Schimpfen, spinnen, schaffen

Schimpfen, spinnen, schaffen

Von Michaela Gabriel

Bühl - Überwältigt von der Resonanz auf den Gesellschaftsdialog war am Dienstagabend Oberbürgermeister Hubert Schnurr. 80 Teilnehmer hatten sich angemeldet, weit über 100 waren ins Bürgerhaus Neuer Markt gekommen. Sie trafen sich an Thementischen, um im Stil eines "Weltcafés" zu diskutieren. Samt Einführung und Präsentation der Ergebnisse dauerte diese neue Form der Bürgerbeteiligung vier Stunden.

"Schimpfen, spinnen, schaffen": So beschrieb Prozessbegleiter Martin Müller (Stuttgart) die Aufgabe. Bühl sei ein "gutes Pflaster". Stadtverwaltung und Gemeinderat stünden hinter dem Dialog, den man nun mit professionellen Methoden aufnehme. Dass auch junge Leute gekommen waren, sei ein gutes Zeichen. Und allen müsse bewusst sein, dass keiner etwas alleine schaffen könne und es nur gemeinsam und mit Respekt voreinander funktioniere.

"Ihr Gefühl, Ihre emotionale Intelligenz sind wichtig", sagte der Berater des Städtetags den Bürgern aus der Kernstadt und nahezu allen Stadtteilen. Das nahmen einige wörtlich und brachten als Ergänzung zu den 13 vorgegebenen Themen von A wie Arbeit bis W wie Wohnen noch das Thema Verkehr ein. Hier wurde teilweise sehr heftige Kritik an der Verkehrsbelastung in der Innenstadt geäußert. Es brauche mehr Feinstaubmessungen und einen fest installierten "Blitzer" am Rathauskreisel, lauteten die Vorschläge.

OB Hubert Schnurr möchte die Anregungen der Bürger ernst nehmen. Dass Bürger und Stadtverwaltung gemeinsam an der Gestaltung ihres Gemeinwesens arbeiten, sei "Kennzeichen für eine lebendige Stadt". Der Abend, an dem sich auch zahlreiche Stadträte, Ortsvorsteher, Ortsbeauftragte und Ortschaftsräte beteiligen, sei der Einstieg in ein "Mehr an Bürgerbeteiligung". Mit der Resonanz sei er "mehr als zufrieden." Anlass sei die Neugestaltung eines verkehrsberuhigten "Campus"-Viertels. Doch es sollte ausdrücklich um mehr gehen. Beispielsweise um das Zusammenleben und die Sicherheit in der Stadt sowie die Entwicklung der Ortsteile.

Dass die Sicherheit für die Bürger eine herausragende Bedeutung einnimmt, bewies das große Interesse an diesem Thema. Walter Kautz, Leiter des Polizeireviers Bühl, sorgte für einen qualifizierten Einstieg. Martin Bürkle vom Bürgerservice der Stadtverwaltung moderierte die Diskussion.

Auch an den anderen Thementischen standen Experten zur Verfügung, darunter Martin Mörmann vom Caritasverband Rastatt, Jürgen Grossmann von der Grossmann Group (Kehl) und Carmela Romano vom Jobcenter. Zum Thema Religionen kamen Pfarrer Dr. Götz Häuser und Pfarrer Wolf-Dieter Geißler. "Bitte keine Predigt halten", ermahnte sie Martin Müller scherzhaft. Die Rolle der Moderatoren übernahmen überwiegend Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Dreimal 20 Minuten wurde an den Thementischen diskutiert. So konnte sich jeder Teilnehmer zu drei Themen äußern. Man werde die Anregungen nun strukturieren und dem Gemeinderat Bericht erstatten, erklärte Pressesprecher Matthias Buschert.

Folgende Themen hatte die Stadt für den Gesellschaftsdialog vorgegeben: Integration, Arbeit, Wohnen, Ortsteile und Quartiere, Vereine, Religionen und Toleranz, Sicherheit, Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement, Orte der Begegnung, Alter und Pflege, Interkulturelles Café, Schulentwicklung und Jugendcafé. Die von Bürgern vorgeschlagenen Themen Sauberkeit und Respekt wurden unter dem Oberbegriff Sicherheit mitdiskutiert. "Lärm im Stadtgarten" sollte bei "Orte der Begegnung" einfließen. Verkehr und Kultur kamen auf Wunsch der Bürger zusätzlich auf die Themenliste.

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