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Kork statt Gummi-Mischgranulat
28.06.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (efi) - Kork oder Mischgranulat? Der Gemeinderat entschied sich am Mittwochabend bei der Vergabe der Neubauarbeiten für den Kunstrasenplatz im Hägenich für die umweltfreundlichere Lösung und votierte einstimmig für die Verwendung des hundertprozentigen Naturstoffs. Der Meinungsbildung vorausgegangen war ein Vortrag des mit der Planung beauftragten Ingenieurs, der die Eigenschaften der beiden Varianten näher beleuchtete.

Wie berichtet könnte es in einigen Jahren zu einem Verbot von Kunststoff-Granulaten als Füllmaterial bei Kunstrasenplätzen kommen. "Mikroplastik im Rasen wollen wir alle nicht", schickte Planer Franz Carlo Lehmann voraus. Ein EU-Verbot erwartet er nach einer Karenzzeit in acht bis zehn Jahren. Neben Kork stellte er ein Einstreumaterial vor, das zu 70 Prozent aus natürlichen Stoffen und zu 30 Prozent aus einem sogenannten EPDM-Gummi-Granulat besteht. Bei beiden Varianten soll eine Ablaufrinne rund ums Spielfeld gezogen werden, in der bei Niederschlägen herausgeschwemmte Stoffe gefiltert werden. Zurückgehalten würden auch kleinste Kunststoffteilchen und Schmutzstoffe. "Der Wirkungsgrad dieser Rinne ist mit 98,5 Prozent sehr hoch", so Lehmann. Bei Kork sei eine Zerkleinerung bis zum Staub möglich. Ein Nachteil liege darin, dass der Stoff bei Regen leichter aufschwemmt, was den Pflegeaufwand erhöhen könnte. "Spielfähig ist der Platz mit beiden Produkten", hielt Lehmann fest. Bei Verschattung könnte bei Verwendung von Kork "punktuell" Schimmel auftreten, beantwortete Lehmann die Frage von Jörg Woytal (FW) nach dem Risiko bei starker und fortgesetzter Feuchtigkeit. Im Sonnenbereich trete dieses Problem nicht auf. Beim VfB-Platz im Hägenich halte sich die Verschattung in Grenzen, ließ Fachbereichsleiter Wolfgang Eller wissen. Angesichts des Problems Mikroplastik sprach Peter Hirn (SPD) von gebremster Euphorie. "Wir müssen nun einen Spagat finden." Barbara Becker (SPD) misstraute der Ablaufrinne - "sie wird das Problem nicht aufhalten". Damit keine Mikroteilchen ins Wasser gelangten, gebe es "nur die Antwort Kork", merkte Timo Gretz (SPD) an. Mit Blick auf ein zu erwartendes EU-Verbot zog Ulrich Nagel (SPD) einen Vergleich mit der Entscheidung bei einem Autokauf, etwa wenn wie beim Diesel Einschränkungen drohten. "Das Risiko wollen wir nicht eingehen." Margret Burget-Behm (CDU) konnte sich ebenfalls nicht für das Gummi-Granulat erwärmen. Die Schimmelbildung müsse man beobachten. Sie und ihr Fraktionskollege Daniel Fritz erinnerten an den Grundsatzbeschluss des Gemeinderats vom November, den Tennenplatz des VfB Bühl in einen Kunstrasenplatz umzuwandeln. Er sei auch vor dem Hintergrund des neuen Sportprofils des Windeck-Gymnasiums getroffen worden. "Wir sollten nicht nur ad hoc entscheiden, sondern ein Konzept für die kommenden Jahre überlegen", plädierte Fritz. Er resümierte: "Den optimalen Belag gibt es nicht", aber es gebe viele positive Erfahrungen mit Kork. Walter Seifermann (GAL) regte an, das Thema zu vertagen und im Technischen Ausschuss oder Umweltausschuss zu vertiefen, was bei OB Hubert Schnurr "wegen Zeitdrucks" wenig Gegenliebe erzeugte. Baubeginn soll im Juli sein, damit der Platz im neuen Schuljahr auch den Schulen zur Verfügung steht. "Dann gehen wir auf Nummer sicher und nehmen Kork, kein Plastik", meinte Seifermann. "Mit Kork machen wir nichts verkehrt", war für Hubert Oberle (CDU) die Sache klar. Karl Ehinger (FW) tendierte ebenfalls zur Befüllung mit dem Naturstoff. Nach so viel Einmütigkeit vergab das Gremium den Auftrag an eine Firma aus Weil am Rhein. Die Kosten liegen bei rund 462 000 Euro. Im aktuellen Haushalt sind 500 000 Euro bereitgestellt. Inzwischen liegt ein Zuwendungsbescheid von 120 000 Euro aus der Kommunalen Sportstättenförderung vor. Voraussetzung dafür war das von der Verwaltung vorgelegte Konzept, das für den Platz eine vielfältigere Nutzung durch Schulen und andere städtische Sportvereine vorsieht.
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