Im Fokus der Langfinger

23 Einbrüche seit Oktober: In Lichtenau und Rheinmünster herrscht Verunsicherung. Foto: dpa

Von Holger Siebnich

Bühl/Lichtenau/Rheinmünster - "Es ist alles draußen, was zur Verfügung steht", sagt Walter Kautz. Mit "draußen" meint der Leiter des Bühler Polizeireviers den nordwestlichsten Zipfel seines Zuständigkeitsgebiets, die Gemeinden Rheinmünster und Lichtenau, wo seine Kollegen Einbrecher jagen. Seit Oktober sind die Täter dort 23 Mal in Häuser eingestiegen - und jedes Mal unerkannt entkommen. Unter der Bevölkerung macht sich Verunsicherung breit. In Scherzheim patrouillieren abends Anwohner auf den Straßen.

Kautz will das Problem nicht kleinreden. "In dieser Häufung sind die Fälle dort bislang noch nie aufgetreten", sagt er mit Blick auf die Statistik. So seien im vergangenen Jahr bis April lediglich vier Einbrüche in den beiden Kommunen zu verzeichnen gewesen - bis im Herbst und Winter die Fallzahlen auf einmal durch die Decke schossen. Seitdem hat es in Lichtenau 14 Einbrüche gegeben, in Rheinmünster neun. Bereits seit Anfang Dezember überwacht das Revier mit Unterstützung von Kriminal- und Bereitschaftspolizei die beiden Gemeinden intensiv, sowohl mit uniformierten als auch mit Zivilstreifen.

Die Täter verhalten sich nach Angaben des Revierleiters professionell, die Spurenlage ist dünn. Trotzdem gehen die Ermittler davon aus, dass die Einbrüche auf das Konto von einer Gruppe gehen. Laut Kautz liegen die betroffenen Häuser in der Regel am Ortsrand, wo die Einbrecher auch über Feldwege das Weite suche können.

Mit schwerem und sperrigem Diebesgut wie Fernsehern halten sie sich dabei nicht auf. Sie haben es abgesehen auf Bargeld, Schmuck, Uhren, Münzen oder auch mal Handys und Kameras. Auf der Suche nach Wertgegenständen stellen sie die Häuser auf den Kopf und hinterlassen Chaos. "Darunter leiden die Betroffenen meistens mehr als unter dem eigentlichen Diebstahlschaden", schildert Kautz seine Erfahrungen.

Auch an Lichtenaus Bürgermeister Christian Greilach haben sich bei den Neujahrsempfängen und Versammlungen der vergangenen Tage besorgte Anwohner gewandt. "Im persönlichen Gespräch hat das Thema durchaus eine Rolle gespielt", erzählt er. Er vertraue auf die Arbeit der Polizei: "Es sind regelmäßig Streifen unterwegs, die Polizei ist aktiv."

In Scherzheim, wo es allein sieben Einbrüche gab, sind Bürger aber auch selbst aktiv geworden. Eine siebenköpfige Gruppe ist dort täglich in den Abendstunden mit Taschenlampen und teilweise mit Warnwesten unterwegs, um Präsenz zu zeigen. Begonnen mit der Patrouille hat Reiner Griebenow, nachdem am 28. Dezember bei einem seiner Nachbarn eingebrochen worden war. "In den Ferien standen einige Häuser leer, deshalb habe ich abends nach dem Rechten geschaut", erzählt er. Mittlerweile hätten sich sechs Mitstreiter angeschlossen, die sich über Whats-App organisieren. Die Gruppe spreche auch unbekannte Personen auf der Straße an oder stoppe mal ein fremdes Fahrzeug, erzählt Griebenow. Eine verdächtige Wahrnehmung habe es bislang aber nicht gegeben.

Revierleiter Kautz steht diesem Engagement allerdings kritisch gegenüber. Grundsätzlich könne ein wachsamer Blick auf das Anwesen des Nachbarn von Nutzen sein. Die Polizei warne allerdings vor Alleingängen. Zum einen könnten dadurch unschuldige Passanten auf den Straßen erschreckt werden. Zum anderen brächten sich die Beteiligten im Ernstfall selbst in Gefahr, "die bei einem bewaffneten Täter nicht absehbare Folgen haben könnte". Wer eine verdächtige Wahrnehmung mache, solle den Notruf 110 wählen. Das ist auch Griebenow bewusst: "Wir würden im Ernstfall niemanden festhalten. Wir wollen keine Helden sein", sagt er.

Kautz appelliert derweil an die Hauseigentümer, sich mit dem Thema Prävention auseinanderzusetzen. So biete die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle des Polizeipräsidiums Offenburg kostenlose Hausbesuche an, bei denen Experten Schwachstellen wie Fenster oder Türen in Augenschein nehmen. Die Beamten sind zu erreichen unter (07222) 761401.

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