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Der richtige Einstreu für Kicker
Der richtige Einstreu für Kicker
22.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Holger Siebnich

Bühl - Die Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Platz. Handelt es sich um einen Kunstrasenplatz, liegen dort in der Regel aber auch tonnenweise Plastikkügelchen herum. Das Granulat dämpft den Untergrund und sorgt dafür, dass der Ball nicht chaotisch hin und her springt. Allerdings plant die EU im Kampf gegen Mikroplastik ein Verbot des Einstreus. Bei der Stadt Bühl ist das Thema brandaktuell. Am kommenden Mittwoch soll der Gemeinderat den Auftrag für den Bau eines Kunstrasenplatzes im Hägenich vergeben. Zur Diskussion stehen aufgrund der derzeitigen Entwicklung nun zwei Varianten.

Wolfgang Eller, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, Bauen, Immobilien, hat sich in den vergangenen Tagen intensiv mit dem Thema beschäftigt. Die Situation ist für die Verwaltung schwierig. Noch ist unklar, welche Granulate genau von einem Verbot, das ab 2022 eingeführt werden soll, betroffen wären. Darüber hinaus ist wohl mit Übergangsfristen für bestehende Anlagen zu rechnen. Sicher ist aber, dass für das voraussichtlich 461 000 Euro teure Projekt im Hägenich Fördergelder des Landes fließen werden. 120 000 Euro sind aus Stuttgart zugesagt. Die grün-schwarze Landesregierung hatte bereits Anfang Juni beschlossen, keine Zuschüsse mehr für die Plastikteilchen zu gewähren. Das Bühler Vorhaben betrifft das laut Eller nicht: "Das haben wir extra noch einmal abgeklärt."

Dem Gemeinderat sollen am Mittwoch zwei Granulat-Varianten präsentiert werden. Zum einen ein Spezialgemisch, das sich aus nachwachsenden Rohstoffen, aber zu 20 Prozent auch aus Kunststoff zusammensetzt, zum anderen Kork. Bei den Kosten gibt es laut Eller keinen Unterschied. Auch die Spieleigenschaften sollen gleich sein. Ein Nachteil des Naturstoffs Kork könnte daran liegen, dass er bei Regen leichter aufschwemmt. Auch Schimmelbildung könnte ein Thema sein. Grundsätzlich gebe es mit Kork weniger Praxiserfahrungen als mit dem Kunststoffgemisch, sagt Eller.

Bei beiden Varianten soll eine Rinne rund ums Spielfeld gezogen werden, in der das Granulat bei Niederschlägen herausgefiltert wird. Die Teilchen können dann wieder auf dem Platz ausgebracht werden und geraten nicht ins Grundwasser.

Ob die 20-Prozent-Kunststoffmischung vom EU-Verbot betroffen wäre, weiß bislang niemand. Sie jetzt beim Bau auszubringen und gegebenenfalls später durch Kork zu ersetzen, wäre laut Eller nicht praktikabel: "Das sind 40 Tonnen Material", macht er die Dimensionen deutlich.

Mit der Entscheidung noch zu warten, bis mehr Details bekannt sind, kann sich die Stadt auch nicht leisten. Der Bau soll im Juli beginnen und in den Sommerferien über die Bühne gehen, damit der Platz im September nicht nur dem Verein, sondern auch den Schulen zur Verfügung steht.

Eller selbst will keine Empfehlung aussprechen, um dem Gemeinderat eine unabhängige Entscheidung zu ermöglichen. CDU-Stadtrat und VfB-Verwaltungsvorstand Bernd Bross könnte mit beiden Alternativen leben, sieht aber Vorteile bei der Kunststoffvariante. Er hege leichte Bedenken, ob der Platz mit Kork-Granulat bei jedem Wetter bespielbar wäre. Die Nutzungsmöglichkeiten unabhängig von der Witterung seien aber gerade ein entscheidender Punkt bei der Überlegung gewesen, den alten Hartplatz durch einen Kunstrasenplatz zu ersetzen. Bross betont außerdem, dass die neuen Granulate mit einem geringeren Kunststoffanteil nichts mehr zu tun hätten mit alten Gemischen, die zum Großteil aus geschredderten Autoreifen bestanden. "So etwas kam für uns nie in Frage", sagt er.

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