Perlendes für Druck- und Schluckwillige

Perlendes für Druck- und Schluckwillige

Bühl (wv) - War er bisher ein Ereignis im Quadrat (des Marktplatzes) gewesen, so stellte er sich gestern als Event im langen Rechteck (der Eisenbahnstraße) dar: Der Närrische Markt öffnete wegen der Sanierung des Bühler Paradeplatzes seine Pforten im Exil nördlich des Rathauses. Doch die Narrenvereine und die Fußvolknarren kamen auch mit diesem Spielort zurecht.

Die kleinere Marktfläche hatte den Vorteil, dass sich bald eine ähnlich dicht an dicht gepackte menschliche Nähe einstellte. Die Schluck- und Druckwilligen, Kuss- und Brätschbereiten stützten sich gegenseitig. Umfallen war kaum möglich, und die Fastnachter wärmten sich gegenseitig.

Die Narrhalla 1826 Bühl, die den Markt federführend managt, hatte keine Kosten und Mühen gescheut, die Lufttemperatur glühweinfreundlich niedrig zu halten und mit vom Himmel stiebenden "Eiskonfetti" die winterlich-fastnachtliche Stimmung zu vervollkommnen.

Als Fähnlein der acht Aufrechten hielten die in der Zwetschgenstadt gebliebenen Bühler Hexen die Stellung. "Einer muss jo s'Geld einnehme, des die andere in Düsseldorf ausgebe", erklärte ein Platzhalter.

Den Grundgedanken, mit dem Fred Sackmann einst den Närrischen Markt initiiert hatte, hielten mehrere Gruppen und Einzelkämpfer lebendig: Lustiges und Skurriles, Mögliches und Unmögliches unters Volk zu bringen. Die Einzelgänger repräsentierte "Oberhemglunkerle" Ingo Anselm, in dessen Marktchaise man für kleines Geld nach überraschenden Gewinnen "krabbelsacken" durfte. "Rübezahl Rüdi und seine Miezen" versuchten, den Besuchern die "Katze im Sack" zu verkaufen - mit ihren Hänferdörfler Verkaufstalenten.

Auch die Tombola der Bühler Lichtputzer war reich bestückt, von Frischblumen über hochprozentige Narrenaufwecker bis zu Dosenwurst. Anton als Cheftombolaner pries die Glückschancen beredt an. Aus diesem "Hafen" zog wiederum "'s Große Harald" eine antike Tischlampe als einen der Hauptgewinne, worauf gemutmaßt wurde, dass nun auch dem Hänferdorf ein Licht aufgehen werde.

Tapfer leerten die Besucher Sektgläser und Glühweinbecher, denn: "Man opfert sich, schließlich muss man die Narrenvereine unterstützen", erläuterte eine Schluckwillige. Doppelte Chancen hatten sie dazu bei der Narrhalla, die an ihrem Bierwagen neben eben diesem Getränk auch prickelnden Sekt anbot. Der Glühwein war als Magen- und Handwärmer gleichermaßen begehrt. Heiße Sachen zum Kalorienauffüllen offerierten etliche Vereine, unter anderem der Kappler Allda mit seinen Currywurst samt scharfer "selbstgemachter Soße".

Recht rar machten sich kostümierte Fußvolknarren: Dabei glänzten als treue Gäste die "Mooser Mädle mittleren Alters" (Gudrun, Gabi, Doris und Otti) als Schneefrauen mit begleitender Schornsteinfegerin.

Das Nordpol-/Narrhalla-Team gab sich als Himmelblau-und-Rosa-Plüschbären mit den Volleyballer-Plüsch-Bisons ein Stelldichein. Die Altersspanne der Besucher reichte von Alessio mit 15 Lebensmonaten bis zu Betagtnarren, die noch das letzte Jahrtausend jahrzehntelang genossen hatten.

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