Zuversicht, Vernunft und Engagement

Rund 800 Gäste füllten gestern Abend das Bürgerhaus Neuer Markt beim Neujahrsempfang der Stadt.Margull

Von Gerold Hammes

Bühl - Auf ein verflossenes Jahr mit "großen Herausforderungen, aber auch mit deutlichen Chancen und starkem Zukunftspotenzial" blickte Oberbürgermeister Hubert Schnurr in seiner Neujahrsansprache gestern Abend im proppenvollen Bürgerhaus Neuer Markt zurück. Er erwartet zugleich ein "spannendes und herausforderndes Jahr 2018."

Und dieses stellt die Stadtverwaltung erstmals unter ein Motto: "Meine Welt - Deine Welt - Eine Welt." Hintergrund ist, dass in diesem Jahr gleich mehrere Eine-Welt-Ini-tiativen in Bühl runde Geburtstage feiern können, darunter die Kenia-Hilfe oder der Verein Kimbondo. Das ganze Jahr über wolle man dem "Kampf für eine bessere und gerechtere Welt" widmen. Stellvertretend nannte der OB die Aktion "Die Welt zu Gast in der Bachschloss-Schule" mit Projekten zur Fußballweltmeisterschaft und einen Jonatan-Abend an der Aloys-Schreiber-Schule. Aber auch die Zwetschgenfest-Matinee werde sich diesem Thema annehmen.

Aber nicht nur gesellschaftspolitisch, auch in Sachen Wirtschaftskraft und Arbeitsmarkt stehen die Vorzeichen auf Dunkelgrün. Schnurr bezog sich auf die einhellige Expertenmeinung, wonach die Konjunktur auch 2018 unter "Volldampf" stehe. Allein der Fachkräftemangel könnte Bremsspuren hinterlassen.

Als "Meilensteine in der Wirtschaftsgeschichte" bewertete der Stadtchef die strategischen Entscheidungen von Bosch und Schaeffler (LuK), ihre Standorte Bühl für Zukunftstechnologien wie die E-Mobilität zu stärken, auszubauen und mit Neueinstellungen erheblich aufzuwerten. Diese Entwicklung spiegle sich signifikant auch auf dem Arbeitsmarkt wider: Mit aktuell 2,1 Prozent verfüge die Bühler Region über die mit Abstand niedrigste Arbeitslosenquote im Gesamtbezirk Karlsruhe/Rastatt. Die Bandbreite der Unternehmen reiche von innovativen Start-ups bis zu Global Playern. Die Arbeitgeber meldeten allein im Dezember 144 neue Stellen zur Besetzung an.

"Personal nicht auf Verschleiß fahren"

Der OB zitierte an dieser Stelle den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann: "Wer hier schafft, der hat eine Lebensgrundlage und eine Zukunftsperspektive. Und damit ein Stück Heimat, auf das man sich verlassen kann."

Verlässlichkeit vermeldete Schnurr auch hinsichtlich des städtischen Haushalts als Folge des 2012 eingeleiteten Sparkurses. Nach aktuellem Stand schließe das alte Jahr mit einem Überschuss von 1,4 Millionen Euro ab. Und mit Mehreinnahmen von 9,8 Millionen Euro zum Vorjahr könne nun endlich und sukzessive der Instandsetzungsstau an öffentlichen Gebäuden aufgelöst werden. Auch der 2017 eingeleitete Personalaufbau sei letztlich alternativlos, um den von Bund und Land den Kommunen zugewiesenen Aufgaben gerecht zu werden und der Gefahr vorzubeugen, im Personalbereich "auf Verschleiß" zu fahren.

Über seine Rathausmann-schaft lässt Schnurr ohnehin nichts kommen: "Wir sind ein tolles Team!"

Im weiteren Verlauf thematisierte er die Campus-Gestaltung. Der erste Baustein für ein eigenständiges Kultur- und Bildungsviertel rund um Bürgerhaus, Mediathek und Carl-Netter-Realschule werde in diesem Jahr mit einer Mensa und einem Jugendcafé auf dem Kifaz-Gelände gesetzt. Aber auch der Ausbau der Bachschloss-Werkrealschule werde 2018 eingeleitet.

Nicht zu vergessen das Windeck-Gymnasium. Vor allem die Energiebilanz des mittlerweile über 40 Jahre alten Gebäudes sei "katastrophal". Der Gemeinderat wird vermutlich noch in der ersten Jahreshälfte entscheiden, ob eine Sanierung oder ein Abriss mit Neubau "der bessere Weg ist". Das "Windeck", das zum nächsten Schuljahr ein Sportprofil erhält und damit zwischen Karlsruhe und Offenburg ein Alleinstellungsmerkmal darstellt, feiert im Übrigen dieses Jahr ein Jubiläum.

Zum Schluss seiner gehaltvollen Rede ermunterte der OB seine Gäste, die künftigen Aufgaben "mit Zuversicht anzupacken, mit Vernunft zu begleiten und mit Engagement zum Abschluss zu bringen. Wir alle wollen schließlich gemeinsam das Beste für unsere schöne Stadt erreichen".

Das Beste gaben auch die einzelnen Gruppen von der Bühne 1 des Vereins Sternfänger unter der Leitung von Ute Volk sowie den Verantwortlichen für Gesang, Stimmbildung, Tanz und Performance, Anastasia Kassama und Leonie Werz.

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