in den kommenden Jahren tatsächlich immer mehr Arbeiter wegbrechen, kann sich das natürlich schnell ändern", warnt er.

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