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Dem Hänferdorf droht eine Bauruine
26.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Holger Siebnich

Bühl - Der Aushang am Anwesen Hänferstraße 17 lässt wenig Platz für Spielraum: Der Bauherr, der dort derzeit ein Drei-Familien-Haus errichten lässt, ist sauer auf die Stadtverwaltung. Diese habe ihm die Genehmigung verweigert, das Gebäude ein Stück von der engen Straße abzurücken. Mittlerweile ist der Streit weiter eskaliert. Der Eigentümer droht nun damit, das Haus nicht fertigzustellen. Aus seiner Sicht wäre der Rohbau mitten im Hänferdorf eine Art Mahnmal gegen die Politik der Stadt.

Werner Füller sah sich im Rechtfertigungszwang. Er hat auf dem Grundstück sein Elternhaus abreißen und durch den Neubau ersetzen lassen. Das zweieinhalbgeschossige Gebäude direkt an der engen Hänferstraße wirkt sehr massiv. Deshalb entschloss er sich zu einem Aushang: "Baustelleninformation für interessierte Bürger" lautet der Titel. Darin legt er dar, dass er das Gebäude gern einen Meter zurückverlegt hätte, die "qualifizierte Stadtplanung" aber auf die aktuelle Variante bestanden habe. Darüber hinaus sei es sein Wunsch gewesen, das Dachgeschoss um 90 Grad zu drehen, um es niedriger wirken zu lassen. "Das entstehende, in den Himmel schießende Dachgeschoss wurde ebenfalls von der Stadtverwaltung, gegen den Willen des Bauherrn so vorgegeben", schreibt Füller.

Wie er im BT-Gespräch erklärt, habe ihm der Zettel reichlich Ärger eingebracht. Seiner Darstellung zufolge standen wenige Tage später Rathausmitarbeiter vor der Tür und nahmen den Rohbau in Augenschein. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Wandhöhe des Dachgeschosses falsch geplant sei. Der Knackpunkt: Als Bezugspunkt diente die Straße vor dem Haus. Laut Bebauungsplan hätte aber ein Gullideckel herangezogen werden müssen, der ein paar Meter entfernt liegt - und 45 Zentimeter tiefer.

Um die Auflage zu erfüllen, müsste Füller auf den geplanten Kniestock im Dachgeschoss verzichten. Doch dazu ist er nicht bereit. "Die Wohnung wäre so nicht nutzbar. Da kann man nicht einmal ein Bett oder einen Schrank aufstellen", sagt er. Die Wohnfläche würde sich von 112 auf 65 Quadratmeter drastisch verkleinern. Dies habe auch Auswirkungen auf das Finanzierungsmodell.

Füller ordnete deshalb einen Baustopp an und ließ auch das Gerüst abbauen, wegen dem die Hänferstraße monatelang gesperrt war. Mitte Juni fand ein Vor-Ort-Termin mit Oberbürgermeister Hubert Schnurr statt, um nach Lösungen zu suchen. Füllers Vorschlag: der Umbau des bereits gezimmerten Dachstuhls. Dieser solle einen Knick erhalten, so dass der Kniestock bei gleicher Wandhöhe verwirklicht werden könnte. Allerdings schreibt der Bebauungsplan eine Dachneigung zwischen 40 und 45 Grad vor. Füller hätte dafür also eine Befreiung von dieser Vorgabe gebraucht. In der vergangenen Woche teilte ihm der OB die Entscheidung mit: Die Befreiung wird nicht erteilt.

Corina Bergmaier, die im Rathaus zuständig ist für Baurecht, sieht die Verwaltung an den Bebauungsplan gebunden. Deshalb habe auch der Wunsch nicht erfüllt werden können, das Gebäude von der Straße abzurücken: "Der Bebauungsplan sieht die Baulinie so vor", sagt Bergmaier. Sie teilt Füllers Auffassung nicht, dass das Dachgeschoss ohne Kniestock nicht nutzbar sei. Es handle sich trotzdem um eine schöne Wohnung, die vor allem bei der derzeit großen Nachfrage sicher einen Mieter finde. "Wir raten ihm, sich noch einmal mit seinem Architekten zusammenzusetzen", sagt Bergmaier. Die Verwaltung gehe außerdem davon aus, dass der Verlust der Wohnfläche nicht so groß sei wie von Füller angegeben.

Der Eigentümer schließt dagegen den Ausbau des Dachgeschosses derzeit aus. Das Dach selbst wolle er zwar abdichten, aber auch nicht fertigstellen lassen. Nur im Erd- und Obergeschoss sollen die Arbeit weitergehen. In der Zwischenzeit wolle er sich anwaltliche Hilfe suchen. Füller sieht sich von der Verwaltung gegängelt und glaubt, auch den Grund dafür zu kennen. Die Stadt habe sein Elternhaus vor 20 Jahren kaufen wollen, um das Grundstück für Parkplätze zu nutzen. Das lehnte er ab. Deshalb sei er bereits mit einem früheren Bauvorhaben auf dem Areal auf Widerstand gestoßen.

Bergmaier weist diese Vorwürfe zurück: "Wir wollen ihn sicher nicht bestrafen." Die Baugenehmigung in der aktuellen Form zu erteilen, sei bereits eine Herausforderung gewesen. Es sei im Interesse der Stadt, dass alle drei Wohnungen so schnell wie möglich fertig werden. "Ich könnte mir vorstellen, dass das Thema noch einmal im Technischen Ausschuss behandelt wird", sagt Bergmaier.

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