Engagement gegen den Untergang

Der neue Tafel-Vorstand (von links): Pfarrer Edwin Höll, Renate Anselm, Geschäftsführerin Renate Schneider, Vorsitzende Sandra Hüsges und Rolf Eckert.  Foto: Fischer

Bühl (efi) - Die durch Veruntreuung der Vereinsfinanzen stark gebeutelte Bühler Tafel startet mit einem vierköpfigen Vorstand einen Neuanfang. Ulrich Nagel, der in der Mitgliederversammlung die Versammlungs- und Wahlleitung übernommen hatte, sprach von einem "Scherbenhaufen", den der bisherige alleinige Vorsitzende angerichtet habe. Jetzt gelte es, als tatkräftiger Verein aufzutreten und "das Fundament wieder aufzubauen". Sachliche Informationen und die Aufarbeitung der Ereignisse prägten die Zusammenkunft.

Im Februar hatte die Geschäftsführerin des Tafelladens, Renate Schneider, die Veruntreuung bekannt gemacht. Die Staatsanwaltschaft Baden-Baden wirft dem im März 2016 gewählten ehemaligen Alleinvorstand vor, sich zwischen September 2016 und November 2017 mehr als 77 000 Euro angeeignet zu haben. Der gelernte Bankkaufmann ist geständig und laut Staatsanwaltschaft zur Schadenswiedergutmachung bereit.

Wie die mehrheitlich einstimmig entschiedenen Wahlen verlief die Versammlung ruhig und gänzlich ohne Debatten. Fragen nach der Schadenshöhe und eindringliche Mahnungen, nach den schlechten Erfahrungen mit einem alleinigen Vorstand künftig das Vier-Augen-, besser noch das Acht-Augen-Prinzip umzusetzen, bestimmten die Redebeiträge. Rund 35 Mitglieder waren der Einladung am Montagabend gefolgt, etliche weitere Interessierte verfolgten das Geschehen im Alban-Stolz-Haus, darunter ehrenamtliche Mitarbeiter des Tafelladens. Sandra Hüsges soll den Verein künftig in ruhiges Fahrwasser führen. Ihre Wahl zur Vorsitzenden erfolgte einstimmig. Wie ihre drei neuen Vorstandskollegen hatte sie bereits im Sommer ihre Bereitschaft zur Kandidatur erklärt. Die in Bühl lebende 47-jährige Ingenieurin und Mutter zweier Kinder engagiert sich seit 2009 bei der Tafel und hat mehrere Spendenaktionen organisiert. Ihr zur Seite steht der Pfarrer im Ruhestand Edwin Höll. "Ich mache das, weil sich sonst niemand meldet", erklärte der 86-Jährige, der in diesem Jahr sein 60-jähriges Priesterjubiläum feiert, sein "Engagement gegen den Untergang". Mit den Worten "Es bleibt mir nichts anderes übrig" kommentierte er seine Wahl mit einer Gegenstimme und fünf Enthaltungen. Renate Anselm und Rolf Eckert, beide aus Bühl, werden sich die Aufgaben des Schatzmeisters und der Schriftführung künftig teilen. Anselm, die im April in den Ruhestand geht und als Betreuerin ehrenamtlich tätig ist, stellte sich als gelernte Buchhalterin und Controllerin vor, die ihre betriebswirtschaftlichen Kenntnisse und Fähigkeiten einbringen möchte. Der in Neusatz lebende Eckert ist Diplom-Kaufmann und als Berufsschullehrer an der Robert-Schuman-Schule in Baden-Baden beschäftigt. Als Kassenprüfer stellten sich das Gründungs- und frühere Vorstandsmitglied Hilde Müller sowie FDP-Stadtrat Lutz Jäckel zur Verfügung. Vor den Wahlen hatte Rechtsanwalt Mathias Wich Einblick in die juristische beziehungsweise strafrechtliche Situation gegeben. Neben dem bereits festgestellten veruntreuten Betrag seien zusätzlich 1100 bis 1800 Euro offen. "Das bekommen wir auch noch aufgeklärt", stellte Wich in Aussicht. Für ein künftiges Regressverfahren sei es wichtig, exakt den der Tafel entstandenen Schaden zu ermitteln. Es bestünden "gute Chancen", das Geld zurückzubekommen, machte Wich Hoffnung. Vermögenswerte zum Schadensausgleich seien vorhanden, so der Anwalt. Zudem besitze der Verein eine Eigenschadenversicherung. Ob sie einspringt, werde derzeit geprüft. "Es wurden die Ärmsten der Gesellschaft geschädigt beziehungsweise ein Verein, der ganz wichtige Arbeit leistet", fasste Ulrich Nagel zusammen.

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