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Besorgniserregend bis dramatisch
01.10.2019 - 00:00 Uhr
Bühl (gero) - Landesforstpräsident Max Reger ist nicht bekannt für Übertreibungen oder den inflationären Gebrauch von Katastrophenvokabular: Bei der Bühler Waldbegehung zeichnete er dennoch ein düsteres Bild über den Zustand der grünen Lunge: Die Lage sei nicht nur angespannt, sondern "besorgniserregend, wie sie die Forstverwaltung noch nicht erlebt hat".

Reger warf einen Blick zurück in die 80er Jahre, als ebenfalls ein großflächiges Waldsterben zu beklagen war. Der Forst habe mit Waldkalkungen und die Politik mit dem verpflichtenden Einbau von Filtertechnik und Katalysatoren reagiert. Nun aber stehen man vor einer "vollkommen anderen Situation", weil man Kohlendioxid nicht so einfach aus der Atmosphäre bringen könne. Die Folge: Das Waldökosystem sei überfordert. Seit zwei Jahren erlebe das Land eine "Dürrezeit", wie man dies bislang nur in Süditalien oder Kroatien kenne. Der "Wasserstress" bewirke den Wegfall der Assimilation, was zum Absterben ganzer Bestände führe. Den schleichenden bis rapiden Tod würden Borkenkäfer, Schnee- und Eisbruch verschärfen.

Was die Forstverwaltungen ebenfalls ängstigt: Sämtliche Baumsorten sind vom Waldsterben betroffen, allen voran die Fichte. Aber auch die für den Schwarzwald charakteristische Tanne, eine sogenannte "Herzwurzlerin", ist gegen Wassermangel nicht resistent. Der Präsident mit Vimbucher Wohnsitz berichtete von Beständen, die sich innerhalb von zwei bis drei Wochen rot verfärbt hätten, was den ökologischen Exitus bedeute. Reger konnte und wollte denn auch nichts beschönigen: "Das ist eine dramatische Entwicklung."

Damit nicht genug: Auch die Kiefer werde von einem Pilz geplagt. Und die Buche, mit einem Bestockungsanteil von 20 Prozent die "Mutter des Waldes", liege ebenfalls auf dem Sterbebett.

Ernüchternd fällt Regers Therapievorschlag aus: "Wir haben keine befriedigende Lösung." Also setze man weiter auf heimische Baumarten. "Was sollten wir auch sonst tun?", lautete die rhetorische Frage an das ebenfalls ratlose Auditorium. Alternativ würden die Japan-Lärche und der Tulpenbaum in die Bestockung gebracht. Mit allen Unwägbarkeiten: "Wir wissen nicht, welche Baumarten überleben." Eines indes sei klar: Man werde "viel Geld in die Hand nehmen müssen, um die gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu bewältigen". Schließlich würden 14 Prozent des Kohlendioxids in den Wäldern gespeichert.

Angst mache ihm vor allem die Rasanz und Vehemenz des Waldsterbens, um am Ende doch noch so etwas wie Optimismus zu verbreiten: "Das ist eine Herkulesarbeit, aber wir packen das an. Wir Forstler können was, wir haben auch Orkan Lothar geschafft."

Forstdirektor Kay Karius referierte über die "Eichenwälder der Zukunft" auf einer siebenjährigen, eingezäunten Aufforstungsfläche. Vor allem die Stileiche erweise sich als äußerst robust, wachse schnell, sei stabil und erwirtschafte hohe Erlöse. Karius ist ziemlich überzeugt: "Die Eiche ist ein Zukunftsbaum."

Von der Esche kann dies nicht behauptet werden, seit sie von einem aus Indien eingeschleppten Pilz befallen ist. In fünf Jahren, prophezeite der Bühler Bezirksleiter, werde es im Rheintal fast keine Eschen mehr geben. Aber auch andere Laubholzarten hätten ihre Schwächen. Die Buche werde "schlecht bezahlt", Kastanien seien pilz- und Birken schneebruchanfällig. Ahornbäume wiederum benötigten feuchte und lehmige Böden, Ulmen spielen im Sortiment so gut wie keine Rolle mehr.

Karius räumte abschließend mit dem Vorwurf auf, wonach sich im Auewald Laubbaum-Monokulturen breitgemacht hätten. Vielmehr handle es sich um "naturnahe Mischbestände", bestehend aus Eichen, Ahorn, Pappeln, Hainbuchen und weiteren hei mischen Arten.

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